Das Startbildschirm-Psychogramm

Eine der grossen Herausforderungen dieser Tage lautet: Wie zum Geier organisiert man seine iPhone Apps auf dem Startbildschirm? Die Antwort auf diese Frage gibt, so scheint mir, einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit des jeweiligen Smartphone-Halters.

Da gibt es die Phlegmatiker. Fatalistisch, wie sie nun einmal sind, versuchen erst gar nicht, Ordnung in das Chaos zu bringen. Sie lassen die Apps dort, wo sie bei der Installation aufgeschlagen sind. Die Möglichkeit, die Apps in Ordner zu legen, ist ihnen schnurz. Das ist zwar nicht das, was man als aufgeräumt bezeichnen würde. Aber komplett unordentlich ist es auch nicht. Schliesslich werden die Startscreens in chronologischer Reihenfolge aufgefüllt. Das heisst: Zuvorderst gibt es die Apps, die man vor Urzeiten installierte. Je weiter man nach hinten blättert, desto frischer wird das Angebot.

Wenn man sich noch ungefähr erinnern kann, seit wie vielen Monden man sich Besitzer dieser oder jener App nennen darf wird man sie einigermassen schnell einkreisen können. Und wenn nicht, dann gibt es noch die Suchfunktion oder die hilfreiche Siri.

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Dreimal dürft ihr raten, zu welchem Typus ich gehöre.

In die zweite Kategorie fallen die gescheiterten Ordnungsliebhaber. Sie versuchen zwar, irgend ein System in die Anordnung zu bringen, denn so wurden sie von ihrer Mutter erzogen. Aber sie haben entweder zu wenig Durchhaltevermögen oder zu viele Apps. Das Resultat ist, dass es bei dieser Spezies drei Ordner Foto und Video, fünf Ordner Produktivität, sieben Ordner Lifestyle und 18 Ordner Unterhaltung gibt. Das ist schlimmer als gar keine Ordnung.

In der alten Temperamentenlehre wären das die Sanguiniker.

Die dritte Kategorie wird von der Gruppe der Melancholiker gestellt. Sie fühlen sich von der ganzen Vielfalt überfordert, um nicht zu sagen: Erschlagen. Mit Ordnern schlagen sie sich nicht herum. Es reicht ihnen, die Apps grob nach Einsatzzweck auf separate Startbildschirme zu verschieben. Zuvorderst sind die Apps, die man täglich braucht. Also vor allem Facebook und SMS von gestern Nacht. Dann das Zeugs, das irgendwie mit Bildern, Video und Ton zu tun hat. Neben die Musik-App passt die Furz-App auch grad noch rein. Schliesslich macht die ja auch Geräusche.

In der vierten Kategorie finden sich die cholerischen Ordnungsfanatiker. Sie geben keine Ruhe, bis nicht die hinterst und letzte App im richtigen Ordner versorgt ist. Sie nutzen die Ordner nicht nur – sie reizen sie aus bis zum letzten. Ziel ist, die Apps auf möglichst engem Raum, das heisst, im Idealfall, auf einer einzigen Startseite unterzubringen. Systematik ist ebenso wichtig wie Ausbaufähigkeit und Stringenz. Eine App über die Suchfunktion oder Siri aufzurufen, würde als persönliches Versagen empfunden werden – als Anarchismus gar!

Dieser Menschenschlag sortiert Apps nach Tätigkeit und zwar so, dass er einen Ordner sinnvoll aufteilen kann, wenn er volllaufen sollte (Bekanntlich passen 12 Apps in einen Ordner. Beim iPhone 5 sind es dank des längeren Bildschirms 16.) Der Ordner Fotografie könnte beispielsweise bei Bedarf in Fotografieren und Bildbearbeitung aufgeteilt werden. Sollte der Ordner Referenz überquellen, macht der cholerischen Ordnungsfanatiker einfach zwei Ordner Gedächtnisstütze und Recherche draus. Und dabei geniesst das gute Gefühl, alles im Griff zu haben…

Autor: Matthias

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