Öffentlich-rechtliches Audioglück

SRF ist im Oktober des letzten Jahres auf die Idee gekommen, Audio-Inhalte speziell zu bündeln. Man findet die jetzt unter srf.ch/audio. Hansjörg Bolliger, Projektleiter SRF Online, laut Pressemitteilung:

«Mit dieser neuen Audioplattform geben wir unseren umfangreichen und interessanten SRF-Audioangeboten ein attraktives Zuhause, das die Userinnen und User zum Hören und Wiederkommen verleiten soll.»

Das ist eine gute Idee – bei der man lediglich kritisieren könnte, warum es 2019 werden musste, bis sie einer hatte. Bei den Mediatheken werden typischerweise Audio- und Videoinhalte wild durcheinandergewürfelt – auch beim SRF. Dabei liegt doch auf der Hand, dass es von der Situation abhängt, ob man dem Bewegtbild mit Ton oder dem bewegtbildlosen Ton zuneigt. Ist man mit Smartphone und Kopfhörern unterwegs, zieht man Audio vor. Hockt man zu Hause vor dem Fernseher, dann darf es natürlich durchaus auch ein Video sein.

Apropos: Wieso gibt es (immer noch) keine AppleTV-App von SRF?

Die neue Audio-Plattform stellt Links zu den Streams der Radiosender zur Verfügung. „Öffentlich-rechtliches Audioglück“ weiterlesen

Ausgerechnet ich verteidige den Kapitalismus?!

Neulich habe ich die «Freitagsrunde» von SRF gehört. In der Folge «Ich sehe das Milizsystem nicht gefährdet» ging es (ab Minute 16) auch um das Klima und die Flugticketabgabe.

Wenn man die Aussagen zum Massstab nimmt, dann sind wir unrettbar verloren. Die drei Gesprächsteilnehmer zeigten sich absolut unwillig, über echte Massnahmen überhaupt nachzudenken. Besonders geärgert hat mich Claudia Wirz, die für die NZZ geschrieben hat. Sie sagt: «Dass wir fliegen, ist einer der Widersprüche, mit denen wir leben müssen.»

Müssen wir? Man denkt, die bei der NZZ hätten die Funktionsweise des Kapitalismus ansatzweise begriffen. Natürlich, die Flugticketabgabe ist nun wirklich eine zahnlose Massnahme. Thomas Meier, Rektor der Zürcher Hochschule der Künste, sagt es richtig: Die geplante Abgabe ist viel zu wenig; wenn es etwas bringen wollen würde, müsste man mehr verlangen.

Claudia Wirz brachte als Einwand dann sofort die «soziale Frage» auf und empfahl Freiwilligkeit. Damit die Leute eher bereit sind, freiwillig CO₂-Kompensation zu leisten, müsse man bei den Formularen für den Ticketkauf das entsprechende Kästchen einfach grösser machen. Die Webdesigner werden die Klimakrise lösen? Dass da noch keiner darauf gekommen ist! „Ausgerechnet ich verteidige den Kapitalismus?!“ weiterlesen

Das Revival des Hörspiels

Blood Ties – zu Deutsch: Blutsbande.

Der Auslöser für diesen Blogpost ist der Podcast Blood Ties (RSS, iTunes, Spotify). Er erzählt, wie Eleonore und Michael Richland in die Bredouille geraten, nachdem die Eltern der beiden mit einem Flugzeug abgestürzt sind. Die Mutter ist tot, der Vater verschwunden. Und nicht nur das: Es ruft auch noch eine Reporterin an, die sagt, sie hätte belastende Informationen über den Vater Richland, einen Kardiologen von Weltruhm.

Der Podcast selbst ist ganz unterhaltsam, aber kein Meilenstein in der Podcastgeschichte. Zumindest inhaltlich nicht: Die Handlung ist ein locker-flockiges Gemisch aus Familiengeheimnissen, einer Verschwörung und #MeToo. Die etwas naive Hauptfigur, Eleonore Richland, muss erkennen, dass ihr Vater nicht der war, als den sie ihn kannte. Und auch ihr Bruder kommt reichlich schräg rüber.

Was ich allerdings bemerkenswert finde: Es handelt sich hier um einen Podcast mit fiktionalem Inhalt. «Blood Ties» ist ein klassisches Hörspiel. Diese Geschichte wäre früher im Radio ausgestrahlt worden. Selbst die Länge von um die 20 Minuten pro Folge würde passen.

