Nach Hause finden

Ich habe in der letzten Zeit immer mal wieder en passant Dyn-DNS-Dienste erwähnt (Wecki wecki! und schon früher, zu Zeiten der Raspberry-Pi-Basteleien, hier: My Intranet is my castle). Darum ist es mal an der Zeit, etwas ausführlicher zu werden.

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Gibt es etwas Traurigeres als einen heimatlosen Nerd? (Bild: annyboy89/pixabay.com, CC0)

Dynamisches DNS gibt es, weil die Provider uns Kunden gerne einen Aufpreis für statische IP-Adressen verrechnen möchten. So zumindest meine Interpretation. Wahrscheinlich war es früher, in Zeiten von Dial-Up sinnvoll, die Adressen durchzuwechseln. Damals hat man sich typischerweise ein-, zweimal pro Tag mit dem Netz verbunden. Und manche Leute auch nur alle drei Wochen. Warum also eine IP-Adresse konstant blockieren?

Heute, im Breitband-Zeitalter, wäre eine statische IP-Adresse kein übertriebener Luxus. Allerdings würde sie Überwachern ihre Überwachungstätigkeit nochmals deutlich erleichtern, sodass es doch ganz okay ist, wenn der Haushaltsrouter nicht jahrelang unter der gleichen IP-Adresse kommuniziert. Und mit IPv6 wird dann irgendwann mal sowieso alles anders. Ach ja, mir fällt auf: Mit dem Wechsel zu Init7 ist IPv6 nun tatsächlich endlich ein Thema für mich.

Also, zurück zum Thema: Normalerweise ist es egal, wenn die IP-Adresse des Heimanschlusses wechselt. Für manche Anwendungen aber nicht. Nämlich immer dann, wenn man aus dem Internet auf einen Computer zuhause zugreifen möchte. Zum Beispiel, wie eingangs erwähnt, um einen Computer aufzuwecken oder mit dem Raspberry Pi zu kommunizieren. Mit einem Router wie dem Turris Omnia kann man auch eine kleine Website betreiben und direkt selbst hosten. Oder man stellt irgendwelchen Own-Cloud-Kram an. Dazu habe ich demnächst noch ein paar Testergebnisse.

Möchte man von aussen auf seine heimischen Computer zugreifen, dann sind die Wechsel der IP-Adressen ein Problem. Sie führen dazu, dass man quasi nicht mehr nach Hause findet. Der dynamische DNS löst das. Er lässt sich in schöner Regelmässigkeit über die gerade aktuelle IP-Adresse informieren, und er gibt diese Information an einen weiter. Ausserdem stellt er eine schöne Adresse zur Verfügung, über die man zugreifen kann. Wenn man einen Webservice laufen hat, dann kann man den wie jede andere Webseite ansurfen.

Ich habe einige solcher Dyn-DNS-Dienste angeschaut. Am meisten hat mich letztendlich spdyn.de überzeugt. Der Dienst stammt nicht irgendwoher, sondern ist in Lüneburg zu Hause. Wie weit man sich vom Slogan «SecurITy made in Germany» beeindrucken lässt, ist natürlich eine Frage der Persönlichkeit. Ich finde es graduell besser als «SecurITy made in the Belarus» – aber nichts gegen die Weissrussen.

Man erhält für lau fünf Hosts, wobei in aller Regel einer ausreicht. Man kann wie auch bei anderen Diensten üblich den Namen wählen, der als Subdomain unter der Domain des Dyn-DNS-Anbieters erscheint. Bei spdyn.de hat man diverse Domainnamen zur Auswahl, auch etwas alberne wie my-router.de, my-gateway.de oder my-firewall.de. Ich bin angetan von spdns.eu, weil man damit auch noch ein kleines politisches Statement von sich geben kann.

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Hier verwaltet man seine Hosts – die Zuordnung eines Namens zu einer IP-Adresse.

Man kann seine Hosts entweder mit IPv4 oder mit IPv6 betreiben. Und in einer Statistik sieht man die Aktivitäten für seine Hosts.

Bleibt natürlich die Frage, wie der Dyn-DNS-Dienst über IP-Adressänderungen informiert wird. Das ist einfach, wenn der Router eine entsprechende Funktion unterstützt: Dann trägt man dort seine Daten für den Dyn-DNS-Dienst ein und er erledigt das dann. Die gemeine FritzBox beherrscht diese Funktion, und es gibt für sie sogar einen eigenen Dyn-DNS-Dienst, der allerdings mit dem an Peinlichkeit kaum zu übertreffenden Namen myfritz.net gestraft ist.

Der oben erwähnte Turris Omnia-Router bzw. das dort laufende OpenWrt-Betriebssystem können Dyn-DNS von Haus aus und sie unterstützen auch spdyn.de. Also – auch hier ist das Leben einfacher als mit der Horizon-Box, die natürlich auch von DynDNS nichts wissen will. In so einem Fall könnte man z.B. den Raspberry Pi mit der Aufgabe betrauen.

Fazit: Keine weltbewegende Sache, aber eine, die bei vielen nerdischen Dingen zu den ersten Schritten gehört. Und darum eben zum Inventar gehört.

Demnächst werde ich im Beitrag Am Internet herumbasteln beschreiben, wie man bei Hostpoint für seine Domains eine Weiterleitung einrichtet. Man kann somit eine schöne Domain wie meinzeug.ch auf die Dyn-DNS-Adresse weiterleiten, und so mit maximalen Charmefaktor seine Ablage zu Hause ansteuern.

Autor: Matthias

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