Blinde Radiomacher

Die Welt heute ist digital. Nur beim Radio herrscht ein erbitterter Kampf um analoge Frequenzen und eine mehr als befremdlich anmutende staatliche Regulation. Das UVEK sagt, wie sich die Radiolandschaft anhört, was man über UKW empfängt und was eben nicht (in die letze Kategorie gehört, so haben wir am letzten Freitag erfahren, der Zürcher Sender «Radio Energy».

Das finde ich bedauerlich, denn als Radiohörer habe ich gern die freie Wahl und würde die Möglichkeit begrüssen, «Radio Energy» zu hören, selbst wenn ich das bislang noch nie getan habe.

Allerdings, mit Verlaub, sind die privaten Programmanbieter an diesem Debakel selbst schuld. DAB (Digital Audio Broadcasting), das Digitalradio, gibt es in der Schweiz seit 1999. Seit 2000 ist auch die Region Zürich abgedeckt (laut Wikipedia). Man empfängt auf diesen Sendern bislang aber nur Programme der SRG. Es gibt zwar, wiederum laut Wikipedia, Private, die sich um eine DAB-Frequenz beworben haben. Die grossen Privaten sind darunter nicht zu finden. DAB interessiert die offenbar einfach nicht. Über die Gründe wird in einer Diskussion auf dab-digitalradio.ch spekuliert. Ein Diskutant namens Mirag fasst das kurz und bündig so zusammen:

Was soll man machen? Die Privaten zum Jagen tragen? Die setzen auf das Medium, wo sie mit geringstem Aufwand die meisten Hörer haben und das ist UKW.

Die privaten Radioanbieter sind sehenden Auges auf den Abrund zuspaziert (gut, ich gebe zu, diese Metapher ist bei einem Audiomedium deplaziert). Radiomachen wird dank Computer und Digitaltechnik billiger und attraktiver. Das Publikum gewöhnt sich, auch dank der riesigen Auswahl an Internetradios, an die immer grössere Auswahl und an exotische und noch exotischere Spartenprogramme. Nur die Zahl der UKW-Frequenzen bleibt gleich. Da kann nicht jeder zum Zug kommen. Und wenn man sich die Schweizer Medienpolitik anschaut, dann können Entscheide, wie sie am letzten Freitag gefallen sind, auch nicht wirklich überraschen.

Darum verstehe ich wirklich nicht, warum die privaten Radioanbieter in den letzten Jahren sich nicht ins Zeug gelegt haben, digital zu senden und auf DAB Präsenz zu markieren. Hätten sie beispielsweise vor fünf Jahren damit angefangen, dann wären die digitalen Frequenzen heute eine Alternative, die nicht bloss von Jazz-Liebhabern ohne Kabelanschluss oder von einigen technikverliebten Radionutzern (wie mir) genutzt wird. Wäre das passiert, dann könnte eine digitale Frequenz heute für «Radio Energy» eine Existenzgrundlage bilden. Immerhin könnten sie auf DAB in der ganzen Schweiz senden.

Es liegt seit fast zehn Jahren auf der Hand, dass die Radiolandschaft der Zukunft nicht auf UKW stattfindet. Warum stellt man sich nicht darauf ein?
PS: Happy birthday, DRS3! Was ich bei deiner Geburtstagsfeier vermisse, ist die Würdigung des alten Mottos des amtlich bewilligten Störsenders…

Autor: Matthias

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