Ich habe mich daraufhin gefragt, wie es eigentlich um das Hörspiel bestellt ist. „Das Revival des Hörspiels“ weiterlesen

Mord in Island, Ärger bei Netflix

Reisen weitet den Horizont: Man lernt neue Orte kennen. Und neue Menschen. Und vor allem erfährt man, dass diese Menschen an diesen neuen Orten manche Dinge anders angehen als man selbst – und dass es trotzdem funktioniert. Man wird dadurch im Idealfall selbst etwas flexibler im Kopf.

Wenn es weniger ideal läuft, dann regt man sich tierisch auf. Kriegt einen roten Kopf und eine pulsierende Vene an der Stirn. Denn man lernt beim Reisen nicht nur neue Länder kennen, sondern auch andere Netflix-Kataloge. Bekanntlich stehen beim Streaming nicht überall die gleichen Inhalte zur Verfügung. Nein, das Angebot variiert je nach Land, in dem man sich gerade aufhält. Und auch bei der Zahl der Filme und Serien gibt es markante Unterschiede (siehe dazu auch Netflix, das ist eine Frechheit!).

Nun waren wir in diesen Sommerferien in Schweden. Das hat uns gezwungen, uns während des Aufenthalts im hohen Norden nach netflixmässigen Alternativen umzusehen. Das ging so: „Mord in Island, Ärger bei Netflix“ weiterlesen

Die Play SRF-App ist nicht die reine Freude

Das lineare Fernsehen ist weiterhin wichtig – hat eine Studie ergeben, die im Auftrag des Betreibers von linearen Fernsehprogrammen durchgeführt worden ist. Naja.

Für Leute wie mich – und wenn ihr nichts dagegen habt, zähle ich mich an dieser Stelle zu den progressiven Fernsehnutzern – sind die On-Demand-Inhalte inzwischen entscheidend. Mein Medienkonsum speist sich aus Netflix, den Mediatheken und Replay. Auch wenn ich vor Kurzem den Strassenfegern ein bisschen nachgetrauert habe.

Was den Komfort angeht, könnten die allesamt noch etwas zulegen. Netflix nervt durch Trailer, die neuerdings automatisch angehen. Und es ist wirklich mühsam, dass die continue watching-Liste (Mit dem Profil von … weiterschauen) ständig in der Position verrutscht. Wieso kann die nicht einfach zuoberst stehen bleiben?

Die Mediatheken sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Und darum soll es in diesem Beitrag heute gehen. Erstens stellt sich die Frage: Hat man diese Mediatheken am smarten Fernseher zur Verfügung?  „Die Play SRF-App ist nicht die reine Freude“ weiterlesen

Die App für gewachsene Schnäbel

Die Dialäkt-Äpp (kostenlos fürs iPhone und im Web unter dialaektaepp.ch) führt vor Augen Ohren, dass wir aller Globalisierung zum Trotz verwurzelte Wesen sind. Zumindest, was die Sprache von Leuten wie mir angeht, die nie ausgewandert oder weggezogen sind. Die App stellt einem 16 Fragen zur Aussprache von Dialektbegriffen wie Abend, Apfelkerngehäuse, Augen, Bett und Donnerstag – beziehungsweise zu einzelnen Laute aus diesen Worten. Daraus ergibt sich der wahrscheinlichste Wohnort, der in meinem Fall mit Winterthur hundertprozentig genau ermittelt wurde.

Ist das nun eine erstaunliche Leistung? Oder ist es im Grund banal, und einfach nur systematisiert, was ein geübter Zuhörer und Dialektkenner nach zwei, drei Sätzen sowieso herausgehört hätte? Ich finde, es ist beides. Einerseits natürlich tatsächlich banal:  „Die App für gewachsene Schnäbel“ weiterlesen

So so lala Radio

Okay, der heutige Beitrag hat ein bisschen mit dem Sommerloch zu tun. Denn eigentlich höre ich wenig Radio und wenn, dann meist auf die altmodische Art und Weise, nämlich mittels DAB+-Empfänger. Wenn ich Radio übers Internet höre, dann entweder über die Tune-In-App (Stilvoll Webradio hören) oder über die Play SRF-App (iPhone/iPad und Android).

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Ganz so schlimm wie befürchtet ist der radiofone Einheitsbrei nicht.

