Doppelt sehen, ohne zu schielen

Das ist einer dieser banalen Tricks, die man nicht täglich braucht – die bei bestimmten Situationen aber enorm praktisch sind. Es geht um die Möglichkeit bei vielen Programmen, das Dokumentenfenster zu splitten oder zwei (oder auch noch mehr) Ansichten aufs gleiche Dokument zu öffnen. (Zum Umgang mit Haupt- und Dokumentfenster habe ich mich ausführlich im Beitrag Die Gfätterlibrüder aus Redmond ausgelassen).

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Das gleiche Bild zweimal in Photoshop – einmal in der normalen Ansicht, einmal mit der Maske.

In Word 2013 klickt man dazu im Menüband Ansicht im Abschnitt Fenster auf Teilen. Das Dokumentfenster wird nun horizontal hälftig geteilt. Den teilenden Balken kann man per Maus verschieben. Man kann in beiden Fenstern die Zoomstufe separat einstellen und via Ansichten-Abschnitt (im Menüband Ansicht) auch separate Modi einstellen. Zum Beispiel Entwurf in einem Fensterbereich und Seitenlayout im anderen.

Die Split-View ist vor allem bei längeren Dokumenten praktisch. Man kann sich zwei auseinanderliegenden Passagen des gleichen Dokuments widmen, ohne ständig hin und her scrollen zu müssen. Ich nutze das gern, indem ich am Anfang eines Doks eine kurze Übersicht der Punkte aufnotiere, die ich abzuhandeln gedenke. Diese Übersicht habe ich immer im Blick, während ich am hinteren Ende schreibend unterwegs bin. Es gibt auch andere Einsatzmöglichkeiten. Bei komplexen Doks kann es sinnvoll sein, die Gliederungsansicht im Auge zu behalten. Bei kniffligen Layouts (die ich nicht in Word erledigen würde) operiert man mit unterschiedlichen Zoom-Stufen. Und so weiter.

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Das gleiche Dokument zweimal in Word – einmal mit der Layoutansicht, einmal mit der Gliederung.

Mehrere Ansichten aufs gleiche Dokument sind auch bei anderen Programmen möglich, namentlich bei Photoshop, InDesign und Illustrator. Bei den Adobe-Anwendungen klickt man auf Fenster > Anordnen > Neues Fenster für [Dokumentname]. Bei InDesign gibt es auch den Befehl Fenster > Anordnen > Fenster teilen. Der erste Befehl macht zwei separate Fenster auf, die man frei anordnen oder über die Anordnen-Befehle (Übereinander, Nebeneinander, etc.) arrangieren darf. Der zweite Befehl erzeugt bei InDesign einen Split-Screen innerhalb eines Fensters, analog zu Word. Bei Illustrator klickt man auf Fenster > Neues Fenster.

Auch bei den Adobe-Anwendungen ist die zwei- oder mehrgeteilte Ansicht sinnvoll, wenn man sonst ständig hin- und wegzoomen müsste, weil man mal Detailarbeit macht und dann wieder grosse Veränderungen vornimmt. Man kann in InDesign verschiedene Seiten des Dokuments oder Ebenen offen halten. In Photoshop kann man ein Proof-Fenster offen lassen oder die Maske und das maskierte Bild gleichzeitig im Auge behalten1. Siehe dazu auch den Beitrag Mehrere Fenster öffnen. In Illustrator ersparen einem mehrere Fenster mühseliges Wechseln zwischen den Zeichenflächen.

Mit anderen Worten: Immer, wenn man viel Zeit mit Zoomen oder Scrollen zubringt, sollte man sich überlegen, ob man sich mit einer zweiten Dokumentenansicht das Leben nicht erleichtern könnte. Gross genug wären unsere Bildschirme dafür ja…

Footnotes

  1. Ein Manko gibt es allerdings: Die Ebenen werden in Photoshop immer für alle Fenster ausgewählt. Es ist somit (meines Wissens) leider nicht möglich, in einem Fenster eine andere Ebenenkonfiguration zu haben als im anderen. Die Auswahl eines anderen Farbkanals ist indes möglich. ^top

Autor: Matthias

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