Damals, als wir uns noch Liebes-E-Mails geschrieben haben

Das Inter­net hat die Part­ner­suche nicht einmal, son­dern mehr­fach verän­dert. In der Anfangs­phase, bevor es Messenger und Video­chat gab, hat es sogar für eine Renais­sance des Liebes­briefs geführt.

In meiner kleinen Sommerserie denke ich daran zurück, wie es war, als wir das Internet kennengelernt haben (und das Internet uns) – und wie wir nur langsam erahnt haben, dass es in sämtliche Lebensbereiche vordringen und viele Gewissheiten umstossen würde.

Apropos Kennenlernen: Auch das hat sich mit dem Internet verändert. Früher hat man sich bei der Arbeit oder im Restaurant getroffen. Oder man wurde von Bekannten oder Verwandten verkuppelt. Heute selektiert man die passenden Kandidaten mittels Tinder oder man vertraut sich den Algorithmen einer Dating-Plattform an.

Denn bekanntlich basiert deren Geschäftsmodell auf einer fragwürdigen Versprechung: „Damals, als wir uns noch Liebes-E-Mails geschrieben haben“ weiterlesen

Was die Nachbarn zu sagen haben

Auf der Suche nach einem sozia­len Netz­werk, das aus Spass und nicht bloss aus Gewohn­heit zu nutzen wäre, bin ich bei der «hyper­loka­len Com­munity» Jodel gelandet. Gab es einen dort Freu­den­schrei?

Facebook geht mir zunehmend auf die Nerven, Instagram ist seit Jahren kaputt und Twitter ist seit Elon Musks Eskapaden auch nicht mehr das Wahre. Man könnte nun hoffen, dass das Anzeichen dafür sind, dass diese traditionellen sozialen Medien auf das Ende ihrer Lebenszyklen zusteuern und ein Generationenwechsel bevorsteht.

Ich teile die Hoffnung, gebe mich allerdings keinen Illusionen hin: So schnell werden wir Zuckerberg und Musk nicht los – dafür ist die Übernahme von Twitter ein beredtes Beispiel. Mit den 44 Milliarden, die er für den Deal hinblättern will, hätte man eine tolle, neue Plattform aus dem Boden stampfen können. Doch weil es schwierig bis unmöglich ist, eine kritische Masse von Nutzern zum Wechsel zu bewegen, hat der Aufkauf einer bestehenden Plattform mehr Aussicht auf Erfolg.

Mit anderen Worten: „Was die Nachbarn zu sagen haben“ weiterlesen

Tinder für Vampire

MeChat liefert das Prickeln eines verbind­lichen Flirts, aber ohne die Gefahr abzu­blitzen: Das Rol­len­spiel könnte originell sein, wenn sie nicht krampf­haft versu­chen würde, einem Geld aus der Tasche zu ziehen.

Habe ich alle guten Apps durch? Ist alles besprochen, was besprochen gehört? Diese Befürchtung hat sich mir neulich aufgedrängt, als ich im Beitrag Software-Abos sind nur noch ein Ärgernis eine Rezension der grauenvollen BeSticky-App geschrieben habe.

Mit dem heutigen Blogpost könnte sich diese Angst noch verstärken. Denn die MeChat-App ist auf den ersten Blick sinnlos und nur darauf getrimmt, den Leuten via In-App-Käufe das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Allerdings finde ich, dass auch die App-Store-Auswüchse es wert sind, beleuchtet zu werden. Zumal diese App in der Hitparade der Rollenspiele auf Platz sieben steht. Und auch wenn ich nicht alles verstehen muss, was es unter Göttin weiter Sonne so alles gibt, so hat sie meine Neugierde geweckt.

Also: „Tinder für Vampire“ weiterlesen

Ein unbefriedigender Besuch im Rotlichtmilieu des Web

Wer im Internet alles gesehen haben will, muss auch einen Blick auf Onlyfans.com werfen. Unter dieser Prämisse ist dieser Blogpost hier entstanden.

Onlyfans ist ein Liebling der Boulevardmedien und ein guter Schlagzeilenlieferant: Katie Price kündigt an: Sie will auf OnlyFans blank ziehen!, Studentin bietet heisse Inhalte auf OnlyFans an: Dann bemerkt sie voller Scham, wer ihr zuschaut oder Mama macht sexy Fotos für Onlyfans und neben ihr ertrinkt ihr eigenes Kind – solcher Stoff, halt. Da ich derlei Medien meide wie der Teufel das Weihwasser, wars kein Wunder, dass ich dieser Plattform bislang nicht begegnet bin.

