F wie Film. Oder Facepalm.

Der nachfolgende Blogpost ist mir schon jetzt peinlich. Doch meine Generation hat noch gelernt, dass einer, der einmal A gesagt hat, auch B sagen muss. Das ist mit ziemlicher Sicherheit eine jener Lebensweisheiten, die bei näherer Betrachtung völliger Unsinn ist: Denn wenn man im Verlauf von A klüger wird und sieht, dass B nicht nur überflüssig, sondern vielleicht sogar schädlich ist, sollte seine Pläne ändern. Was einem hier gelehrt wird, ist, stumpfsinnig an einmal gefassten Vorsätzen festzuhalten, statt das Leben flexibel – oder, wie das neuerdings heisst, «agil» – anzugehen. Aber wie das so ist: Die eingeimpften Verhaltensweisen lassen sich auch mit Vernunft nur schwer austreiben.

Und darum hier eine Fortsetzung meiner kleinen Blog-Reihe, in der es darum geht, Netflix auf die schlimmsten Filme hin abzuklopfen, die man dort zwecks Zeitverschwendung und Zelebrierung des schlechten Geschmacks in die gute Stube streamen lassen könnte. Es sind wieder einmal grauenhafte Filme. Aber wtf, nach A, B, C, D und E sage ich jetzt halt F.

Project X (Wikipedia, IMDB, Amazon)
Eine Highschool-Niete namens Thomas, der zum Schrecken aller Bildungsbürger und Germanistikstudenten von einem Schauspieler namens Thomas Mann gespielt wird, will mit seinen ebenso unbeliebten Kumpels zwecks Steigerung des eigenen Ansehens eine Party veranstalten. Glücklicherweise sind die gestrengen und reichlich bünzligen Eltern gerade aus dem Haus. Unglücklicherweise gerät die Party aber derartig aus den Fugen, dass das halbe Quartier niederbrennt.

Eine an sich witzige Ausgangslage, die in der Facebook-Ära nicht komplett unrealistisch ist. Das hätte darum ein prägender Streifen für das Genre der Teenie-Filme sein können. Diese Chance wurde vertan, weil die Figuren ein bisschen zu dumm und bösartig sind, um gemocht zu werden. Warum klaut der eine Honk beim Drogendealer noch den Gartenzwerg? Klar, der Drogendealer wird für die letzte Eskalationsstufe benötigt – aber aus erzählerischer Sicht trägt das dazu bei, dass man die dargestellte Jugend für so hedonistisch und verantwortunslos hält, dass sie ihr Schicksal nicht besser verdient. Bei den guten Teeniefilmen ist es so, dass kleine Verfehlungen an sich gutmeinender Teenies zur Katastrophe führen.

Hot bot (IMDB)
Die Welt wird von einer Erfindung beglückt, auf die sie wartet, seit ein Mensch zum ersten Mal das Wort «Roboter» vernommen hat: Der perfekte Sexroboter hat das Licht der Welt erblickt! (Seltsamerweise in Deutschland, of all places). Ein Senator will sich ein Exemplar namens Bardot besorgen, das aber abhanden kommt und in die Hände von sexuell unerfahrenen und unerfüllten Teenagern fällt.

Das könnte lustig werden – wird es aber nicht. Zum einen ist die Story bis auf wenige amüsante Szenen und ein paar überzeugende Dialogzeilen seltsam bis ärgerlich. Zum anderen tragen die Schauspieler nicht, auch Donald Faison nicht, den man von «Scrubs» her kennt. Die Besetzung der beiden Hauptfiguren mit dem nervösen Schlacksigen und den dicken Gemütlichen ist so stereotyp, dass man sich die Haare raufen möchte. Und während Zack Pearlman (der dicke Gemütliche) noch einigermassen okay-ish spielt, ist Doug Haley (der nervöse Schlacksige) zu fahrig, als dass man Mitleid mit ihm haben möchte, weil er Bardot dann noch nie so richtig nahe kommt.

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Ach, wäre es bei dem Film doch um die Suchmaschine gegangen!

Es zeigt sich einmal mehr: Je schräger eine Story, desto überzeugender muss sie erzählt, desto besser muss sie gespielt werden. Das ist hier nicht gelungen. Leider ist dieser Film noch nicht einmal für Fans schlechter Filme eine gute Wahl.

Deep in the Valley/Im tiefen Tal der Superbabes (Wikipedia, IMDB, Amazon)
Was wäre wenn sich ein dicker Gemütlicher und ein dünner Nervöser durch eine Maschine in eine Parallelwelt versetzen würden, in der die Szenarien der Pornofilme Realität sind? Das passiert Lester (Chris Pratt) und Carl (Brendan Hines), und während es dem ersten recht gut gefällt, fühlt sich der zweite eher so wie das Publikum: Nämlich unwohl.

