Mündiger shoppen

Seit zehn Jahren nehme ich mir vor, ein etwas mündigerer Konsument zu werden – nämlich, seit wir in Digitalk 72 mit Roman Bleichenbacher von Codecheck gesprochen haben. codecheck.info ist eine nützliche Hilfe für den Einkauf. Die Website schlüsselt die Inhaltsstoffe eines Produkts auf und informiert bei Nahrungsmittel und Kosemetika über Gesundheitsbedenken und ermöglicht eine Einschätzung der Umweltverträglichkeit. Das ist sehr hilfreich, wenn man unter Allergien oder Unverträglichkeiten leidet. Es hilft aber auch dabei, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen. Nämlich beispielsweise, auf Produkte mit Palmöl zu verzichten.

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Links: Das Produkt mit der Bewertung und der profilbasierenden Empfehlung.
Rechts: Detaillierte Informationen zu den Inhaltsstoffen.

Die Abfrage im Laden war anfänglich über die Website eher umständlich. Heute ist es mit der Codecheck-App, die es für iPhone/iPad und für Android gibt, deutlich einfacher geworden. Man braucht natürlich eine Internetverbindung, was in den Läden ein Problem ist, die sich im Untergeschoss befinden, zum Beispiel der Coop beim Stadtgarten Winterthur.

Nach dem Scannen erhält man eine Beurteilung der Inhaltsstoffe mit einer Ampel: Grün ist okay, alle anderen Farben können für manche Leute ein Problem sein, für andere nicht. Tippt man einen Eintrag an, erhält man eine ausführliche Erläuterung mit Hinweisen, wozu der Inhaltsstoff gut ist, wie er hergestellt wird und was erwiesene und vermutete Probleme sein könnten.

Neben Nährwert-Ampel gibt es auch Informationen zur «Lebens- und Ernährungsweise», wo man sieht, ob das Produkt glutenfrei, laktosehaltig, vegan oder vegetarisch ist. Darunter hat die Community Vor- und Nachteile hinterlegt, zu denen man sich mit Zustimmung oder Ablehnung äussern kann. Am Ende erscheinen Artikel zum Produkt, im Fall von Rivella zum Beispiel mit einer Anleitung, wie man selbst Limonaden macht.

Falls man ein Profil hinterlegt hat, kann man Favoriten erfassen. Und es wird angezeigt, ob das Produkt für einen geeignet oder nicht geeignet ist. Für diese Beurteilung gibt man seine Präferenzen bei Lifestyle (Gluten, Laktose, Vegan, Vegetarisch), Nährwert (Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker, Salz; jeweils ohne/niedrig/mittel/aus), Gesundheit (Hormonell, Aluminium, Nanopartikel, Duftstoffe) und Umwelt (Silikon, Mikroplastik, Palmöl) an.

Die App ist kostenlos. Für 3 Franken als In-App-Kauf entfernt man die Werbung aus der App.

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Links: Das Scannen geht so schnell, dass man kaum dazu kommt, einen Screenshot zu machen.
Rechts: Die Produktsuche, die auf persönliche Vorlieben Rücksicht nimmt.

Fazit: Eine sinnvolle App, die so schnell scannt, dass ich kaum in der Lage war, einen Screenshot anzufertigen. Codecheck wäre auch durchaus ausbaufähig: Naheliegenderweise mit einer Preissuchmaschine, die einem sagt, wo es das fragliche Produkt vielleicht noch günstiger gibt. (Bei manchen Produkten gibt es eine Preisempfehlung. Der Hinweis «sponsored» deutet darauf hin, dass die von einem Codecheck-Partner stammt.) Oder mit einer Datenbank mit (allenfalls gesünderen oder besseren) Alternativen. (Die gibt es bei vielen, aber nicht bei allen Produkten; siehe hier.) Aber auch so gehört Codecheck für mich zur Standardausrüstung

Falls ein Produkt fehlt, kann man das selbst eintragen. Wie es geht, steht hier.

Ausprobieren wollte ich auch eine Alternativ-App namens Barcoo (iPhone und Android). Die funktioniert bislang jedoch nur in Deutschland und Österreich mit Läden wie Rewe, Real, Netto, Edeka, Lidl, und da ich in letzter Zeit in keinem dieser Läden zum Einkaufen gekommen bin, kann ich kein Urteil abgeben. Über Anmerkungen in den Kommentaren zu dieser App würde ich mich aber freuen – schliesslich hat dieses Blog auch Leser in Deutschland und Österreich, sowie Schweizer, die in Deutschland einkaufen gehen. (Auch wenn der Einkaufstourismus in letzter Zeit nachgelassens hat.)

Ach ja, und wenn ihr jetzt fragt, warum ich mir seit zehn Jahren vornehme, mündiger zu konsumieren und ich es nicht tue: Das liegt daran, dass ich anders bin als andere Leute. Viele empfinden es als erfrischend, durch Läden zu streifen, nach Produkten Ausschau zu halten und Alternativen zu prüfen. Ich bin nicht so. Ich mag die Menschenmengen nicht, bin kein Fan der Atmosphäre und somit froh, möglichst schnell wieder draussen zu sein. Darum packe ich meist einfach das, was ich brauche, und mache mich wieder aus dem Staub. Oder ich meide die Läden ganz, was man als moderner Shopper auch problemlos tun kann.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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