Da gibt es noch Luft nach oben

Die Play-SRF-App für den AppleTV bringt den Fernseh­schirm zum Flimmern, doch für Be­geiste­rungs­stürme sorgt sie nicht: Bei der Präsen­tation und der Ver­wal­tung der Lieblings­sen­dungen hat sie Defi­zite.

Neulich ist mir aufgefallen, dass das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ein beträchtliches Manko ausgeräumt hat. Es gibt die Play SRF-App jetzt auch für den Apple TV.

Zugegeben, brandneu ist die nicht mehr, sondern bald anderthalb Jahre alt. SRF hat die Ankunft der neuen App seinerzeit zwar pflichtbewusst vermeldet, aber leider hatte ich davon bis jetzt keine Kenntnis genommen.

Aber besser spät als nie. Denn die Mediatheken-Apps sind ein wichtiges Puzzleteilchen in unserem Abnabelungsprozess vom linearen Fernsehen:  „Da gibt es noch Luft nach oben“ weiterlesen

Videos aus den Mediatheken herunterladen und archivieren

Mit Mediathek­ViewWeb.de findet man Bei­träge und Sen­dungen der öffent­lich-recht­lichen An­bieter aus Deutsch­land, der Schweiz und Öster­reich und lädt sie für den Off­line-Gebrauch herun­ter. Auch Unter­titel gibt es hier oft.

So praktisch das Streaming ist: Es beinhaltet eine subtile Machtverlagerung. Anders als ein normaler digitaler Inhalt, den man als Nutzer herunterladen und selbst speichern kann, verbleibt die Verfügungsgewalt bei den gestreamten Dateien beim Anbieter. Er kann sie jederzeit aus dem Verkehr ziehen oder auch nachträglich verändern.

Bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten gehört das sogenannte Depulizieren zum ganz normalen Alltag: Gemäss Rundfunkstaatsvertrag müssen Inhalte in Deutschlandnach einer bestimmten Zeit entfernt bzw. dem Zugriff der Nutzer entzogen werden. Bei vielen Sendungen ist das nach einem Jahr der Fall, bei aktuellen Programmen sogar nur sieben Tage.

Als Internetfan und Wissensmensch kann ich das nur als horrender Blödsinn bezeichnen: „Videos aus den Mediatheken herunterladen und archivieren“ weiterlesen

Ich bin ein Fan des Dlf und seiner App

Die Audiothek des Deutschlandfunks ist ein Vorbild: einerseits wegen der Inhalte. Aber auch, weil sie viel benutzerfreundlicher ist, als – Achtung, willkürliches Beispiel! – die App von SRF.

Im Beitrag Die Play SRF-App ist nicht die reine Freude habe ich vor bald zwei Jahren einige Vorschläge zu der Audiothek-App des Schweizer Radio und Fernsehens gemacht. Man hätte nun erwarten können, dass ein Post in einem so prominenten Blog wie dem meinen umgehende Verbesserungen zur Folge hat. Aber gefehlt.

Immerhin: Es gibt nun eine Wiedergabeliste, auf der man sich Sendungen vormerken kann. Die heisst Später schauen, obwohl man auch reine Audioinhalte darin platzieren kann. Und der damals geforderte Verlauf ist hinzugekommen. In Zuletzt gesehen tauchen die konsumierten Sendungen auf. Das macht es leichter, angefangene Sendungen zu beenden, wenn man unterbrochen worden ist.

Doch abgesehen davon empfinde ich die App noch immer unpraktisch:  „Ich bin ein Fan des Dlf und seiner App“ weiterlesen

CNN ist am besten als Radio

Diese Woche habe ich viel Nachrichtenfernsehen konsumiert – aber weniger in Videoform als vielmehr als Hör-Podcast. Die Erkenntnis ist: In «Breaking News»-Situationen gibt es ein riesiges Potenzial für Audio.

Was für eine verrückte Woche! Der Putschversuch der Trump-Dilettanten hat mich sosehr beschäftigt, dass ich so viel CNN geschaut habe wie schon seit langem nicht mehr.

Fernsehen zum zeitsouveränen Nachhören.

Wobei: Ein Grossteil meines Konsums erfolgte nur via Audio. Mir ist aufgegangen, dass CNN viele Sendungen in Audioform anbietet. Man findet sie hier, aber auch in den Verzeichnissen der Podcatcher, zum Beispiel bei Pocket Casts. Das ist die App, die ich seit Jahren verwende.

Ob CNN für die Veröffentlichung als Audio viel an den Sendungen verändert, kann ich nicht beurteilen, weil ich weder Zeit noch Lust hatte, Vergleiche anzustellen.

