Google verschwendet Energie

Neulich bin ich dem Grafikformat WebP (Spitzname «weppy») begegnet. Es stammt, so erfährt man von Wikipedia, von den nimmermüden Google-Entwicklern. Und es zeichnet sich durch mehr Effizienz als PNG und JPG aus. Sie seien 26 Prozent kleiner als PNGs und 25 bis 34 Prozent kleiner als JPGs.

170216-clowning-around.jpg
Auf den Inhalt kommt es an. (Bild: Clowning Around, Free for Commercial Use/Flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Das ist sympathisch. Bandbreitenverschwendung im Netz ist ein grassierendes Übel. Seit sich Breitband und Flatrate durchgesetzt haben, scheinen die Leute zu glauben, dass es völlig egal ist, ob man eine Website möglichst effizient oder irgendwie durchs Netz schleust. Dass das ein Irrtum ist, merkt man, sobald man sich mit seinem Mobiltelefon mal in eine Gegend wagt, wo es nur Edge gibt. Edge ist gleichzusetzen mit offline, hat Sascha Lobo ja mal so schön gesagt.

Ob nun nicht maximal effiziente Dateiformate das grösste Problem sind, wage ich zu bezweifeln. Mehr ins Gewicht fallen Content-Management-Systeme, die Bläh-Code produzieren. Am schlanken Netz versündigen sich auch die Entwickler, die keine Ahnung von HTML haben und mit irgend einem bescheuerten Webeditor irgend einen Quatsch fabrizieren – siehe Abschnitt «Overuse» im Wikipedia-Beitrag zu span und div. Die allermeisten Bilder könnten auch im JPG und PNG-Format viel kleiner sein, wenn man sie in die richtige Bildgrösse brächte und mit den optimalen Einstellungen abspeichern würde (siehe JPGs kleinkriegen und Das gleiche in Grün für PNGs). Und natürlich – wenn die Werber einem nicht ungefragt Videos und megabyte-schwere Flash-Banner vor den Latz knallen würden, dann wäre das Datenaufkommen im Web nur halb so gross. Oder noch kleiner. Hier wird gesagt, Werbung würde bis zu 79 Prozent des Datenaufkommens ausmachen.

Andererseits: Irgendwo muss man ja anfangen. Also warum nicht beim Datenformat?

Aus mehreren Gründen, IMHO. JPG und PNG sind etabliert und akzeptiert. Jede lächerliche Kamera-App und jedes exotische Bildbearbeitungsprogramm kann mit den Formaten umgehen. WebP ist hingegen weitestgehend unbekannt. Photoshop CC 2017 kann es nicht öffnen oder schreiben. Firefox zeigt es nicht an, sondern lädt Dateien mit Endung .webp herunter. Microsoft Edge ignoriert diese komplett. Nur in Chrome kriegt man sie zu sehen. Bei Google erfährt man, dass man sich ein Plugin für Photoshop besorgen oder Pixelmator verwenden kann. Es gibt auch einen Codec für Windows.

Die einfachste Methode ist dieser Online-Konverter hier.

Ich denke, Google verschwendet mit WebP die Energie seiner Entwickler. (Wie es schon die Leute hinter Jpeg2000 und JPG XR getan haben.) Dabei gäbe es durchaus Bedarf für ein neues Grafikformat. Ich denke an einen modernen Nachfolger des Uralt-Formats GIF. Der müsste den gleichen Charme versprühen (der den hier propagierten Alternativen leider fehlt), aber viel effizienter sein.

Und er müsste so flexibel sein, dass man ihn auch für die Live-Fotos von Apple nutzen könnte, für die es bislang keinen Standard gibt.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Ein Gedanke zu „Google verschwendet Energie“

  1. Wenn WebP genügend Vorteile bietet, wird es in einiger Zeit auch von den meisten Anwendungen unterstützt. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als MP3 aufgekommen ist und dann DivX. Wobei die natürlich mehr als 25% Ersparnis gebracht haben…

    Ich gehe aber mit Dir einig, dass die Verschwendung im Web an anderen Dingen hält. Einerseits verwendet fast jede Site jQuery, häufig aber nur für Firlefanz wie Parallax Scrolling. Da jQuery meist per CDN eingebunden ist, geht das aber noch.

    Weit schlimmer sind die Inhalte: Werbung und Autoplay-Videos schon auf der Startseite. Die Startseite einer gewöhnlichen Tageszeitung ist mittlerweile mehrere Megabytes gross! Es bringt tatsächlich nicht viel, beim Logo dank WebP 50 KB einzusparen, dafür aber ein 50 MB grosses Video einzubinden, das fast niemand anschaut.

Kommentar verfassen