Es braucht also nicht noch eine App. Doch wenn ich noch eine App nutzen würde, dann wäre das die Radio Schweiz-App, die es fürs iPhone und iPad und für Android gibt. Die App sortiert die Sender nach Kürzlich gehört und nach Favoriten. „So so lala Radio“ weiterlesen

Historische und notorische Podcasts

Es gibt Themen, die eignen sich ausgezeichnet für Podcasts. Da ist sind Technik, Internet und Fankultur. Und darum gibt es mehr Tech-Podcasts, als man zählen (oder hören) könnte. Und sehr gut eignet sich auch die Geschichte:

Die Menschheitsgeschichte ist spannend und ereignisreich, voller faszinierender Figuren, Intrigen und wechselvollen Ereignissen. Sie bietet einen unerschöpflichen Fundus an Material, Blickwinkeln und Interpretationsmöglichkeiten. Und die Geschichte eröffnet ein Tummelfeld für den analytischen Geist: Für «was wäre wenn»-Fragen, für Querverbindungen zur Gegenwart und zu anderen geschichtlichen Ereignissen. Und man kann immer fragen, wie einleuchtend und erkenntnisreich alternative Deutungen sind. Denn wir wissen, dass normalerweise der Sieger die Geschichte schreibt.

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Mord! Verschwörung! Axthiebe! (Bild: Der Untergang des Jürg Jenatsch, E. Sturtevant, CC0)

Darum also hier eine Übersicht von Geschichts-Podcasts, die ich abonniert habe – und wenn es die Zeit erlaubt auch lückenlos höre.
„Historische und notorische Podcasts“ weiterlesen

Schweizweite Zeitreisen

Youtube ist für mich ein Medium, auf das ich zwar nicht verzichten würde, doch von dem ich auch nicht allzuviel erwarte. Es gibt dort Millionen von Clips – nicht nur Schrott, sondern auch viele lustige und gute Sachen. Dennoch versprüht Youtube den Charme von Amateurhaftigkeit und Chaos. Wackelige Handyvideos, Verschwörungstheorie-Clips, mitgeschnittene und mutmasslich nicht sauber lizenzierte Fernsehausstrahlungen, lustige Fundstücke und Unsinniges, wie Hitler, der zehn Minuten lang Nein sagt und dafür 3,5 Millionen Views bekommt – das ist Youtube.

Die Stärke von Youtube ist, dass man dort meistens irgend etwas zu einem Thema findet, zu dem man ein Video sucht. Man kann Videos selbst kostenlos hochladen und sehr einfach auf seiner eigenen Website einbinden – das ist um Welten simpler, als wenn man sie selbst hosten müsste. Und da sich sehr viele Leute auf Youtube tummeln, haben Videos eine unter Umständen sehr lange Halbwertszeit. „Schweizweite Zeitreisen“ weiterlesen

Fernsehen in Zeiten der Glasfaser

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Der legitime Nachfolger des VHS-Rekorders.

Wie hier ausgeführt, habe ich der UPC (Cablecom) den Rücken gekehrt. Dieser Schritt bringt einige Veränderungen mit sich, über die hier im Blog noch zu reden sein wird: Über den neuen Router, den Turris Omnia. Über die Erfahrungen mit der Umstellung auf Sip, inklusive Rufnummernportierung (guest-voip.ch mit dem Gigaset S850 A GO). Und jetzt vor allem über Teleboy.

Denn auch wenn sich unser Fernsehkonsum stark gewandelt hat und wir meistens bei Netflix abhängen, so ist das lineare Fernsehen nicht komplett abgeschrieben. Ab und zu möchten wir die Tagesschau oder den Tatort sehen. Plus ein paar andere Sendungen, auf die manche Leute in unserem Haushalt nicht verzichten wollen, deren namentliche Erwähnung an dieser Stelle für die Betroffenen allerdings über Gebühr peinlich wäre. Ich habe mir einige Zeit überlegt, was mir nun besser gefällt – Wilmaa oder Zattoo? Und bin dann bei Teleboy gelandet. Genau, beim lachenden Dritten.

Zwei Gründe haben zu diesem Entscheid geführt und mich dazu bewogen, für die Premium-Funktionen Teleboy Comfort für 115 Franken im Jahr zu abonnieren: „Fernsehen in Zeiten der Glasfaser“ weiterlesen