Zum Abschied legt einem Apple ein paar Steine in den Weg

Ich habe meine Drohung wahrgemacht und iTunes Match den Rücken gekehrt.

Nun war ich aber naiv, was das Ende dieses Abos anging. Ich dachte, man könne es einfach auslaufen lassen, und alles würde danach automatisch zur vorherigen, iCloud-losen Funktionsweise zurückkehren. Das heisst: Wenn man neue Musik aufs Gerät kriegen will, führt man halt einen Sync aus. Aber nein. Natürlich legt Apple Leuten wie mir, die zur Kündigung eines so tollen Dienstes wie iTunes Match erdreisten, zum Abschied noch ein paar Steine in den Weg. Das ist schliesslich typisch für solche goldenen Käfige: Der Weg hinein ist einfach. Der Weg hinaus erfolgt auf eigene Gefahr.

Der vielköpfige iCloud-iTunes-Moloch. (Der, anders als das Bild impliziert, nichts mit einer Erdbeere zu tun hat.)

Die Musik-App verhielt sich so, als sei iTunes Match weiterhin aktiv. Die Songs aus der iCloud wurden mit dem Wölkchen-Symbol angezeigt und bei einer aktiven WLAN-Verbindung sogar abgespielt. Das Herunterladen zum Zweck des Offline-Konsums war jedoch nicht möglich. Man solle dafür doch bitte einfach sein iTunes-Match-Abo verlängern. Haha, sehr subtil, Apple.

Wo deaktiviert man iTunes Match?
Ich begann also, in den Einstellungen nachzuforschen. Nahe liegende Anlaufstelle ist die Musik-Rubrik. Doch hier gibt es nur die Option iTunes Match abonnieren. Einen Befehl, iTunes Match endgültig zu deaktivieren, sucht man vergebens. Also versuchte ich mein Glück in der Kategorie iCloud. Da findet sich alles, nur kein Eintrag zur Musik oder zu iTunes Match. Auch das Abmelden und erneute Anmelden bringt nichts. An dieser Stelle griff ich zu Google. Manche Leute erzählten in Foren, sie hätten die übliche Verzweiflungstat begangen und das iPhone zurückgesetzt. Dass man diesen beschwerlichen und unsinnig aufwändigen Weg gehen muss, wollte ich nun nicht glauben.

Ich war schon gewillt, die Sache auf sich beruhen zu lassen und mich dazu zu entscheiden, bezüglich Apple-Musik-App kompletten Verzicht zu üben und meine musikalischen Bedürfnisse künftig exklusiv über Spotify und die Google Play Music-App zu stillen. Da kam mir der Gedanke, es an der dritten und letzten Stelle zu probieren, wo man eine solche Option vernünftigerweise noch vermuten konnte: Nämlich bei iTunes & App Store. Hier gibt es immerhin die Option Automatische Downloads für Musik und nochmals einen Knopf zum Abonnieren von iTunes Match. (Echt, Apple? Nochmal einen?)

141222-itunes-match-option01.png
Viele Knöpfe, um iTunes Match zu abonnieren – und nur einen gut versteckten Link, um es zu deaktivieren.

Einen Knopf zum Deaktivieren gibt es allerdings nicht. Ich kam dann auf die Idee, am Anfang der Liste auf meine Apple-ID zu tippen. Wenn man dann Apple ID anzeigen auswählt, sein Apple-ID-Passwort eingibt – wie oft ich mein Apple-ID-Passwort in der letzten Zeit eingetippt habe, geht auf keine Kuhhaut mehr –, dann gelangt man zu einer Übersicht seines Accounts. Und siehe da: Hier findet man unter iTunes in der Cloud die Option Dieses Gerät entfernen.

Nun präsentiert sich die Musik-App so wie erwartet: Mit einem traurigen Überrest von Songs, die anscheinend keiner löschen mochte. Die neuen Songs fehlen komplett und meine Wiedergabelisten sind alle weg. Muss das wirklich sein? Hätten nicht wenigstens die zum Offline-Hören heruntergeladenen Wiedergabelisten erhalten bleiben können, frage ich mich? Und habe urplötzlich Tim Cooks Stimme im Kopf: Klar, wenn man auf die Segnungen der iCloud verzichtet, muss man gewillt sein, die Mühsal des Musiksynchronisierens auf sich zu nehmen. De Foifer und s Weggli gibt es nun mal nicht. Hier, du Abtrünniger, akzeptiere die Konsequenzen deines Tuns!

Hm, benutzt Tim Cook tatsächlich Formulierungen wie «de Foifer und s Weggli»? Zu wünschen wäre es ihm… ansonsten war das eine astreine Projektion meinerseits, finde ich.

Mediathek aus den Fugen
Wie auch immer: Die Wiedergabelisten kehrten auch nach diversen Synchronisationsvorgängen nicht zurück und aus unerfindlichen Gründen fehlen auch die Hörbücher komplett. Ein Problem, das man auch in den Apple-Discussion-Foren häufig antrifft. Die Vermutung lautet dort, dass auch daran iTunes Match schuld ist. Es ist nämlich in der Tat so, dass sich Match nur auf die Musik bezieht und Hörbücher aussen vor lässt. Wenn man Hörbücher in die App hineinkriegen wollte, musste man somit trotz iTunes Match Synchronisationsvorgänge durchführen. Dabei scheint die Mediathek auf dem iPhone irgendwann mal komplett aus den Fugen zu geraten.

Empfohlen wird in solchen Fällen, das iPhone (natürlich) wiederherzustellen. Darauf hatte ich noch immer keinen Bock. In meinem Fall liess sich das Problem lösen, indem ich die Mediathek komplett geleert und dann neu synchronisiert habe – mit der Option Musik und Videos manuell verwalten auf der Übersichtsseite mit der iPhone-Konfiguration. Wichtig scheint mir, dass hier die Option Nur markierte Titel und Videos synchronisieren nicht angekreuzt ist. Mir sowieso ein Rätsel, wozu die überhaupt gut sein soll, ausser, um Synchronisationspannen zu produzieren.

Das Monster wächst Apple über den Kopf
Abschliessend konnte ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass Apple dieses iCloud-iTunes-Monster so langsam über den Kopf wächst. Mit den Altlasten und den Sync-Fallgruben ist es inzwischen so fehlerbehaftet, dass es entweder oft nicht mehr richtig funktioniert oder von den Anwendern in gutem Glauben falsch benutzt wird. Was aufs gleiche hinauskommt.

Lösen liesse sich das Problem wie folgt:

  • iTunes Match ist ein integraler, kostenloser Bestandteil von iCloud, der von allen Besitzern eines iPhones kostenlos benutzt werden kann – dafür 35 Franken zu verlangen, lässt sich angesichts von Google Music und Spotify eh nicht mehr rechtfertigen.
  • Die Music-App sollte zerlegt werden – in eine iCloud-Music-Variante, die sich ohne Sync nutzen lässt, und eine iTunes-App, die das Gegenstück zu iTunes auf dem Desktop darstellt. Da sind dann auch die Hörbücher drin, die sich nicht per Cloud abgleichen lassen.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Ein Gedanke zu „Zum Abschied legt einem Apple ein paar Steine in den Weg“

  1. Oh mein gott,
    du bist der größte hurensohn auf der welt, und hast anscheinend überhaupt keine ahnung von technik. wenn du das gerät aus itunes match entfernst ist noch lange nicht dein abo gekündigt. vermutlich zahlst du immernoch deine 25€ im jahr..

Kommentar verfassen