Bei Solitär verstehe ich keinen Spass

Man mag es kaum glauben, aber es ist tatsächlich so: Ich habe noch nie (ausführlich) über «Solebon» geschrieben. Dabei hatte mich diese App schon mehrmals fast so weit, dass ich die Selbsthilfegruppe der anonymen Solitärsüchtigen gegründet hätte. Aber eine fatale Neigung für dieses Spiel ist unvermeidlich, wenn man wie ich mit Windows 3.0 sozialisiert worden ist. Solitär in der famosen «Klondike»-Variante ist das herausragende Merkmal von Windows seit der Version 3.0. Dieses Spiel muss Milliarden von Arbeitsstunden vernichtet haben – und ist wahrscheinlich die wichtigste Ursache überhaupt, weswegen Microsoft zu dem Unternehmen wurde, das es heute (immer noch) ist.

131028-solitaer-ipad.jpg
Solebon am iPad.

Von Solitär geprägte Menschen wie ich wollen diese Leidenschaft vom Maus- ins Multitouch-Zeitalter hinüberretten, daran kann es keine Zweifel geben. Das Spiel eignet sich schliesslich hervorragend fürs Smartphone und das Tablet. Man kann es gut zwischendurch spielen und eine Partie jederzeit unterbrechen. Es fördert die Konzentration und die Beobachtungsgabe. Und es macht nicht hibbelig wie «Angry Birds» oder «Minion Rush». Und als Passagier des öffentlichen Verkehrs belästigt man seine Sitznachbarn nicht, weil man keine wilden, ausladenden Wischgesten am Display vollführen oder sich mit seiner Spielfigur in die Kurve legen muss.

Bloss keinen Schnickschnack!
Die Selektion der passenden Solitär-Variante ist nicht so einfach. Klar, dass nur eine Version in Frage kommt, die die gleiche klare Gestaltung aufweist wie das grosse Vorbild von Windows 3. Ein übersichtliches Spielfeld, ansprechende und einfache Kartenblätter und eine unverkrampfte Spielweise, die ohne Hintergrundmusik, Zwischensequenzen oder animierte Spielfiguren auskommt. Die Apps von Smallware erfüllen diese Anforderungen am besten.

131028-solitaer-iphone.jpg
Solebon am iPhone.

Ich verwende Solebon Solitaire für 2 Franken am iPhone (kostenlos ist die brauchbare Variante Sol Free Solitaire erhältlich). Die Variante fürs iPad heisst Solebon Pro Solitaire und kostet 4 Franken. Die beiden Varianten sehen sich sehr ähnlich, weisen aber eine unterschiedliche Spielweise auf. Smallware führt damit vor Augen, dass die iPad-App im Idealfall nicht einfach eine vom 4-Zoll aufs 9,7-Zoll hochskalierte Variante ist. Am kleinen Bildschirm wird eine Karte am Ursprungsort angetippt, um sie zu markieren. Fürs Verschieben tippt man dann auf den Zielort.

Am grossen Bildschirm tippt man die Karte an und zieht sie per Finger an den Zielort. Bei der iPad-Variante hat «Solebon» ist die Spielfeldgrösse nicht fix wie beim iPhone. Sie erlaubt es, mit der Kneifbewegung ein- und auszuzoomen. Die Informationen zu den Regeln der einzelnen Solitärvarianten, zu den Statistiken und Optionen werden bei der iPad-Variante nicht als Tafeln angezeigt, sondern erscheinen als Leiste auf der rechten Leiste. Die Leiste links führt zu den Spielvarianten.

131028-solitaer-rules.jpg
Die Regeln zum Nachschlagen (links iPad, rechts iPhone).

156 Spielvarianten. Und los!
Die Zahl der Varianten ist denn auch beeindruckend. Am iPad gibt es 156 davon, am iPhone 50 und die Gratisversion kommt immerhin auf sieben Varianten. Die Klassiker sind bei den Bezahl-Versionen natürlich an Bord: Klondike, Free Cell, Spiderette, aber auch meine Lieblinge Eight Off, Pas Seul, Baker’s Game oder Golf. Aber da muss sich jeder seine eigene Meinung bilden, sonst ist er kein committeter Solitärer – in dieser Frage verstehe ich nämlich gar keinen Spass.

Die Statistik weist die üblichen Informationen auf: Gespielte Spiele, Prozent der gewonnenen Partien, Siege ohne Undo, die totale Spielzeit (die sich in meinem Fall nur damit entschuldigen lässt, dass ich oft parallel zum Spielen auch Hörbücher konsumiere), die Zahl der Züge im Schnitt (und jeweils für die gewonnen und verlorenen Partien) und, natürlich, die «Strähnen» – also wie viele Partien man am Stück gewonnen und verloren hat und wie lang die aktuelle Strähne ist. Meine Herausforderung im Moment ist, bei Spider mit zwei Kartendecks meine Siegessträhne nicht abreissen zu lassen. Nun scheint es allerdings so zu sein, dass nach 313 gewonnen Spielen Ende Gelände ist – das sind dann die tragischen Momente im Leben eines Solitär-Fans…

Disable Undo!
Die Optionen sind bescheiden: Man kann während des Spiels Informationen wie die Zahl der Züge, den Score und die Zeit ausblenden, die Animationen abschalten, zwischen drei Kartenstilen wählen und die Farbe der Kartenhinterseite und des Spieltischs wählen – und wer gern auf die harte Tour spielt, der schaltet die Option Disable Undo ein.

Fazit: Solitär, wie es sein muss. Etwas Schnickschnack fänden sogar Puristen wie ich ab und zu vertretbar. Zum Beispiel die täglichen Herausforderungen, wie es sie bei Microsoft Solitaire Collection nun gibt (siehe Beitrag Für immer Solitär) – die bringt nach zwanzig Jahren noch einmal einen Extra-Kick…

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Kommentar verfassen