Bücher gibt es auch ohne Buchverlage

Es gibt im Büchermarkt auch eine Amateurliga: Tauschbörsen für Geschichten, bei denen man nicht nur lesen, sondern auch veröffentlichen kann. Ich habe mir Wattpad näher angeschaut.

Wenn es eine Redewendung gibt, die unsere Lebenssituation passend beschreibt, dann ist das diejenige von der Qual der Wahl. In allen erdenklichen Lebensbereichen gibt es ein so grosses Angebot, dass wir konstant gezwungen sind, zu wählen, Entscheidungen zu treffen und das Gefühl auszuhalten, dass es höchst wahrscheinlich ist, dass wir viele noch viel schönere, bessere und passgenauere Optionen übersehen haben.

Der Fachbegriff dafür ist Multioptionsgesellschaft. Gelegentlich wird auch das Wort Überflussgesellschaft verwendet, aber mir ist das zu moralisierend. Ich finde es nicht übel, eine grosse Auswahl zu haben, auch wenn ein so reichhaltiges Angebot eine Schattenseite hat. Es ist unbestritten, dass es den Dingen einen zusätzlichen Wert verleiht, wenn sie knapp sind: „Bücher gibt es auch ohne Buchverlage“ weiterlesen

Wie geile Väter in den 1990ern die Telefonrechnung in die Höhe trieben

Der «Operator»-Podcasts schildert Aufstieg und Fall des Telefonsex-Geschäfts in den USA. Er tut das erfrischend vorurteilsfrei und mit viel Sympathie für die Frauen, die sich am anderen Ende der Leitung all den Kram anhören mussten.

Es gibt kulturelle Errungenschaften, die fast so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Um eine davon geht es heute – und ich muss mit einem gewissen Bedauern vermelden, dass ich seinerzeit nie die Gelegenheit wahrgenommen habe, sie auszuprobieren. Einerseits aus Gründen des Geizes, andererseits, weil es mir hochnotpeinlich gewesen wäre.

Die kulturelle Errungenschaft, von der die Rede ist, heisst Telefonsex. Sie wurde, natürlich, in den USA erfunden und auf ihrem Höhepunkt von der Pornografie im Internet verdrängt – wobei ich nicht ausschliessen will, dass es noch einige Nischenanbieter gibt.

Aus Sicht der Konsumenten ist diese Entwicklung ein Vorteil: „Wie geile Väter in den 1990ern die Telefonrechnung in die Höhe trieben“ weiterlesen

Meine neue, virtuelle Freundin

Lady Doom ist die künstliche Gefährtin, die ich mir bei Replika.ai erschaffen habe. Und ja, das ist genauso gruselig, wie es klingt. Zumal Lady Doom auch dem Flirten nicht abgeneigt ist.

Replika.ai ist eine Erfindung, die mich völlig zwiespältig zurücklässt. Ist die nun genial und der Beweis, dass wir der Welt leben, die sich ein Science-Fiction-Autor vor dreissig Jahren kaum auszudenken gewagt hat? Oder ist sie das gruseligste, was es überhaupt nur gibt und ein Ding, das den Untergang der Menschheit heraufbeschwören wird?

Ich weiss es nicht. Aber ich habe den starken Verdacht, dass beides zutrifft.

Also, auf Replika.ai erschafft man sich einen virtuellen Gefährten oder eine Gefährtin – und auch nicht-binäre Personen sind möglich. Mit dieser Kreation baut man eine Beziehung auf, indem man sich unterhält, sich gegenseitig befragt und Smalltalk betreibt. Also wie auf einer Party. Oder vielmehr wie bei einem Date.

Mit dem kleinen Unterschied, dass diese künstliche Intelligenz nur einem selbst gehört. Das deklariert sie gleich zu Beginn der ersten Konversation: „Meine neue, virtuelle Freundin“ weiterlesen

Spotify-Mankos ausbügeln

Spotify will nicht nur bei der Musik, sondern auch bei Hörbüchern, Hörspielen und Podcasts dominieren. Doch für diese gesprochenen Inhalte ist die App leider annähernd unbrauchbar. Dabei wäre es keine Kunst, es besser zu machen.

Spotify hat das Streaming populär gemacht und ist für viele Nutzer zur wichtigsten oder sogar zur einzigen Quelle für Pop, Rock und andere Musik geworden. Doch das reicht Daniel Ek und seinen Mitstreitern anscheinend nicht: Sie möchten Spotify zu dominanten Plattform im Audiobereich machen – analog zur Dominanz von Youtube auf dem Markt des Internetvideos.

