Der über seinen Darm stolpert

Stephen King hat einige seiner Bücher bekanntlich unter dem Pseudonym Richard Bachman geschrieben. Laut Wikipedia, weil er nicht als Vielschreiber wirken wollte, und weil es ihn interessierte, ob die Bücher nur wegen dem Namen King auf dem Cover, oder wegen ihrer selbst gekauft würden.

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Arnie in der Haut von Ben Richards.

Da es in meiner Familie zwar keinen König, aber grossmütterlicherseits Bachmänner bzw. -frauen gibt, habe ich mich nach «11/22/63» und «The Stand» («Das letzte Gefecht») nun «Menschenjagd» in Angriff genommen. Ich habe mich beim Hörbuchfundus meiner Frau bedient und die übersetzte Fassung, gelesen von David Nathan gehört, obwohl ich bei King eigentlich die englischsprachigen Originale vorziehe, weil sich King einfach schlecht übersetzen lässt. Aber nachdem wir schon die beiden anderen Bücher jeweils doppelt in beiden Sprachen gekauft hatten, wollte ich mich für dieses mal mit der deutschsprachigen Variante begnügen. Obwohl mir Kevin Kenerly, der «The Running Man» liest, gut gefällt.

«The Running Man» kennt man natürlich auch von der Verfilmung mit Arnold Schwarzenegger, die aber stark von der Originalgeschichte abweicht, und die ich als deprimierend und wenig spannend in Erinnerung habe – so, wie die Filme in den Achtzigern halt oft waren (und anders als viele meiner nostaligischen Alterskollegen wünsche ich mir die Achtziger auch wegen der Musik nicht zurück). Die Geschichte hat mich, nicht zufällig natürlich auch an «The Hunger Games» erinnert, wobei ein wortkarger, vom Leben gebeutelter Familienvater dann doch ein besserer Überlebenskämpfer abgibt als eine leicht naive, schwärmerische 16-jährige.

Stephen King hat das Buch 1982 geschrieben. Es spielte damals in einer fernen, dystopischen Zukunft. Nämlich im Jahr 2025, die aus heutiger Sicht nicht ganz so fern ist und sich beispielsweise dadurch auszeichnet, dass es keine Zeitungen mehr gibt (etwas, das ja nun auch nicht mehr ganz so unwahrscheinlich erscheint, wie es bei der Erstauflage des Buchs war). Die Zeitungen sind nicht dem Internet zum Opfer gefallen, sondern einer Technik namens Free-Vee, die heute fast genauso, nämlich «Free TV» heisst. Auf diesen Sendern laufen Spiel-Shows, die entfernt an «Das Dschungelcamp» erinnern, auch wenn sie meist nicht mit dem Verzehr von ekligem Gewürm, sondern im Tod des Protagonisten kulminieren. Ben Richards meldet sich aus purer Not als Kandidat, und wird genommen. Nicht für «Treadmill to Bucks» oder «Dig Your Grave», sondern für die Königsdisziplin, nämlich für «Running Man». Der Kandidat begibt sich in die freie Wildbahn (und nicht, wie bei der Verfilmung oder bei «The Hunger Games» in eine Arena) und kann von jedermann erlegt werden. Er hat auch professionelle Verfolger, die sich an seine Spur heften. Und weil er gezwungen wird, täglich zwei Videobotschaften an die Sendeleitung abzuschicken, wissen die Jäger auch immer ganz genau, wo sie suchen müssen. Wenn der Spieler einen Monat überlebt, gibt es eine Milliarde als Lohn. Doch das hat noch keiner geschafft.

King erzählt spannend, und würzt seine Geschichte mit Medienkritik. Das Fernsehen ist Opium fürs Volk, während ein faschistoider politisch-industrieller Komplex die Umwelt verpestet und die Armen ausbeutet. Aber anders als bei vielen Thriller-Autoren spitzt King die Verhältnisse nicht sosehr zu, dass sie ins Unglaubwürdige kippen. Es gibt viele Missstände, aber die sind nicht so desolat, als dass eine Figur wie Amelia Williams unglaubwürdig wirken würde. Sie gehört zur Oberschicht, glaubt alles, was das Free-Vee erzählt, und hat das Pech, von Ben Richards als Geisel genommen zu werden. Trotzdem kommt sie, wie man zumindest vermuten kann, beim grossen Showdown mit dem Leben davon.

Fazit: Nicht Kings bestes Werk, aber spannend und ein Grund, sich bei Gelegenheit den deutschen Film Das Millionenspiel anzusehen:

Autor: Matthias

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