Weil jedes Schrittchen zählt

Die Moves-App verrät mehr über körperliche Aktivitäten und soll den Nutzer animieren, grössere Strecken zu Fuss und per Velo zurückzulegen.

Die Moves-App zählt jeden Schritt, den man zurücklegt, und jede Minute, die man velofährt – und das, ohne dass man ein Extra-Gadget wie das Fuelband oder Fitbit mit sich tragen müsste. Über den Bewegungssensor des iPhone registriert die App Bewegungen, zeichnet sie auf, um sie dann auszuwerten, und am Abend ein ausführliches Bewegungsprofil anzuzeigen. Man sieht nicht nur wie viel man sich bewegt hat, sondern auch wo man unterwegs war.

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Links: Je dicker die Blase, desto grösser die Bewegungsfreude.
Rechts: Im Bewegungsprofil sieht man nicht nur, wie viel man sich bewegt hat, sondern auch, wo man unterwegs war.

Die App kann sogar unterscheiden, ob man zu Fuss, per Velo oder rennend unterwegs war. Die einzelnen Bewegungsarten werden separat ausgewiesen, sodass man am Abend in Form von farbigen Blasen sieht, wie viele Schritte man zurückgelegt hat und wie lange man auf dem Velo sass – je grösser die Blase, desto bewegungsfreudiger war man. Strecken, die man per Auto oder im öffentlichen Verkehr zurückgelegt hat, werden als «Transport» angezeigt. Wenn man die Blase antippt, wechselt die Anzeige von der Zahl der Schritte zur Gesamtdauer des Spaziergangs und dann zur Angabe in Kilometern.

Die Aktivitäten werden ausserdem als daily storyline angezeigt: Das ist ein Zeitstrahl, der chronologisch die Aktivitäten aufführt und zeigt, wo man sich wann aufgehalten hat. Wenn man einen Abschnitt antippt, sieht man seinen Weg in einer Karte eingezeichnet. Die zurückgelegten Strecken werden nämlich auch per GPS erfasst. Tippt man in der App auf die Datumsangabe, dann wechselt man zur Wochen- und zur Monatsansicht, bei denen man wiederum anhand der Grösse der Blasen sieht, wie viel man sich bewegt hat. Hat man an einem Tag einen neuen Rekord aufgestellt, wird das ebenfalls vermerkt.

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Links: In der Übersicht hält man aktive und bewegungsfaule Wochen auseinander.
Rechts: Das Tracking lässt sich zum Stromsparen oder zum Schutz der Privatsphäre auch abschalten.

«Moves ist ein Beispiel dafür, wie Smartphones zunehmend die Umgebung wahrnehmen, in der sie eingesetzt werden», hat Sampo Karjalainen, der Chef von ProtoGeo an der Vorstellung von Moves im Januar gesagt. Die App soll, das ist das erklärte Ziel, zu mehr Bewegung anregen und Übergewicht bekämpfen. Entwickelt wird sie von acht Entwicklern, die in Helsinki, London und Pittsburgh in den USA stationiert sind. Das Unternehmen hat von 1,6 Millionen US-Dollar von Risikokapitalgebern erhalten.

Vertretbarer Obolus beim Batterieverbrauch
Einmal installiert, läuft die App im Hintergrund, ohne dass man sie aktivieren müsste. Das hat zwangsläufig Auswirkungen auf den Batterieverbrauch, der bei unserem Test allerdings im erträglichen Rahmen blieb. Die Entwickler geben bei den FAQ («frequently asked questions» bzw. den häufig gestellten Fragen) an, die App sei so weit optimiert, dass man die App nutzen kann, wenn man das iPhone jeweils nachts auflädt. Diese Resultate variieren naturgemäss, daher muss man als Nutzer diesbezüglich eigene Erfahrungen sammeln.

Über das Zahnradsymbol und die Option Tracking kann man die Datenerhebung auch abschalten – für eine gewisse Zeit oder bis man es wieder einschaltet. Die Option Pause Until Next Charge pausiert die Überwachung, bis man das iPhone ans Ladegerät hängt – was hilft, wenn der Akku vorzeitig leer zu werden droht.

Fazit: Moves ist eine liebevoll gestaltete App, die einem vor Augen führt, wie viel man sich bewegt – oder eben nicht. Es gibt zwar eine Funktion fürs Sharing, man sammelt die Daten aber vor allem für sich und für die eigene Motivation. Beachten muss man dennoch, dass die Auswertung der Bewegungsdaten online, d. h. auf den Servern von Protogeo stattfindet. Das ist deswegen der Fall, weil die Auswertung offenbar relativ rechenintensiv ausfällt.

Was es beim Privatsphärenschutz zu bedenken gilt
Persönliche Daten werden nicht an Dritte weitergegeben, heisst es in den Datenschutzrichtlinien, ausser wenn das Unternehmen per Richter dazu gezwungen wird oder wenn das Unternehmen verkauft werden würde. Ähnlich pflegen es auch andere Unternehmen zu handhaben, die Daten über den Aufenthaltsort ihrer User sammeln. Trotzdem: Wer dem durchschnittlichen Start-up bezüglich Privatsphärenschutz nicht so recht trauen mag, der nutzt Moves entsprechend besser nicht.

Die App gibt es kostenlos im App Store. Eine Version für Android ist angekündigt. Wer sich über das Erscheinen mit einem E-Mail informieren lassen möchte, trägt sich in die Mailingliste ein.

Autor: Matthias

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