So blue beim Blu-ray-Shoppen

Warum kommt eigentlich Blu-ray nicht in Fahrt? Der Formatstreit wäre entschieden, viele Leute haben einen HD-Fernseher zu Hause und würden sicherlich auch gerne einmal dessen Möglichkeiten ausreizen. Mir gehts jedenfalls so. Doch wer nach Blu-rays sucht, wird regelmässig enttäuscht. Und zwar aus folgenden Gründen:

Das Angebot: Die Auswahl an Filmen ist auch anderthalb Jahren nach Beendigung des Formatstreits noch mehr als mager. Es gibt nicht alle neuen Filme auf Blu-ray. Serien, obwohl in HD produziert, sucht man oft vergeblich. Ältere Filme erscheinen werden zwar auf Blu-ray neu veröffentlicht, aber die Auswahlkriterien, welche Filme aus dem Backkatalog zu Bluray-Ehren kommen, scheinen mir revisionsbedürftig. Beispiel: «Dumm und Dümmer» von 1994. Den will man nicht als «Free-TV»-Aufführung erdulden, geschweige denn für 29.90 kaufen.
Warum gibt es umgekehrt Monumentalfilme wie «Herr der Ringe» nicht längst auf Blu-ray? Das sind die Titel, bei denen sich «Full HD» lohnt. Die Ankündigung besagt, dass «Lord of the Rings» in USA am 3. November 2009 erscheint, die deutsche Fassung soll ab 27. Movember 2009 zu haben sein. Warum so spät? Auch «Star Wars» soll demnächst kommen.
Irgendwann.

Die Preise: Die sind zum Teil eine schlichte Frechheit. Beispiel: «Star Trek 1-6» (die ersten sechs «Raumschiff Enterprise»-Filme) würde ich nochmals auf Bluray kaufen, obwohl ich die meisten schon auf DVD habe. Aber ganz sicher nicht zu den Preisen. Die DVD-Box kostet 69.90 Franken, die Blu-ray-Box 199.90 Franken. Das ist 2,9-mal so viel. Haben die eigentlich noch alle Tassen im Schrank?!

Auch die Player sind noch zu teuer, als dass man einfach nebenbei mal schnell einen kaufen würde, wenn man einen schönen Blu-ray-Film entdeckt hat.

Die Präsentation: In den Läden vergeht einem die Lust, Blu-ray-Filme zu kaufen. Neben dem üppigen DVD-Angebot wird einem deutlich vor Augen geführt, dass man nur mit sehr viel Glück in dem kargen Angebot eine Perle findet. Beispiel M-Electronics: Besser keine Blu-rays, als das. Wenn man die drei erbärmlichen Reihen sieht, kommt man unweigerlich zum Schluss, dass man ein Idiot sein muss, um einen Blu-ray-Player zu kaufen. Aber die Genies bei M-Electronics haben auch die Meisterleistung fertiggebracht, auf den ausgestellten Fernsehern «HD Suisse» zu zeigen, nachdem sie das Signal auf Standard-Definition (SD) herunterskaliert haben. Ich sehe schon Onkel Friedhelm und Tante Rosalinde im Laden, wobei er zu ihr sagt: «Aso ich weiss nööd, was die Lüüt händ, aber für mich gseeeht das Haadee jetzt nöd eso spzeiell uus.»

Bei Citydisc (Orange) gibt es eine grössere Auswahl, aber hier stehen die Filme mit dem Rücken nach aussen. Das ist eine maximal doofe Art der Auslage. Man muss, um einen Film zu suchen, seinen Hals um 90° abknicken, um die Titel auf den Rücken lesen zu können. Und weil die Filmindustrie, ebensowenig wie die Buchverlage, sich einigen können, in welcher Richtung man die Titel auf die Rücken schreiben soll, muss man das Angebot in zwei Durchgängen scannen: Einmal von links nach rechts und einmal von rechts nach links. Botschaft hier: Also wenn du schon Geld für einen Blu-ray-Player hast, dannk kannst du dir auch einen Chiropraktiker leisten, der dir hinterher den Nacken wieder einrenkt. Auch dieses Einkaufserlebnis ist das Gegenteil von lustvollem Stöbern.

Trotzdem habe ich letzte Woche eine empfehlenswerte Bluray gefunden, nämlich «Krabat». Die Verfilmung kommt zwar nicht ganz an das Buch von Otfried Preussler heran, ist aber trotzdem sehenswert und eine gute Einstimmung zu Harry Potter und den «Half blood Prince».

Also, wenn die Leute heute behaupten, Blu-ray käme nicht vom Fleck, weil die Scheibe tot sei und eh alle alles nur noch als Download haben wollten, dann ist das meines Erachtens nur die halbe Wahrheit. Für die USA mag das zutreffen. Hierzulande könnte Blu-Ray den bevorzugten Zugang zu hochauflösenden Inhalten sein. Wenn Blu-ray-Shoppen kein kompletter Ablöscher wäre.

Autor: Matthias

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