Braucht es das Privatfernsehen noch?

Ketzerische Frage: Braucht es das Privatfernsehen noch?

Da mir Castingshows am Allerwertesten vorbeigehen, ich für mein Leben genügend Auswanderer gesehen habe, mit dürren Models nur bedingt meine Zeit verbringen will und kein gesteigertes Interesse an boulevardisiertem Halbwissen habe, ist meine Antwort ein klares Hölle, nein!

Eine Rolle nehmen die Privatfernsehsender wie ProSieben, Comedy Central oder Kabel 1 indes noch wahr: Sie übermitteln mir Fernsehsendungen wie «Fringe» oder «Castle» auf den Festplattenrecorder. Oder Sitcoms, gelegentlich. Diesen Übermittlungsvorgsvorgang muss als im höchsten Mass fehlerhaft bezeichnet werden. Die Sendungen werden des öfteren durch eingestreuten Ballast unterbrochen, den man als Laie für massive und unverständliche Bild- und Tonstörungen halten würde. Wenn man sich bei einem Experten für Privatfernsehen erkundigt, dann erklärt der, dass es sich dabei um die sog. Fernsehwerbung handelt, mit dem die Privat-TV-Stationen ihr Geld verdienen.

Nun leben die meisten Zuschauer nicht mehr im düsteren Fernseh-Mittelalter. Diese dunkle Ära wurde bekanntlich durch das Aufkommen des sog. Internets beendet. Diese mirakulöse Erfindung stellt nicht nur Text und Bild im Überfluss bereit, sondern ist sogar für audiovisuelle Unterhaltung zu gebrauchen. Die meisten Medienkonsumenten haben von einer Quelle namens Du-Röhre gehört (in der Fachsprache Youtube genannt), auf der es Millionen und Abermillionen von Clips geben soll. Und wo sogar Filme und Serien angeboten werden.

Es gibt unter den medienkonsumierenden Menschen nun auch die ganz Mutigen oder ganz Frechen. Die mit Geld wissen, dass man Filme über das Internet mieten kann. Man kann sie dann sehen, wenn man Lust dazu verspürt und wird dabei nicht von diesen Bild- und Tonstörungen belästigt, die von den Experten für Privatfernsehen als sog. Unterbrecherwerbung bezeichnet werden. Die ohne Geld kennen einen krass bombastischen Hokuspokus namens Bittorrent. Er zaubert Serien auf den Bildschirm. Die wurden meist in einem fernen Land namens USA direkt bei der Erstausstrahlung aufgezeichnet. Es gibt in den USA zwar auch die sog. Fernsehwerbung…

… aber, Hölle und Verdammnis, eine 20-Minuten-Serie wird dort nicht durch eine 10-Minuten-Unterbrechung zweigeteilt, bei der nebst den immer gleichen Spots für WC-Steine, Damenbinden und Kalklöser auch Dutzende von Trailern gezeigt werden, die Shows bewerben, die man sich in diesem und im nächsten Leben nicht anschauen wird und dann auch noch komische Image-Filme laufen, bei denen man schreien möchte: «Ihr saudummen Ärsche von Pro Sieben, wenn ihr es liebt, mich zu unterhalten, dann macht es endlich, ihr…!»

… huch, frecherweise wurden hier die Ausführungen zur Fernsehwerbung durch einen unqualifizierten Einwurf abrupt unterbrochen, der obendrein von Verbalinjurien gespickt war. So geht das natürlich nicht. Darum mache ich jetzt das, was die Privatfernsehsender nach einer Werbepause auch gern machen. Sie spulen nämlich zurück und spielen die drei Minuten, die vor der Werbepause als letztes liefen, nach der Werbepause noch einmal ab.

Also: Die medienkonsumierenden Menschen ohne Geld kennen einen krass bombastischen Hokuspokus namens Bittorrent. Er zaubert Serien auf den Bildschirm. Die wurden meist in einem fernen Land namens USA direkt bei der Erstausstrahlung aufgezeichnet. Es gibt in den USA zwar auch die sog. Fernsehwerbung, aber erstaunlicherweise haben Elfen oder Heinzelmännchen (vielleicht auch Heinzelweibchen) die Werbeblöcke alle schon herausgeschnitten, sodass man die Serie ohne weitere Belästigung am Stück geniessen kann.

Und wenn man sich es überlegt… dann findet man, dass es genau so sein müsste. Eine Serie am Stück. Und zwar eine aktuelle Serie und nicht eine, die von vor 10 Jahren schon langweilig war.

… denn echt, wer hatte eigentlich die bescheuerte Idee, dass die Zuschauer nach der 500-sten Wiederholung von «Scrubs», «Two and a half men», «Roseanne», «Big Bang Theory» oder «King of Queens» die Serien «Scrubs», «Two and a half men», «Roseanne», «Big Bang Theory» oder «King of Queens» noch einmal 600-mal sehen wollen? Und wer sagt den Pfeifen bei diesem Sender «3+», «Drei plus», «Drei+», «3 Plus», oder wie man ihn auch immer schreibt – dass es auch noch andere Serien gibt als «How I met your mother» und «CSI Miami». Mit einem Muggefützli Mut könnte man vielleicht sogar einmal eine neue Serie ins Programm stellen? Vielleicht eine, die Gott bewahre!, nicht synchronisiert ist, sondern im O-Ton läuft?

Huch, schon wieder diese rüpelhafte Unterbrechung? Aber ich bin fast fertig…

… und überhaupt, was soll eigentlich dieses Plus bei «3+»? Das ist doch kalter Kaffee, seit RTL+ das «Plus» 1992 abgeschafft hat! Aber «Drei-Plus» hat ja auch ungefähr die Tonqualität von RTL+ vom 2. Januar 1984! Kann denen mal jemand sagen, dass man die Tonsupur nicht zu Tode dynamikkomprimieren muss? Dass es unsinnig ist, die deutschen Untertitel einzublenden, wenn «How I met your mother» in der deutschen Synchro läuft – die übrigens, abgesehen von Christian Tramitz, unausstehlich ist.
Verblüffend bei dem Sender ist, dass das Bild auch stundenlang mit einem massiven Grünstich ausgestrahlt werden kann, ohne dass es jemand merkt. Wenn die Fernsehwerbung so wenig einbringt, dass man sich keinen leisten kann, der beim Playout auch mal am Regler dreht, dann lässt man es vielleicht doch besser bleiben?!

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Stundenlang ein grünes Bild und keiner merkt es.

Noch eine Unterbrechung, kurz vor Ende? Das sind ja Zustände hier wie bei RTL (ohne Plus), wo der längste aller Werbeblocks bei «Monk» jeweils 30 Sekunden vor Schluss kommt. Wenn der durch ist, interessiert es einen längst nicht mehr, wer der Mörder war und meistens hat man entweder die Vorgeschichte schon wieder vergessen oder ist eingeschlafen. Kommerzfernsehen ist Mist. Ich habe fertig.

Autor: Matthias

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