Mein Eindruck ist, dass die eins zu eins abgefüllt werden. Zusätzliche Erklärungen, wenn man wegen der fehlenden Bildinformationen Verständnisschwierigkeiten haben könnte, gibt es meines Wissens jedenfalls nicht. Aber diese Gefahr ist gering: „CNN ist am besten als Radio“ weiterlesen

Komaglotzen auf gut Schweizerisch

Eine ausführliche Kritik von Playsuisse: Der neue Schweizer Streamingdienst der SRG hatte keinen Glanzstart und noch Potenzial für Verbesserungen. Doch alles in allem ist er der richtige Dienst zu einem guten Zeitpunkt.

Die Startseite von Playsuisse erinnert irgendwie an Netflix.

Mein Anlauf neulich, den neuen Streamingdienst Playsuisse zu besprechen, hat eine unerwartete Wendung genommen. Er beschäftigte sich mit der Strategie 2024 des Schweizer Fernsehens und Radio. Und er gipfelte in der Erkenntnis, dass SRF in einer Identitätskrise steckt.

Nun wage ich einen zweiten Anlauf zu der Frage: Was taugt der neue Streamingdienst?

Zuerst ein paar Fakten: Man kann ihn unter playsuisse.ch via Browser am Computer verwenden – das ist schon einmal praktisch fürs Homeoffice (räusper, räusper). Wichtiger sind indes die Apps: Es gibt sie für Android, fürs iPhone und inzwischen auch mit einer angepassten iPad-Version.

Empfangsmöglichkeiten

Am wichtigsten sind indes die Apps für die Smart-TVs: Die App für den Apple TV ist hier zu finden, und um das schon einmal vorwegzunehmen: Die erfüllt ihren Hauptzweck. Wir haben mit ihr mehrere Folgen der neuen Serie «Frieden» angeschaut, ohne dass ein Unterbruch oder ein Hänger zu beklagen gewesen wäre. Damit ist das erste Urteil klar: Feuertaufe bestanden.

Die Bedienung empfand ich als wackelig. „Komaglotzen auf gut Schweizerisch“ weiterlesen

Die grosse Identitätskrise beim SRF

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle Play­suisse, die neue Streaming­platt­form der SRG, besprechen. Doch ich bin vom rechten Pfad ab­ge­kom­men und habe mich statt­des­sen darüber aus­gelas­sen, dass SRF bei seiner Digital­strate­gie nicht weiss, was digital bedeutet.

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF orientiert sich unter der 2018 gewählten Chefin Nathalie Wappler um: Das Projekt heisst «SRF 2024» und sei ein «Aufbruch in die digitale Zukunft», liest man in Medienportal.

Das klingt auf den ersten Blick ausgezeichnet: SRF stärke den Investigativjournalismus und die Informationen über die digitalen Kanäle. Wappler verspricht mehr Livestreams im Sport, Podcasts, Storytelling.

Auf den zweiten Blick beginnt man sich vielleicht über die vielen Schlagworte zu wundern: Da wird das «digital first»-Prizip hochgehalten und von «smarteren» Produktionsmethoden geschrieben. Und auf den dritten Blick – wenn man bis zum Ende liest –, erfährt man, dass der «Ausbau im Digitalen Verzichte im Linearen» erforderlich mache.

An dieser Stelle muss ich mich erst einmal über ein Detail aufregen: Es handelt sich um den unsinnigen Gebrauch des Wortes Begriffs digital. Dieser Begriff ergibt im Kontext von «SRF 2024» absolut gar keinen Sinn. Denn es ist doch so: „Die grosse Identitätskrise beim SRF“ weiterlesen

Statt ein guter hätte das ein hervorragender Podcast werden können

Teil zwei meiner grossen SRF-Podcast-Kritik: Die verpassten Chancen bei «Es geschah am – Postraub des Jahrhunderts».

Im Beitrag Was SRF von Old Shatterhand hätte lernen sollen ging es darum, dass sich SRF redlich bemüht, uns Podcast-Fans authentisches Hörfutter zu liefern – Produktionen, die nicht bloss abgefüllte Radiosendungen sind, sondern auch formal Neuland betreten.

Man nennt das auf Neudeutsch gerne Storytelling. Und weil ich mich jedes Mal schmutzig und unwürdig fühle, wenn ich diesen Begriff in den Mund nehme oder in meine Tastatur tippe, ist an dieser Stelle keine kleine Tirade unumgänglich. Also, bringen wir die schnell hinter uns:

Storytelling ist ein absoluter Bullshit-Begriff. Er zeigt vor allem, wie sehr wir uns nach wie vor von englischen Wörtern beeindrucken lassen. Wikipedia begründet das Phänomen mit der «Vorherrschaft der englischen Sprache in Wirtschaft, Wissenschaft, Popmusik und Informatik». „Statt ein guter hätte das ein hervorragender Podcast werden können“ weiterlesen

Was SRF von Old Shatterhand hätte lernen sollen

Der «Hotspot»-Podcast ist interessant, relevant und unterhaltsam – aber kein Storytelling-Meilenstein und vor allem nicht der Beweis, dass SRF dieses neue Format beherrscht.

