Die digitalen Bilder verfallsfrei aufbewahren

Es braucht einige Vorkehrungen, damit sich Fotos im Rohdatenformat auch in fünf und zehn Jahren noch anschauen lassen.

Die Archivierung digitaler Daten ist eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Zum einen muss man sicherstellen, dass die verwendeten Datenträger zukunftstauglich sind – zu viele Speichermedien sind in der Vergangenheit schon ausgestorben, als dass man sich diese Frage ignorieren dürfte. Immerhin steigen die Kapazitäten der Festplatten nach wie vor. Es ist darum gut machbar, seinen ganzen historischen Datenbestand auf der Festplatte zu halten. Man nimmt ihn beim Umstieg auf einen neuen Computer mit und hat sie auf einem aktuellen Speichermedium parat.

Zum anderen ist die Wahl des richtigen Dateiformats entscheidend. Denn was nützt es, wenn das Speichermedium problemlos lesbar ist, aber kein gängiges Programm die alten Dateien öffnen kann? (Siehe auch Daten für die Ewigkeit)

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ACDSee Pro ist ein günstiges Programm mit vielen Talenten. Nebst dem Geotagging gehört auch Unterstützung fürs DNG-Format dazu.

Beim RAW sind Probleme zu befürchten
Dieses Problem stellt sich auch in der Digitalfotografie – und zwar vor allem dann, wenn das Rohdatenformat (RAW) zum Einsatz kommt. Beim JPEG-Format sind keine Probleme zu befürchten. Das ist zum Standard avanciert und wird auf breiter Front unterstützt. Man lehnt sich darum nicht auf die Äste hinaus, wenn man prognostiziert, dass JPEG-Dateien auch in der absehbaren Zukunft einen wichtigen Stellenwert haben werden.

Beim RAW-Format sieht es anders aus. Es ist kein Standardformat wie das JPEG, sondern eine disparate Sammlung vieler kameraspezifischer Formate. Beim Rohdatenformat werden die weitgehend unbearbeiteten Sensordaten gespeichert. Man hat die Freiheit, Dinge wie den Weissabgleich erst nach der Aufnahme festzulegen und kann flexibel nachbearbeiten. Aber um die Daten am Computer zu verwenden, braucht es pro Kamera oder Kamerafamilie ein Importmodul, das die Sensordaten entsprechend interpretiert.

Kein oder falscher Import
Und da liegt die Krux: Da sich die Softwareprogramme stetig weiterentwickeln und die Hersteller dabei nicht beliebig Rücksicht auf längst vergangene Produkte nehmen, steht zu befürchten, dass sich alte RAW-Formate irgendwann nicht mehr öffnen lassen. Oder, im weniger schlimmen Fall, zwar geöffnet werden können, aber nicht hundertprozentig richtig interpretiert werden. Denkbar sind Abweichungen in der Farbgebung oder bei der Gradationskurve (der Verteilung von Hell und Dunkel).

Wie lassen sich diese Probleme vermeiden? Eigentlich nur, indem die Bilder nebst dem RAW in einem zweiten Format gespeichert werden. Mehrere Formate bieten sich an. JPEG ist, wie erwähnt, ungeschlagen bei der Kompatibilität. Daher ist dieses Format eine sichere Wahl, und der Speicherbedarf für die Extra-Kopie hält sich in Grenzen – selbst wenn man mit hohen Qualitätseinstellungen arbeitet.

JPEG2000: Ein Rohrkrepierer
Das Alternativformat JPEG 2000, das zwar durchaus Vorteile hat, ist so wenig verbreitet, dass man die Hände davon lassen sollte. Beim PNG-Format erhält man zwar eine gute Qualität, allerdings kann dieses Format keine Farbprofile und keine Exif-Metadaten enthalten – darum eignet es sich nicht fürs Archivieren. Das Tiff-Format ist für anspruchsvolle Anwender eine gute Wahl. Es kann nicht nur acht Bit pro Farbkanal speichern, sondern auch 16 oder 32 Bit. Es ist im Profi-Bereich bestens etabliert und wird von vielen Programmen unterstützt. Allerdings gibt es auch exotische Einstellungsmöglichkeiten, mit denen man unter Umständen in Probleme hineinläuft – doch wenn man mit den Standard-Kompressionsalgorithmen operiert, dürfte man auf der sicheren Seite sein.

Zu guter Letzt ist das DNG-Format zu nennen. Es basiert auf dem erwähnten Tiff-Format. Adobe hat das Format 2004 als digitales Negativ konzipiert; der Name steht für Digital Negative. Die Spezifikationen sind offen gelegt und Adobe stellt Informationen bereit, dass Softwarehersteller es in ihren Produkten implementieren können. Einige Kameras verwenden es auch direkt zum Speichern der Bilder, beispielsweise von Leica. Im DNG-Format werden die Original-Metadaten übernommen, und es ist sogar möglich, die Original-RAW-Datei ins DNG-File einzubetten. Das heisst: In der DNG-Datei kann das Original-RAW quasi huckepack enthalten sein. Das vergrössert natürlich den Speicherbedarf, doch man erhält sich die Möglichkeit, jederzeit auf die Originaldaten zurückgreifen zu können.

Trotz allem: DNG ist ein gutes Archivformat
DNG ist daher eine gute Wahl zur Archivierung von Rohdatenbildern. Es muss erwähnt werden, dass die Unterstützung des Formats bislang nicht so gross ist, wie man sich es wünschen würde. Die Kamerahersteller setzen bis auf wenige Ausnahmen, weiterhin auf die eigenen, proprietären Formate. Auch im Softwarebereich hat das DNG relativ wenig Rückenwind erfahren. Man findet es in Adobes eigenen Programmen, namentlich Photoshop und Photoshop Lightroom. Bei Lightroom ist es möglich, beim Import automatisch DNG-Dateien zu erzeugen. Auch ein Export in diesem Format zu Archivzwecken ist jederzeit möglich. Ferner unterstützen Aperture von Apple, ACDSee Pro, das Scanprogramm SilverFast und ACDSee Pro das Format.

Autor: Matthias

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