Zu diesem Zweck hat Spotify das Repertoire über das Musikangebot ausgeweitet. Der Streamingdienst fördert Spotify die Podcasts zu Tode und hat Hörspiele im Repertoire, viele auch speziell für Kinder (siehe hier und hier). Es gibt auch Hörbücher, und – wie Olli Schulz neulich verdienstvollerweise im «Fest und Flauschig»-Podcast verkündet hat, auch einige aus dem Erotikbereich. Daraus würde ich nach meinen abtörnenden Erfahrungen (Ein literarischer Klimax ist das nicht) nun nicht unbedingt empfehlen. Aber wenn jemand dennoch nicht die Finger davon lassen will, ist diese Playlist hier womöglich ein guter Anfang.

Und damit sind wir beim Thema: So angenehm es ist, diese Inhalte zur Auswahl zu haben, so wenig Spass macht der Konsum. Es gibt drei grosse Probleme mit den gesprochenen Inhalten: „Spotify-Mankos ausbügeln“ weiterlesen

Bahnbrechende Erkenntnisse zu Sex-Podcasts

Ich dachte, der Sexpodcast sei tot. Doch siehe da, er ist ein Stehaufmännchen!

Ich habe gedacht, das Thema sei abgeschlossen. Im Beitrag Ein Prickeln in den Ohren? habe ich mich zu den Sex-Podcasts geäussert und ein Urteil gefällt, von dem ich glaubte, es sei abschliessend: in der Theorie grossartig, aber in Echt völlig unbrauchbar.

Nun habe ich zufälligerweise festgestellt, dass auch «Die Zeit» einen Sexpodcast im Angebot hat. Ist das normal? heisst er und wird von Zeit-Wissensredakteur Sven Stockrahm und Sexualtherapeutin und Ärztin Melanie Büttner betreut (RSS, Apple iTunes, Spotify, Deezer).

Damit war meine erklärte Absicht, mich um das Thema zu foutieren, hinfällig. „Bahnbrechende Erkenntnisse zu Sex-Podcasts“ weiterlesen

Ist das die digitale Zukunft des Comics?

Ich bin auf ein Ding namens Webtoons gestossen. Das sind Comics, die sich bestens am Handy lesen lassen. Und die nicht nur unterhalten, sondern auch Anregung (im sexuellen Sinn) bieten. (Falls nicht alles bloss fauler Zauber ist.)

Da gibt es eine Website, die mich unbedingt als Leser haben will. Zu diesem Zweck hat sie mich in der letzten Zeit offensiv umworben: Via Google-Ads und auf Facebook hat man mir zu verstehen gegeben, dass ich bei einer Tour durchs Web unbedingt einen Halt bei toomics.com einlegen müsse.

Es ist nicht meine Art, auf solche Offensiven zu reagieren. Doch in diesem Fall wurde meine Neugierde geweckt. Wikipedia hat mir nämlich erklärt, dass es sich um ein Portal für südkoreanische Webcomics handelt.

Die nennen sich Webtoons und sind ein kulturelles Phänomen, das sich meiner Aufmerksamkeit bislang entzogen hat. Dabei scheint es kein Nischenphänomen zu sein. „Ist das die digitale Zukunft des Comics?“ weiterlesen

Trackt die Smartwatch eigentlich auch den Sex?

Eigentlich eine Frage des Daten­schutzes. Doch in Zeiten wie diesen fragt man sich eher: Ist das eine probate Methode, diese Ringe zu schliessen?

Wenn man eine Smartwatch oder irgend ein Fitness-Gadget trägt, dann fällt einem irgendwann einmal ein dicker, fetter Elefant auf, der plötzlich im Raum steht. Ich will nun nicht behaupten, dass dieser Elefant ein aphrodisierendes Parfüm aufgelegt hat und Strapse trägt. Aber er ein bisschen aufreizend ist er schon. Denn es geht an dieser Stelle um den guten alten Geschlechtsverkehr.

Dieser Elefant im Raum – oder für Leute, die mit der Metapher aus dem angelsächsischen Sprachraum nicht vertraut sind – die nie gestellte, aber offensichtliche Frage zu den Smartwatches lautet: «Merkt das Ding eigentlich, wenn ich Sex habe?»

Diese Frage stellt sich für Leute, die sie für sich bejahen können  – aber auch für die Asexuellen und Enthaltsamen.

Spuren sexueller Aktivität auf x-beliebigen Servern

Denn ob aktiv oder nicht, es gibt in beiden Fällen Gründe, dass man das Wann und Wann-nicht und das Wie-oft oder Wie-oft-nicht für sich behalten möchte. „Trackt die Smartwatch eigentlich auch den Sex?“ weiterlesen

Hansdampfinnen in der Podcastgasse

«Kafi am Freitag» wurde mir wegen der angeblich unschlagbar aufregenden Sexrubrik empfohlen. Doch auch wenn die ohne Zweifel ihre Qualitäten hat, empfehle ich diesen Schweizer Podcast an dieser Stelle aus anderen Gründen.