Für den Hotspot-Podcast hat sich einer beim SRF eine geradezu poetische Beschreibung aus den Rippen geleiert: «Willkommen am virtuellen Lagerfeuer. Wo die Nächte lang und die Podcasts spannend sind.»

Das ist ein Rückgriff, der für meinen Geschmack etwas gar weit in eine Zeit zurückreicht, die ebenso lange vergangen wie anfällig für Verklärung ist. Und überhaupt: Wurden hierzulande überhaupt jemals Geschichten am Lagerfeuer erzählt? Oder ist das nicht eher eine romantische Vorstellung, die von den Cowboys in der neuen Welt gepflegt wurde – zwischen langen Tagen, an denen Bisons und Indianer abgeschlachtet wurden?

Aber gut, wahrscheinlich sollte ich mich nicht allzu sehr an dieser Beschreibung abarbeiten. Sie wurde vermutlich vom Praktikanten geschrieben, weil der Art Director auf der SRF-Website für jeden Podcast eine Beschreibung von mindestens vier Zeilen vorgesehen hat, obwohl sich das Wesentliche in einem Satzfragment hätte sagen lassen: «Wirtschaft und Politik trifft auf Storytelling im Podcastformat».

Die Podcast-Erzählweise, die man früher Radio-Feature genannt hat

Dieses Podcast-Storytelling war hier im Blog schon häufiger Thema – zum letzten Mal ausführlich bei meiner Besprechung von Malcolm Gladwells Hörbuch «Talking to Strangers». „Was SRF von Old Shatterhand hätte lernen sollen“ weiterlesen

Verbündete gegen unseren eigenen Rassismus

Drei besonnene Stimmen zum Rassismus im Alltag und wie der Kolonialismus noch heute unser Denken prägt. Nachdem die Streitereien auf Facebook und Twitter abgeklungen sind, ist eine gute Gelegenheit, auf sie zu hören.

Malcolm Ohanwe, #kritischesweisssein

Im Medientalk von SRF vom 27. Juni 2020 ging es um die Idee von Journalist Malcolm Ohanwe, der unter dem Hashtag #kritischesweisssein folgenden Aufruf gestartet hat:

Ich fand die Idee erst seltsam, dann einleuchtend – und schliesslich befolgenswert. Meine ersten Anläufe, selbst etwas beizutragen, sind bis leider kläglich gescheitert. Ich verfiel in den weinerlichen Tonfall eines apologetischen Arschlochs. Davon hat niemand etwas. Darum habe ich meine Entwürfe an der tiefsten Stelle im Garten vergraben.

Vielleicht wird irgendwann doch etwas Vernünftiges daraus. Aber bis dahin muss ich mich noch intensiv mit dem Thema und auch mit mir selbst auseinandersetzen. Zwei Podcasts haben mir auf dem Weg dahin eine erste Schützenhilfe geleistet: „Verbündete gegen unseren eigenen Rassismus“ weiterlesen

Öffentlich-rechtliches Audioglück

Die neue Audio-Plattform von SRF im Vergleich mit der ARD Audio­thek: Und auch wenn diese Gegen­über­stel­lung etwas unfair ist, so zeigt sie doch, wie gross das brach­lie­gende Potenzial vom Schweizer Radio ist.

SRF ist im Oktober des letzten Jahres auf die Idee gekommen, Audio-Inhalte speziell zu bündeln. Man findet die jetzt unter srf.ch/audio. Hansjörg Bolliger, Projektleiter SRF Online, laut Pressemitteilung:

«Mit dieser neuen Audioplattform geben wir unseren umfangreichen und interessanten SRF-Audioangeboten ein attraktives Zuhause, das die Userinnen und User zum Hören und Wiederkommen verleiten soll.»

Das ist eine vielversprechende Idee – bei der man lediglich kritisieren könnte, warum es 2019 werden musste, bis sie einer hatte. Bei den Mediatheken werden typischerweise Audio- und Videoinhalte wild durcheinandergewürfelt – auch beim SRF. Dabei liegt doch auf der Hand, dass es von der Situation abhängt, ob man dem Bewegtbild mit Ton oder dem bewegtbildlosen Ton zuneigt. Ist man mit Smartphone und Kopfhörern unterwegs, zieht man Audio vor. Hockt man zu Hause vor dem Fernseher, dann darf es natürlich auch ein Video sein.

Apropos: Wieso gibt es (immer noch) keine AppleTV-App von SRF?

Die neue Audio-Plattform stellt Links zu den Streams der Radiosender zur Verfügung. „Öffentlich-rechtliches Audioglück“ weiterlesen