Mord und Wahnsinn

Wir leisten Ermittlungsarbeit. Und es macht auch noch Spass! Zwei Apps fürs Rätselraten – die eine spielt in einem alten Gefängnis, die andere im Computer eines Polizeipräsidiums.

Forever Lost: Episode 1 (2,84 für Android3 Franken für iPhone und iPad2 Franken für die SD-Version für iPad und iPhoneGratis-Version für iPhone und iPad) ist ein klassisches Locked room-Puzzle. Bei denen findet man sich eingesperrt in einem verschlossenen Raum. Man hat als Spieler üblicherweise auch sein Gedächtnis verloren und weiss daher nicht, wie man in diese verzweifelte Situation geraten ist. Was tut man also? Man blickt sich um, sucht nach erklärenden Hinweisen und nach Möglichkeiten zur Flucht.

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Spieglein, Spieglein, an der Wand…

Ich mag diese Spielidee. Der App-Store hält diverse Varianten des Spiels bereit, die jedoch leider fast allesamt Schrott sind. Die Variante von Glitch Games hingegen gefällt mir gut: Sie hat Humor, gruselige Grafik, einige gute Einfälle und ein ausuferndes Szenario. Man findet sich in einem Krankenzimmer wieder, wo man auf einer ranzigen Matratze liegt. Die Wände sind mit wirren Botschaften beschmiert, ein Tagebuch liegt auf dem Boden. Sobald man sich aus dem Zimmer befreit hat, macht man sich auf durch das verlassene Krankenhaus. Man knackt den Computer im Ärztezimmer, findet Hinweise im Warteraum, stösst auf unterirdische Gewölbe und sieht die Umgebung durch die (starken) Brillengläser eines irren Patienten.

Das Puzzle ist nicht bis ins letzte Detail schlüssig und die Steuerung mit den fixen Blickwinkeln im Vergleich zu 3D-Titeln etwas antiquiert. Sie erfüllt ihren Zweck im Genre des Point and Click. Und was wirklich praktisch ist: Sobald man das erste Rätsel gelöst hat, erhält man eine Kamera, mit der man Szenen fotografieren kann. Diese Aufnahmen kann man jederzeit zücken und sie zur Lösung komplizierter Rätsel heranziehen. Und es ist sogar möglich, sie in klein einzublenden oder per Stift Notizen auf ihnen anzubringen. Das hätte man sich bei vielen anderen Spielen auch schon gewünscht!

Die Rätsel haben für meinen Geschmack genau den richtigen Schwierigkeitsgrad: Leicht genug, damit das Spiel nicht in echte Arbeit ausartet. Und ausreichend anspruchsvoll, damit man bei der Stange bleibt. Und wenn man nicht weiterkommt, gibt es ein Hilfesystem, das einen dezent auf die Spur bringt.

Her Story von Sam Barlow (5 Franken fürs iPad und iPhone und im Steam-Store) hat ein aussergewöhnliches Spielkonzept: Man sitzt vor einem Polizeicomputer, in dem Videoclips von den Vernehmungen einer jungen Frau zu finden sind. Man kann nach Stichworten suchen und dann, falls vorhanden, die dazu gehörenden Videos ansehen. Es ist aber nicht möglich, die Videos chronologisch anzusehen oder eine Fallakte zu studieren.

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Man achte auf den linken Arm der Dame…

Man hört sich die Geschichte der jungen Frau an, leitet daraus weitere Suchbegriffe ab, die wiederum zu neuen Clips führen und versucht so, sich einen Reim auf die Sache zu machen. Es geht offenbar um einen Mann, der zu Tode kam – und vielleicht mit der jungen Frau liiert war. Bald stösst man auf Ungereimtheiten zur Identität der Dame – kommt einer überstürzten Autofahrt nach Glasgow auf die Spur, erfährt, was Rapunzel mit der Sache zu tun hat und rollt auch den Fall mit der mysteriösen Lebensmittelvergiftung auf, die ihren Eltern das Leben kostete. Und am Schluss erfährt man sogar, wer da eigentlich im Polizeipräsidium vor dem Computer sitzt und diese Recherchen anstellt.

Der Computer ist übrigens ein altes Windows-95-Modell mit knatternder Festplatte und bauchigem Röhrenbildschirm – das hat Kollega Jan Rothenberger in seiner Besprechung herausgestrichen, der ich dieses schöne Spiel verdanke. Das Zusammenstückeln der Video-Versatzstücke hat mich jedenfalls sehr gepackt: Erst mit der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, welche Stichworte einen weiterbringen und was für Personen beteiligt sind. Und man findet auch heraus, dass die Dame nicht immer die Wahrheit sagt – was die Detektivarbeit umso anspruchsvoller macht.

Autor: Matthias

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