Etwas peinlich ist es dem Teelogen schon, dass er im fortgeschrittenen Alter immer mehr wie ein Berufsjugendlicher wirkt. Statt Fencheltee mit Anis und Kümmel zu besprechen und die verdauungsfördernde (und flatulenzreduzierende!) Wirkung zu preisen, lobpreist er kaltgebraute Lifestyle-Kreationen, als ob für alle Zeiten festgelegt werden müsste, wer den grössten hat. Also, den grössten Satz Flüügel … Und Sieger in dieser Ausmarchung wäre eben nicht die Gummibärchen-Blubberbrause aus Fuschl am See, die weiland schon vor drei Jahrzehnten den Ravern an der ersten Streetparade eine leichte Herzrhythmusstörung bescherte.
Nein, der Teeologe kommt zum dritten Mal in Folge auf dieses Getränk aus den gelb-weiss-blauen Dosen zurück. Das ist unvermeidlich: Er leert sie inzwischen in solchen Mengen, dass es angebracht wäre, ihm den «El Tony» zumindest als zweiten Vornamen zu verleihen – oder ersatzweise die Ehrendoktorwürde in Mateologie. Also, das erste Mal würdigte der Teeologe das Erfrischungsgetränk aus seiner Wahlheimat. Beim zweiten Mal verteidigte er es gegen dreiste Anfeindungen aus dem Ausland und die Vereinnahmungsversuche durch einen Schweizer Grossverteiler (Migros), der ein schwielenlahmes Lama gegen sein Lebenselixier in Position brachte. Und heute geht es um eine Kreation, die der andere Schweizer Grossverteiler (Coop) gegen El Tony antreten lässt.
Das Gegenstück zu Red Bull, die Eskalationsdroge zu El Tony
Sie heisst Moa Mate Classic und trägt als Wappentier einen Vogel, der nicht nur flugunfähig, sondern auch ausgestorben ist. Die Botschaft kann eigentlich nur lauten, dass es sich hier weniger um eine Konkurrenz zu El Tony, sondern vielmehr um eine Art Anti-Red-Bull handelt – eine Art Antimaterie aus dem Universum der Energydrinks vielleicht? Die Rezeptur hingegen lässt keinen Zweifel daran, dass der Teeologe zur Kernzielgruppe gehört. Wenn El Tony die Einstiegsdroge war, dann ist Moa Mate der Stoff für die Eskalation: Bei Coop stecken 99 Milligramm Koffein in jeder Dose, wobei es bei El Tony nur 76 Milligramm sind – während alle anderen Werte fast identisch sind (El Tony hat mit 24 KJ etwas mehr Kalorien als Moa mit 94). Aber der Moa Mate sprudelt kohlensäuremässig mehr im Mund und wirkt wie das Vorbild, das einen Zacken weiter auf Wirkung gedreht wurde.
Damit muss der Teeologe sich einer Frage mit philosophischer Tragweite stellen. Ist mehr immer besser? In der Tat gelingt es Moa, das Trinkerlebnis um eine halbe Umdrehung zu intensivieren – was die Begleiterscheinungen wie das Kribbeln auf der Zunge anbelangt. Doch was den Geschmack angeht, findet der Teeologe das Original ehrlicher und authentischer. Der Abgang ist zwar ebenfalls etwas wuchtiger, aber auch weniger teeig und matehaft als das Original. Und er fühlt sich im Hals ein bisschen klebriger an.
Es ist wie beim Fernsehbild und der Bildbearbeitung: Billige Tricks helfen nicht weiter
Damit ist die Sache klar: Wie der Teeologe (in seiner Nebenrolle als TV-ologe) den Leuten vom «Mediamarkt» vergeblich zu erklären versuchte, wird das Fernsehbild nicht besser, wenn man die Sättigung unbotmässig aufdreht und das Bild künstlich schärft, als ob es kein Morgen gäbe.
Darum bleibt es dabei: Der Teeologe bleibt El Tony treu. Moa schlägt zwar Lama, aber seinen Koffeinpegel wird er weiterhin durch das Original aufrechterhalten. Denn die etwas niedrigere Dosierung des Purinalkaloids hat immerhin den Vorteil, dass er vier statt drei Dosen trinken muss, um auf das gleiche Niveau zu kommen … und daraus lernen wir, dass weniger manchmal mehr ist.