Mein Laufcoach ist ein Zombie

Hier habe ich neulich die schönsten Outdoor-Apps besprochen. Eine, die liegen geblieben ist, heisst Zombies, Run! (für Android und fürs iPhone). Die ist nun nicht gerade frisch. Im Gegenteil, es gibt sie seit mindestens fünf Jahren. Aber das ist völlig egal, bei einer App, die Untote zum Leben erweckt – die Zombies sind auch alles andere als frisch.

Die Idee ist eine Art interaktives Hör-Rennspiel – wobei die Interaktion sehr bescheiden ist. Und auch das Rennen ist nicht zwingend – man könnte das Hörspiel auch auf dem Sofa geniessen, wobei man sich dann als fauler Drückeberger fühlen müsste. Das Hörspiel jedenfalls beschwört die Zombie Apocalypse herauf. Als Hauptperson ist man mittendrin: Man wird per Funk angesprochen und erhält eine bildliche Schilderungen davon, was die Untoten um einen herum so treiben. Typischerweise rotten sie sich zusammen und heften sich an die Fersen des Zuhörers. Das soll, natürlich, zur Bewegung anspornen. Wenn man sich die Sache bildlich vorstellt, möchte man sich in Sicherheit bringen, und da man das Hörspiel während des Joggens hört, sollte das für zusätzliche Motivation sorgen. Und wenn man den stinkigen Atem im Nacken zu spüren glaubt, läuft man wahrscheinlich tatsächlich etwas schneller.

Es gibt ausserdem kleine Aufgaben zu erfüllen, wie zum Beispiel das Aufsammeln von Wasserflaschen oder den aus Egoshootern hinlänglich bekannten Medipacks. Auch da muss man als Läufer nicht wirklich mit dem Spiel interagieren: Die Gegenstände werden automatisch aufgesammelt. Man muss nicht anhalten oder zum Beispiel per AR-Kit und Augmented Reality nach einem Gegenstand suchen. Die App weist explizit darauf hin, dass sie einen nicht dazu auffordern wird, die Richtung zu ändern. Das ist natürlich auch sinnvoll, schliesslich kennt das Spiel die geografischen Gegebenheiten nicht, in denen man sich gerade bewegt. Unpassende Aufforderungen könnten dazu führen, dass übermotivierte Spieler in Schluchten fallen oder unters Auto kommen. Laut dem Player’s Guide auf Wikia funktioniert das Spiel auch gut auf dem Velo oder auf dem Hometrainer – aber dann ist das Erlebnis nicht ganz so stimmig.

Das einzige interaktive Element ist die Geschwindigkeit: Wenn die Zombies dicht hinter einem her sind, sollte man beschleunigen. Falls nicht, kann es sein, dass sie einen erwischen und man die Mission verliert. Auch das kann etwas ungerecht sein, wenn man sich am steilsten Stück der Joggingrunde befindet und beschleunigen sollte. Aber gut, ganz ohne Risiko wäre es keine überzeugende Zombie Apocalypse.

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So wird man als frisch gebackener Zombie-Verfolgter begrüsst.

Diese Verfolgung heisst Zombie Chases. Man kann sie vor einer Mission ein- oder auch ausschalten, wenn man auf den Leistungsdruck verzichten will. Man kann auch angeben, ob man die Musik über eine separate App abspielen will oder über den eingebauten Player. Im eingebauten Player gibt es die Option Don’t Interrupt Songs – dann wird nur zwischen den Titeln gequatscht, ansonsten auch über die Songs, die zurückgeblendet werden.

Das funktioniert auch gut, wenn man seine Musik via Spotify hört. Das tue ich, weil ich noch daran bin, mir eine Wiedergabeliste fürs Rennen zusammenzustellen. Siri zeigt sich leider von der begriffsstutzigen Seite, wenn man ihr eine Aufforderung wie «Spiele mir Songs, die sich zum Rennen eignen» zukommen lässt. Dass sie das nicht kann, finde ich verblüffend und bezeichnend – das wäre eine Paradedisziplin. Ich habe hier RockMyRun (für Android und fürs iPhone) ausprobiert. Die App behauptet, den Rhythmus der Musik mit dem Puls und dem Schritttempo zu synchronisieren. Wenn das klappt, wäre das super fürs Rennen. Aber ich bin war zu Recht etwas skeptisch…

Zurück zur App: Man stellt vor der Mission auch ein, wie lange man rennen möchte und ob man sich dabei tracken lassen will. Das Aufzeichnen funktioniert aber, so weit ich es ausprobiert habe, auch gut parallel mit einer App wie Runtastic.

Man kann «Zombies, Run!» mit oder ohne Anmeldung und kostenlos nutzen. Es gibt eine Pro-Mitgliedschaft, die alle 300 Missionen ohne Werbung freischaltet. Man kann die Missionen an seinen Lauf anpassen, erhält Statistiken und darf die Schwierigkeit der Zombie Chases einstellen. Der Pro-Modus kostet 27 Franken im Jahr oder 4.50 Fr. im Monat. Das ist mir zu teuer, da ich beim Rennen auch gerne Hörbücher oder Podcasts höre – und damit harmoniert «Zombies, Run!» nicht. Darum bleibe ich beim Gratismodus, zumal die Werbung bislang erträglich ist. Aber ich kann mir vorstellen, dass die mit der Zeit an Intensität zunimmt.

Zwei Extra-Tipps: Wer zum Preppertum neigt, sollte sich unbedingt die Anleitung How To Survive The Zombie Apocalypse besorgen, für den Fall, dass aus dem Spass einmal Ernst wird. Und zweitens: Es gibt auch andere Running Games, zum Beispiel Run an Empire (fürs iPhone, aber leider nicht im Schweizer Store erhältlich) oder Runtastic Story Run in der Runtastic-App. Weitere Tipps gibt es hier.

Autor: Matthias

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