Selber schuld

Manche Beziehungen sind nicht einfach. Das gilt beispielsweise für diejenige zwischen PR-Verantwortlichen in Unternehmen und Journalisten. Das gibt es grosse gegenseitige Abhängigkeiten, und das ist generell schwierig für eine Beziehung. Daher ist es wichtig, die Umgangsformen zu wahren.

In letzter Zeit hat sich allerdings der Ton verschärft. Ich frage mich, warum. Bei Apple ist es klar: Die sind in der Position, den Tarif durchzugeben, und das tun sie auch. Warum aber hat mich die Frau von Sony rund gemacht, weil ich den Sony Reader gern noch etwas mit mir rumtragen wollte? Sie war auch überhaupt nicht gnädig zu stimmen, als ich sagte, ich hätte den PRS-505 zweimal vorgestellt und ich hätte ausserdem noch ein privates Buch drauf («Die Pilatusverschwörung»), das ich gerne zu Ende lesen würde. Da sei ich selbst schuld, wenn ich «private Bücher» auf das Gerät speichern würde. Also bitte! Wie soll man ein solches Gerät denn testen, wenn nicht mit einem privaten Buch?

Ich halte es gar nicht für schlecht, wenn der Umgang geschäftsmässiger wird und man als Journi nicht mehr das Gefühl der latenten Bestechung empfindet. Zu den Gepflogenheiten 80er gehörte die Prostituierte, die den Journalisten an Pressereisen aufs Hotelzimmer geschickt wurde. Zumindest soll das dem Vernehmen nach so gewesen sein, habe ich von alten Hasen gehört, die miterlebt haben, dass das einem ihrer Kollegen passiert ist.

Die Zeiten sind vorbei, wo man den Journis um den Bart ging. Solche dekadenten Eskapaden dürfen der Vergangenheit angehören und Journis sollen ihre Prostituierten gefälligst über die Spesen abrechnen. Was manche mit einem guten Spesenkonto auch tun (wiederum dem Vernehmen nach). Sollte es nun aber ins andere Extrem kippen, dann wäre das doch bedauerlich. Ein Zeichen des Zerfalls der Arbeitsbedingungen und -methoden in diesem Berufsstand. Mit einer klaren Folge, dass man zum Befehlsempfänger von den Kommunikationsabteilungen in den Unternehmen wird.

Autor: Matthias

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