Die Idee ist auf den ersten Blick bestechend und scheint eine Steilvorlage für ein satirisches Feuerwerk zu sein. Und es gibt auch tatsächlich komödiantische Momente. Andererseits ist die inhaltliche Leere und Lebensferne von Pornofilmen eine derartige Platitüde, dass sich damit nur schwer ein Film von 96 Minuten bestreiten lässt. So gesehen hätte das Resultat noch viel schlimmer ausfallen können. Wer Pennälerscherze und flache Unterhaltung nicht scheut, darf sich diesem Stream aussetzen. Wer andererseits auch von einem schlechten Film einen gewissen Erkenntnisgewinn ziehen möchte, ist hier verkehrt.

The Sitter (Wikipedia, IMDB, Amazon)
Noah Griffith ist der dicke Gemütliche, der aber ein Problem mit der Bewältigung des richtigen Lebens hat. Seine Mutter reitet ihn rein, indem sie ein Date hat und er nun den Babysitter spielen muss. Die Kids sind eine ziemliche Plage und obendrein möchte Noah die Chance auf eine heisse Party (mit anschliessendem Geschlechtsverkehr) mit seiner ihn nur ausnützenden Freundin nicht verpassen. Er schlittert von kleinen Krisen in grosse Katastrophen und hat am Schluss nicht nur einen schizophrenen Drogenhändler, sondern auch die Polizei am Hals.

Das klingt nun sehr schlimm – aber erstaunlicherweise hat mich dieser Film nicht allzusehr gequält. Das liegt zu einem grossen Teil an meinen Sympathien für Jonah Hill. Zum anderen wird die Story so weit stringent erklärt und sogar die Motive der psychopathischen Kinder werden am Schluss einigermassen klar. Plus: Es gibt ein Happy-End. Darum kann man sich diesem Machwerk aussetzen, auch wenn die Eingeweihten sagen, Adventures in Babysitting (Amazon) sei viel besser.

18-Year-Old Virgin (Wikipedia, IMDB, Amazon)
Was kommt heraus, wenn die Emanzipation bei Teeniekomödien Einzug hält und eine junge Frau sich um das bemüht, was in den Tenie-Filmen sonst die Jungs in Atem hält – nämlich die Frage: Wie werde ich wohl flachgelegt? Genau: Ein turmhoher Haufen Mist. Ich bin sonst sehr für die Emanzipation, aber dieser Film hier ist grässlich: Keine Freude für Mädchen und eine Peinlichkeit für Jungs – obwohl es ein paar Nippel zu sehen gibt.

My Awkward Sexual Adventure (Wikipedia, IMDB, Amazon)
Jordan Abrams wird von seiner Freundin verlassen, weil er ein schlechter Liebhaber ist. Daraufhin beschliesst er, seine diesbezüglichen Skills aufzubessern. Er gerät in einem Striplokal an Julia, die ihn, nachdem er sich die Kante gegeben hat, nicht auf der Strasse liegen lässt, sondern in ihr Apartment nimmt. Dort stellt Jordan fest, dass sie tief in den Schulden steckt und schlägt ihr vor, im Gegenzug für Verbesserungen seiner Fähigkeiten als Liebhaber eine Schuldenberatung durchzuführen – er ist nämlich zufällig Wirtschaftsprüfer oder eine Art kanadischer Peter Zwegat. Julia gibt sich Mühe und schickt ihn auch als Transvestit auf die Strasse. Doch der Deal geht nicht auf. Auch, weil ihre Finanzlage misslicher ist als gedacht.

Dann taucht Jonas’ Ex, Rachel, wieder auf und es ergibt sich ein klassischer Loyalitätskonflikt mit süsslich-kitschigen Verstrickungen. Letztlich trifft der Titel die Sache ganz gut: Der Film ist «awkward» und hinterlässt beim Zuschauer ein unbehagliches Gefühl: Die Story ist zu einfallslos, die Charaktere zu wenig lebensecht und der Film weiss nicht, ob er nun kitschig oder schrill sein wil.

Knallharte Jungs (Wikipedia, IMDB, Amazon)
2002 wollten die Deutschen beweisen, dass sie es auch drauf haben, Filme von der Qualität eines Werks wie Amercian Pie zu drehen. Und sie haben es mit deutscher Gründlichkeit bewiesen: Dieser Film ist so schlecht, dass er nur noch vom Vorgänger «Harte Jungs» erreicht wird: Schlecht gespielt, hanebüchene Story und gezwungen derb und unanständig. Wirklich ein verdientes Ende für diesen Blogpost, der spätestens jetzt nicht nur mir, sondern auch den verbliebenen Lesern zutiefst peinlich ist…

Autor: Matthias

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