Der Winkelschleifer für Digitalfotos

Unkomplizierte Bildbearbeitung im Browser – das bietet kostenlos der Webdienst fotoflexer.com.

Auf Neudeutsch spricht man beim «Flexen» von der Arbeit mit einem Winkelschleifer der Flex-Elektrowerkzeuge GmbH. Im Englischen steht das Wort für beugen oder biegen. Ob deutsch oder englisch – von einer Website mit dem Namen fotoflexer.com erwartet man sich Werkzeuge, mit denen man seine Fotos zurechtbiegt.

Zu Recht – das Entwicklerteam aus Berkeley, Kalifornien stellt eine kostenlos zu benutzende, gut bestückte Werkstatt für die Fotoretusche bereit. Das Äquivalent zum Winkelschleifer ist natürlich das Crop-Instrument, mit denen man Fotos beschneidet. Es steckt in der Rubrik Basic, in der auch die Befehle zum Drehen, Spiegeln, Vergrössern und Verkleinern, zur automatischen Reparatur und zur Anpassung von Belichtung und Kontrast zu finden sind. Auch die offenbar unverzichtbare Funktion zur Korrektur der roten Augen bei Blitzaufnahmen ist vorhanden.

Das gute Bildbearbeitungshandwerk pflegen
Diese Werkzeuge sind einfach zu benutzen. Die automatische Korrektur – der Befehl Auto Fix – benötigt nicht mehr als einen Mausklick. Der Befehl Adjust stellt Regler für den Farbton, die Helligkeit und die Sättigung zur Verfügung.

Nebst der Kategorie Basic existieren sieben weitere Befehlsbänder:

Effects stellt 33 vorgefertigte Bildeffekte zur Verfügung. Sie setzen Fotos in Schwarzweiss um, verwandeln das Foto in eine Blaupause oder in ein Gemälde. Viele Effekte lassen sich über einen oder mehrere Regler feinjustieren.

Unter Decorate stecken Text-, Zeichen-, Gummi- und weitere Werkzeuge. Es gibt auch die Möglichkeit, einen Rahmen um das Bild zu ziehen oder es mit mehr oder minder originellen Elementen zu versehen, beispielsweise mit Stickern wie Blumen, Herzen, Schmetterlinge oder geometrische Figuren. Die Rubrik Animate stellt animierte Elemente zur Verfügung, beispielsweise glitzernde Erdbeeren, Sterne oder Cliparts. Diese sind etwas gar verspielt, aber ideal für eine selbstgebastelte digitale Postkarte, die an einen Kitschliebenden Empfänger geschickt werden sollen.

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Fotoflexer macht nicht nur einfache Korrekturen per Mausklick möglich, sondern steuert Farbe und Belichtung auch subtil über die Gradationskurve.

Die Rubrik Beautify enthält Werkzeuge zum Schärfen, Weichzeichnen und zur Entfernung von Bildfehlern wie Staubflecken oder Sensorschmutz. Auch Falten können geglättet werden.

Grosse Nasen abschmirgeln
Bei Distort finden sich Befehle zum Stauchen, Strecken, Dehnen oder Verwirbeln von Bildteilen. Mit ihnen kann man ein Bild radikal verfremden oder, subtil genutzt, beispielsweise eine etwas grosse Nase «verschönern», indem man sie mit dem Pinch-Werkzeug quasi etwas abschleift.

Unter Layers gibt es die Möglichkeit, ein Bild aus mehreren Ebenen aufzubauen. Die Arbeit ist im Browser im Vergleich zu einem richtigen Bildbearbeitungsprogramm eher umständlich – aber dennoch beachtlich, dass eine Webbasierte Fotoanwendung diese Funktion überhaupt bereitstellt.

Die Rubrik Geek schliesslich stellt Befehle für fortgeschrittene Bildbearbeitung zur Verfügung. Mit Webcam lässt sich ein Foto direkt von der Webkamera abrufen und über Morph zwei Fotos überblenden. Bemerkenswert ist die Funktion Curves: Sie steuert die Gradationskurve des Fotos und ermöglicht präzise Anpassungen des Helligkeitsverlaufs und der Farbe.

Fotos können zur Bearbeitung vom Computer hochgeladen werden. Es ist auch möglich, sie über eine Webadresse oder von Facebook, Picasa, Flickr oder anderen Online-Fotodiensten zu holen. Ein fertig bearbeitetes Bild wird als JPG oder PNG-Datei wieder heruntergeladen.

Das schnelle Webwerkzeug
Fazit: Fotoflexer ist nicht so leistungsfähig wie ein lokal installiertes Bildbearbeitungsprogramm – doch es ist auch nicht unbedingt als Ersatz von Photoshop Elements, Picasa oder Paint.net gedacht. Wenn jedoch keines dieser Programme griffbereit ist, aber dennoch kleinere Modifikationen an einem Bild vorgenommen werden müssten, dann ist Fotoflexer schlicht Gold wert. Die Webanwendung kann kostenlos und sogar ohne Anmeldung verwendet werden; dafür muss man relativ dominante Werbung in Kauf nehmen.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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