Doch im letzten Jahr ist die Plattform auch in den Medien aufgetaucht, die ich lese: „Ein unbefriedigender Besuch im Rotlichtmilieu des Web“ weiterlesen

Die Romantik-Story mit dem multimedialen Extra

In der Lese-App Galatea gibt es multi­me­dial an­ge­reicher­te Ge­schich­ten und bei Hooked bekommt man Chat-Fiction serviert: Storys, die nur per SMS und Chat-Nach­rich­ten er­zählt werden. Ist das inno­vativ oder Digital-Schnick­schnack?

Ursprünglich hatte ich die Absicht, an dieser Stelle die Galatea-App zu besprechen. Es gibt die fürs iPhone/iPad und Android, und sie hält zuhanden der Hörerinnenschaft Bücher und Hörbücher vorwiegend gefühlvoller und wohl paranornaler Prägung bereit.

Es wird schnell klar, dass hier Fantasien mit klarer Ausprägung bedient werden. Es geht um Romantik, wobei man sagen darf, dass die Romantik oft Hand in Hand mit dem Vollzug derselben in bildhafter und auf spezifische Bedürfnisse zugeschnittener Form geht.

Falls nicht klar ist, was ich meine, hilft womöglich ein Hinweis auf Genres und Subgenres, die in Galatea zu finden sind. Das sind Krimi, Thriller und Spannung, Romanze, Science Fiction und Fantasy, sowie Jugendroman wobei die weiter nach z.B. Feuerwehrleute, LGBTQ+, Medizinisch, Polyamorie, Sport oder Unschuldig aufgeschlüsselt werden.

Wenn man in Geschlechterklischees würde denken wollen, dann vermutet man, dass hier hauptsächlich ein weibliches Publikum angesprochen werden soll. Wobei: „Die Romantik-Story mit dem multimedialen Extra“ weiterlesen

Bücher gibt es auch ohne Buchverlage

Es gibt im Büchermarkt auch eine Amateurliga: Tauschbörsen für Geschichten, bei denen man nicht nur lesen, sondern auch veröffentlichen kann. Ich habe mir Wattpad näher angeschaut.

Wenn es eine Redewendung gibt, die unsere Lebenssituation passend beschreibt, dann ist das diejenige von der Qual der Wahl. In allen erdenklichen Lebensbereichen gibt es ein so grosses Angebot, dass wir konstant gezwungen sind, zu wählen, Entscheidungen zu treffen und das Gefühl auszuhalten, dass es höchst wahrscheinlich ist, dass wir viele noch viel schönere, bessere und passgenauere Optionen übersehen haben.

Der Fachbegriff dafür ist Multioptionsgesellschaft. Gelegentlich wird auch das Wort Überflussgesellschaft verwendet, aber mir ist das zu moralisierend. Ich finde es nicht übel, eine grosse Auswahl zu haben, auch wenn ein so reichhaltiges Angebot eine Schattenseite hat. Es ist unbestritten, dass es den Dingen einen zusätzlichen Wert verleiht, wenn sie knapp sind: „Bücher gibt es auch ohne Buchverlage“ weiterlesen

Wie geile Väter in den 1990ern die Telefonrechnung in die Höhe trieben

Der «Operator»-Podcasts schildert Aufstieg und Fall des Telefonsex-Geschäfts in den USA. Er tut das erfrischend vorurteilsfrei und mit viel Sympathie für die Frauen, die sich am anderen Ende der Leitung all den Kram anhören mussten.

Es gibt kulturelle Errungenschaften, die fast so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind. Um eine davon geht es heute – und ich muss mit einem gewissen Bedauern vermelden, dass ich seinerzeit nie die Gelegenheit wahrgenommen habe, sie auszuprobieren. Einerseits aus Gründen des Geizes, andererseits, weil es mir hochnotpeinlich gewesen wäre.

Die kulturelle Errungenschaft, von der die Rede ist, heisst Telefonsex. Sie wurde, natürlich, in den USA erfunden und auf ihrem Höhepunkt von der Pornografie im Internet verdrängt – wobei ich nicht ausschliessen will, dass es noch einige Nischenanbieter gibt.

