Netzsperren für Werbung

Die Möglichkeiten des Werbeblockierens war in diesem (teilweise werbefinanzierten) Blog auch schon ein Thema: In den BeiträgenTracker von der Schiene werfen und Zwölf tolle, weniger bekannte Mobil-Browser etwa. Oder in Weniger ist auch mobil mehr, wo ich den Inhaltsblocker 1Blocker X für Safari auf dem iPhone/iPad vorstelle.

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Hier wäre ein Werbeblocker angezeigt. (Bild: Jose Francisco Fernandez Saura/Pexels, CC0)

Eine interessante Möglichkeit habe ich auf Twitter gesehen. Da wird empfohlen, einfach einen bestimmten DNS-Server zu nutzen. Das ist eine klevere Idee: Eine Netzsperre für Werbung, quasi. Wenn die Adressen für Werbenetzwerke nicht aufgelöst werden, bleibt die Werbung weg.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Man muss nichts installieren. Es funktioniert in jedem Browser und in jeder anderen App – und eben nicht bloss in Safari, wie bei 1Blocker X. Und es erzeugt keine Rechenlast auf dem Mobilgerät, wie das mit einem lokal installierten Inhaltsblocker der Fall ist.

Nachteile gibt es natürlich ebenfalls: Die Aufrufe werden nicht aus dem HTML-Code entfernt, sondern ignoriert. Das kann auf manchen Seiten den Abruf verzögern oder im dümmsten Fall sogar Fehlermeldungen nach sich ziehen. Man kann die Blockierliste nicht selbst bestimmen, sondern muss mit der Liste leben, die der Betrieber des entsprechenden DNS-Servers für gut befunden hat. Man kann den Werbeblocker nicht auf einzelnen Seiten abschalten und so Inhalte freischalten, die wegen des Werbeblockers nicht mehr ausgespielt werden. Pro-Tipp für diesen Fall: Mit PrintFriendly (Man muss kein Internetausdrucker sein, um Printfriendly gut zu finden) sieht man die Inhalte meist trotzdem.

Es besteht das Risiko, das bei der Nutzung fremder DNS-Server immer besteht: Der Betreiber des Servers kann jede Adressabfrage protokollieren und, wenn er es geschickt anstellt, auch einem Nutzer zuordnen. So kommen sehr umfangreiche Profile zusammen, weswegen man eigentlich seinen eigenen DNS-Server betreiben sollte.

Und es gibt auch ein moralisches Problem: Darf man das Prinzip der Netzsperre in dem Fall gut finden, wenn die Netzsperren der Grund waren, bei der Volksabstimmung über das Geldspielgesetz ein Nein einzulegen? Für ausländische Leser: Es ging darum, ob ausländische Anbieter von Online-Geldspielen, die sich nicht an Schweizer Recht halten, mit entsprechenden Mitteln blockiert werden dürfen. Wir haben im Nerdfunk darüber gesprochen.

Die Antwort hängt natürlich davon ab, wie fundamental man gegen Netzsperren ist. Wenn man sie selbst jederzeit auch wieder ausser Kraft setzen kann, sehe ich kein Problem darin.

Ein kleiner Einschub: Mir ist neulich die Weltwoche vom 7. Juni 2018 in die Finger gekommen, wo Nationalrat Roger Köppel folgenden Unsinn von sich gibt:

Die ganze Diskussion um die Freiheit des Internets hat esoterische, leicht sektiererische Züge. Die Vorstellung, dass auf dem Internet alles frei und erlaubt sein soll, ist eine nicht unsympathische, aber kindliche, eine Teenagerfantasie. Es ist die Sehnsucht nach der regellosen Freiheit des Spielplatzes, der Kindergartentraum einer Welt ohne Lehrer, Eltern und Gesetze. Tanzt euch frei auf den Schulbänken eines Lebens ohne Vorschriften und Verbote.

Unsinn 1: Es ist nicht so, dass es keine Regeln für den Spielplatz gäbe. Googeln Sie, Herr Köppel: Ein paar wichtige Regeln für den Spielplatz, Einige Regeln für den Spielplatz, Die 10 Spielplatz-Gebote, Regeln auf dem Spielplatz, etc.

Aber vielleicht gibt es beim SVP-DNS-Server ja eine Netzsperre für das Mamablog des Tagesanzeigers.

Unsinn 2: Der «Kindergartentraum einer Welt ohne Lehrer, Eltern und Gesetze»: Die meisten Kindergärtner dürfen sich unbelastet fühlen, was Gesetze, die Strassenverkehrsordnung und das Steuerrecht angeht. Bezüglich «Lehrer» nehme ich an, dass Köppel die Kindergärtnerinnen und die Kindergärtner meint. Die dürfte den Kindern mitunter auf den Wecker gehen, doch genau wie bei den Eltern wird es so sein, dass die allermeisten Kinder nicht auf sie verzichten möchten. Es sei denn, sie werden misshandelt und geplagt. Ich will aber nicht unterstellen, dass Kinder in Köppels Umfeld geplagt werden.

Unsinn 3: Ausgerechnet der Mann, der sonst immer von «Eigenverantwortung» redet, hat sich nicht die Mühe gemacht zu verstehen, dass es nicht darum gehen soll, dass im Internet «alles frei und erlaubt sein soll». Es ist einfach so, dass löschen mehr bringt als blockieren.

Äh, ich bin vom Thema abgekommen. Zurück zum Werbeblocker per DNS: Eine entscheidende Frage ist natürlich, wer 194.150.168.169 betreibt. Laut der Liste hier ist es as250.net, was mir kein Begriff ist. Da ich keine schlüssige Antwort gefunden habe, was die eigentlich den lieben langen Tag machen, würde ich diesen DNS-Servern sicher nicht ständig, sondern nur von Fall zu Fall nutzen – wenn es sich gerade als nützlich erweist.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

2 Gedanken zu „Netzsperren für Werbung“

  1. Man kann auch seinen eigenen DNS-Server betreiben. Es gibt ein Projekt, das auf einem Raspberry Pi aufbaut: https://pi-hole.net/ Die Konfiguration ist einfach und die Filterlisten werden automatisch aktualisiert.

    Wegen den Ad-Blocker-Blockern reichen simple DNS-Sperren leider nicht mehr immer aus. Manchmal muss man ein Overlay (”Ad-Blocker deaktivieren” oder “nur für Abonnenten, bitte einloggen”) unsichtbar machen oder eine JavaScript-Variable (”hasAdBlocker”) auf false setzen. Die Anti-Ad-Block-Scripts kommen von der gleichen Domain wie der Seiteninhalt. Und sie ganz zu blockieren reicht nicht, denn im JavaScript-Code wird geprüft, ob sie geladen wurden.

    Aber für unterwegs ist ein anderer DNS-Server sicher nicht schlecht und spart einem auch viel Datenvolumen.

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