Bünzlig, aber brauchbar

Ich muss noch einmal auf die hier besprochenen Outdoor-Apps zurückkommen. Ein Leser hatte kritisiert, man hätte auch Apps wie SchweizMobil besprechen müssen.

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Landeskarten 1:1 aufs iPhone übertragen? Kann man machen, ist aber nicht gerade das technische Nonplusultra.

Nun, es ist natürlich so, dass meine Auswahl selten allen passt. Schliesslich gibt es fast in jedem Bereich mehr Apps, als in einen Artikel passen. Und ich finde es zwar sinnvoll, Alternativen zu liefern – aber ellenlange Aufzählungen aller möglichen Kandidaten sind nicht zweckdienlich. Sie überfordern eher, als dass sie echte Auswahlmöglichkeiten liefern. Als Tester setze ich Schwerpunkte. Komplexreduktion ist schliesslich die hehre Aufgabe des Journalismus.

Das heisst aber nicht, dass ich nicht hier im Blog Ergänzungen anbringen könnte. Zum Beispiel im Fall von SchweizMobil. Die App existiert für Android und fürs iPhone. Sie bietet Zugriff auf die Landeskarten von Swisstopo im Massstab 1:25′000 – was denn auch der Grund war, weswegen ich die App nicht vorgestellt habe. Versteht mich nicht falsch – ich mag die Schweizer Landeskarten. Die gehören zu diesem Land wie die SBB, das Bundeshaus und die Bunker im Gotthard. Aber am Smartphone habe ich lieber eine dynamische, interaktive Kartendarstellung. Besonders, wenn es um Navigation geht: Eine interaktive Karte kann sich zum Beispiel in Laufrichtung drehen und die Labels in eine lesbare Position bringen. Sie kann Informationen nach Bedarf ein- und ausblenden. Und sie kann einen Tages- und Nachtmodus anbieten. Etc.

Aber ich verstehe, dass sich manche an Wanderungen erinnert fühlen, die «analog» mit Hilfe der guten alten Wanderkarten stattgefunden haben. Die App kennt ausserdem 32′000 Kilometer der so genannten «signalisierten Langsamverkehrsrouten», was wahrscheinlich Strecken fürs Velo und fürs Rollerbladen sind – und was es sonst noch für muskelkraftbetriebene Fortbewegungsmittel gibt. Welche das sind, verrät die App beim Start. Sie bietet Karten fürs Wandern, Velofahren, für Mountainbiker, Skater, Kanufahrer, Winterwanderer, Schneeschuhläufer, fürs Langlaufen und Schlitteln an. Ausserdem gibt es eine Kategorie namens Slow Up, deren Sinn und Zweck sich mir nicht so ganz erschliesst. Wenn man hier nachliest, geht es um autofreie Erlebnistage:

Das slowUp-Rezept ist so einfach wie überzeugend: Man nehme rund 30 km Strassen in einer attraktiven Landschaft, sperre sie einen Tag für den motorisierten Verkehr und sorge für ein vielseitiges Rahmenprogramm entlang der Strecke. Daraus wird ein Fest, anders als alle anderen: Jung und Alt, Familien und Singles, Bewegungsmenschen und Genussmenschen geniessen die fröhliche Stimmung im autofreien Ambiente.

War mir bislang nicht bekannt. Die Idee ist mir aber sympathisch, auch wenn ich ihr keinen unsinnig denglischen Namen gegeben hätte.

Wie auch immer, zurück zur App: Auch das ganze ausgeschilderte Wanderwegnetz ist hinterlegt, was beachtliche 60′000 Kilometer umfasst. Die öV-Haltestellen sind der App ebenfalls bekannt. Ferner gibt es 4500 Points of Interest und Routen für Wintersportler.

Man könnte somit sagen: Diese App setzt bei der Schweizer Infrastruktur für die Freiluft-Freizeitgestaltung an: Bei den «offiziellen» Routen. Das hat natürlich seine Berechtigung, zumal man sich am Bewährten orientiert – und nicht an den potenziell abartigen Vorschlägen der Community, wie bei Komoot oder Wikiloc. Allerdings sind die Such- und Filtermöglichkeiten im Vergleich zu diesen Apps in SchweizMobil primitiv: Man wählt seine Route über ein hierarchisches Menü, das erst nationale Routen, regionale Routen und lokale Routen anbietet und dann die Routen auflistet. Dinge wie Länge, Anforderung, Auf- und Abstieg, Schwierigkeitsgrad und Strassenbelag sieht man erst, wenn man eine Tour öffnet. Eine Sortierung nach Entfernung zum eigenen Standort gibt es ebenfalls nicht. Dafür erhält man eine ausführliche Beschreibung und erfährt auch Kulturelles, Historisches oder Lokalpatriotisches.

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Auch die Routenauswahl könnte genausogut in gedruckter Form verabreicht werden.

Mit anderen Worten: Es geht hier weniger um spontane Ausflüge als vielmehr um die seriöse Planung staatsbürgerlich wertvoller Freizeitaktivitäten. Das hat seine Berechtigung – und es ist eine Frage der Vorliebe, ob man den modernen Ansatz à la Wikiloc/Komoot oder den traditionalistischen à la Schweiz Mobil bevorzugt. Oder ob man mal die eine und mal die andere App zu Rat zieht.

Kritisieren muss ich allerdings den altbackenen Look von SchweizMobil. Ein bisschen mehr Mühe könnte man sich schon geben, dass die App nicht wie ein gedrucktes Wanderlexikon aus den 1950er-Jahren aussieht. Und natürlich sollten auch die Möglichkeiten der modernen Geräte ausgeschöpft werden. Immerhin: Man kann Touren selber planen, speichern und mit Höhenprofil anzeigen lassen. Tracking und Touren-Teilen sind aber nicht möglich.

Autor: Matthias

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