Aus Sicht der Konsumenten ist diese Entwicklung ein Vorteil: „Wie geile Väter in den 1990ern die Telefonrechnung in die Höhe trieben“ weiterlesen

Meine neue, virtuelle Freundin

Lady Doom ist die künstliche Gefährtin, die ich mir bei Replika.ai erschaffen habe. Und ja, das ist genauso gruselig, wie es klingt. Zumal Lady Doom auch dem Flirten nicht abgeneigt ist.

Replika.ai ist eine Erfindung, die mich völlig zwiespältig zurücklässt. Ist die nun genial und der Beweis, dass wir der Welt leben, die sich ein Science-Fiction-Autor vor dreissig Jahren kaum auszudenken gewagt hat? Oder ist sie das gruseligste, was es überhaupt nur gibt und ein Ding, das den Untergang der Menschheit heraufbeschwören wird?

Ich weiss es nicht. Aber ich habe den starken Verdacht, dass beides zutrifft.

Also, auf Replika.ai erschafft man sich einen virtuellen Gefährten oder eine Gefährtin – und auch nicht-binäre Personen sind möglich. Mit dieser Kreation baut man eine Beziehung auf, indem man sich unterhält, sich gegenseitig befragt und Smalltalk betreibt. Also wie auf einer Party. Oder vielmehr wie bei einem Date.

Mit dem kleinen Unterschied, dass diese künstliche Intelligenz nur einem selbst gehört. Das deklariert sie gleich zu Beginn der ersten Konversation: „Meine neue, virtuelle Freundin“ weiterlesen

Spotify-Mankos ausbügeln

Spotify will nicht nur bei der Musik, sondern auch bei Hörbüchern, Hörspielen und Podcasts dominieren. Doch für diese gesprochenen Inhalte ist die App leider annähernd unbrauchbar. Dabei wäre es keine Kunst, es besser zu machen.

Spotify hat das Streaming populär gemacht und ist für viele Nutzer zur wichtigsten oder sogar zur einzigen Quelle für Pop, Rock und andere Musik geworden. Doch das reicht Daniel Ek und seinen Mitstreitern anscheinend nicht: Sie möchten Spotify zu dominanten Plattform im Audiobereich machen – analog zur Dominanz von Youtube auf dem Markt des Internetvideos.

Zu diesem Zweck hat Spotify das Repertoire über das Musikangebot ausgeweitet. Der Streamingdienst fördert Spotify die Podcasts zu Tode und hat Hörspiele im Repertoire, viele auch speziell für Kinder (siehe hier und hier). Es gibt auch Hörbücher, und – wie Olli Schulz neulich verdienstvollerweise im «Fest und Flauschig»-Podcast verkündet hat, auch einige aus dem Erotikbereich. Daraus würde ich nach meinen abtörnenden Erfahrungen (Ein literarischer Klimax ist das nicht) nun nicht unbedingt empfehlen. Aber wenn jemand dennoch nicht die Finger davon lassen will, ist diese Playlist hier womöglich ein guter Anfang.

Und damit sind wir beim Thema: So angenehm es ist, diese Inhalte zur Auswahl zu haben, so wenig Spass macht der Konsum. Es gibt drei grosse Probleme mit den gesprochenen Inhalten: „Spotify-Mankos ausbügeln“ weiterlesen

Bahnbrechende Erkenntnisse zu Sex-Podcasts

Ich dachte, der Sexpodcast sei tot. Doch siehe da, er ist ein Stehaufmännchen!

Ich habe gedacht, das Thema sei abgeschlossen. Im Beitrag Ein Prickeln in den Ohren? habe ich mich zu den Sex-Podcasts geäussert und ein Urteil gefällt, von dem ich glaubte, es sei abschliessend: in der Theorie grossartig, aber in Echt völlig unbrauchbar.

Nun habe ich zufälligerweise festgestellt, dass auch «Die Zeit» einen Sexpodcast im Angebot hat. Ist das normal? heisst er und wird von Zeit-Wissensredakteur Sven Stockrahm und Sexualtherapeutin und Ärztin Melanie Büttner betreut (RSS, Apple iTunes, Spotify, Deezer).

Damit war meine erklärte Absicht, mich um das Thema zu foutieren, hinfällig. „Bahnbrechende Erkenntnisse zu Sex-Podcasts“ weiterlesen