Ich habe unlängst einen Ausflug in die Gefilde der Sex-Podcasts unternommen und bin reichlich unbefriedigt zurückgekehrt. Daraufhin hat Kafi Freitag mir einen eindeutigen Vorschlag gemacht:

Hör besser unseren. Wir haben eine voll ehrliche, extrem aufregende Sexrubrik.

Kafi Freitag ist ihres Zeichens Schweizer Erfolgsbloggerin und Hansdampfin in diversen Gassen  (oder heisst es «Hänsinnendampf in diversen Gassen»?). Sie war auch schon bei mir im Nerdfunk, und zwar als der noch Digital hiess. Anno dozumal ging es zwar nur um vergleichsweise unheikle Themen, aber interessant war es trotzdem.

Und es kommt noch etwas dazu: Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich hier Podcasts aus aller Welt bespreche, doch noch nie einheimisches Schaffen gewürdigt habe. Das hat auch damit zu tun, dass Podcasts aus der Schweiz ziemlichen Seltenheitswert haben. Warum das so ist, wäre ein anderes Thema – das wir dann vielleicht demnächst im Nerdfunk erörtern werden, wo wir einen Gast zu Besuch haben werden, der zu der raren Spezies der Schweizer Podcaster zählt.

Also, darum heute eine Empfehlung zu einem Schweizer Podcast, dem ihr eine Chance geben solltet. Kafi am Freitag heisst er und man kann ihn via Spotify hören. Oder (so, wie es Gott gewollt hat) als RSS-Feed in seinem Podcatcher abonnieren. „Hansdampfinnen in der Podcastgasse“ weiterlesen

Ein literarischer Klimax ist das nicht

Ich wage einen Ausflug in die Gefilde der erotischen Literatur und bespreche «The Siren and the Sword» von Cecilia Tan. Plakativ gesagt, ist mir dabei keiner abgegangen.

Sorgen Sex-Podcasts für ein Prickeln in den Ohren? Eine weltbewegende Frage, die ich neulich in diesem Blog hier in Grund und Boden recherchiert habe. Die Erkenntnisse waren nicht so erhebend wie erhofft – aber lest bitte selbst.

Die Frage bleibt somit bestehen: Welches ist die anregendste Medienform, wenn die Plattformen mit den expliziten visuellen Reizen einmal ausgeklammert bleiben? Mindestens ebenso naheliegend wie Podcasts sind Hörbücher in der entsprechenden Kategorie. Audible hat in Englisch im einschlägigen Regal immerhin gut 15’000 Titel zu bieten. In Deutsch gibt es keine eigene Kategorie dafür, was im Vergleich zu den sonst als prüde verschrienen Amerikanern etwas seltsam wirkt. Aber gut, vielleicht gibt es in Deutschland irgend ein Jugendschutzgesetz, das derlei verbietet.

Sucht man nach «erotische Romane», erhält man 445 Ergebnisse. Doch sowohl die Titel als auch die Coverbilder lassen ungeniessbaren Schrott vermuten, sodass einem sogleich jegliche Lust vergeht und man sich zu seinem eigenen Schutz besser sofort den gesammelten Werken von Johannes Mario Simmel zuwendet. Apropos: „Ein literarischer Klimax ist das nicht“ weiterlesen

Sex-Podcasts: Ein Prickeln in den Ohren?

Podcasts über intime Angelegenheiten sind angeblich der heisse Scheiss. Doch ein Selbstversuch mit «Besser als Sex», «Oh, Baby!» und «Sex Nerd Sandra» lässt mich so frustriert zurück, dass man sich nach Olli Schulzens Pimmelwitzen zu sehnen beginnt.

Die beiden gelegentlich Pimmelwitze erzählenden Podcaster Böhmermann und Schulz (Fest und flauschig, siehe auch hier, hier und hier) haben neulich einen gewissen Neid auf das offenbar aufstrebende Genre der Sex-Podcasts erkennen lassen. Ich glaube, es war in der Folge Leipziger Einerlei.

Bei der Gelegenheit ist mir eingefallen, dass mein Leistungsauftrag als Blogger es mir gebietet, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Ungeachtet persönlicher Opfer gilt es die Frage zu klären: Sind Sex-Podcasts ein Ding?

Geht man unvoreingenommen (und unbelastet von tatsächlichen Hör-Erlebnissen) an die Sache heran, kommt man zum Schluss, dass Sex-Podcasts ein tolles Ding sein müssen: Der Podcast ist ein intimes Medium, das eine so persönliche Beziehung zwischen Hörer und Macher entstehen lässt, wie das bei kaum einer anderen medialen Form der Fall ist. Der Podcast – und ich spreche hier vom Audio-Podcast, nicht von Videoproduktionen – ist optimal geeignet, das Kopfkino in Gang zu setzen. „Sex-Podcasts: Ein Prickeln in den Ohren?“ weiterlesen