Lasst uns den Pinsel schwingen!

Autodesk ist diese Softwareklitsche, die Software macht, die kaum einer braucht. (Ausser diejenigen die auf CAD abfahren.) So lautet zumindest the common wisdom. Längst macht Autodesk auch lustige Apps wie die hier.

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Ja, das habe ich gemacht! (Ich habe ganz allein ein Bild aus dem Tutorial in den Hintergrund geladen!)

Und ernsthafte Softwareerzeugnisse wie Sketchbook. Das ist eine «digitale Zeichen-App für ein echtes Zeichenerlebnis», wie es die Marketingbehauptung ausdrückt. Es gibt die App kostenlos für Windows und Mac, aber auch für Android und fürs iPhone und iPad. Man verwendet sie am Touchscreen am besten mit einem Stift und PC mit einem Grafiktablett. Aber es geht zur Not auch mit Maus und Finger.

Der Arbeitsbereich macht einen aufgeräumten Eindruck: Es gibt links in der Pinselpalette die diversen Zeichenwerkzeuge: Bleistift, Airbrush, Filz- und Markierstift, Malpinsel, Feder, Kugelschreiber, und was man sonst noch so benötigen könnte. Ganz zuoberst, über das Reglersymbol, blendet man die Eigenschaften-Palette ein, über die man die Verhaltensweise der digitalen Malwerkzeuge anpasst: Grösse und Durchfluss bei der Airbrush, Opazität des Pinsels, Benetzung des Filzstifts.

Am oberen Rand befinden sich der Werkzeugkasten mit den gestalterischen Hilfsmitteln: Auswahl-, Füll- und Textwerkzeug, Lineal, Ebenen, Farbeditor und die lustige Symmetriefunktion, über die noch zu reden sein wird.

Unten links steckt der Utensilien-Bereich: Er konfiguriert die Benutzeroberfläche und bringt (am Desktop) die Menüs zum Verschwinden, die man wahrscheinlich sowieso nicht benötigt.

In der linken oberen Ecke schliesslich stösst man auf die Pinsellupe und Farbrad. Erstere steuert Eigenschaften der Malwerkzeuge wie Grösse und Durchfluss, ohne dass man die potenziell störende Eigenschaften-Palette geöffnet haben müsste. Man klickt die Lupe an und zieht mit der Maus, wobei sich der gewünschte Wert verändert – um wie viel wird am unteren Bildschirmrand anzeeigt.

Das Farbrad seinerseits wählt die Farbe – und zeigt exemplarisch eine der zentralen Philosophien der Benutzerführung dieses Programms: Alle Elemente der Oberfläche sollen kompakt und unaufdringlich sein. Das Farbrad steuert alle Eigenschaften der Farbe (Farbton, Luminanz) über einen kleinen Kreis, in den sogar der Farbwähler integriert ist.

Der bereits erwähnte Utensilienbereich, die Pinsellupe und das Farbrad beinhalten (teils via Rechtsklick) auch die Werkzeuge aus dem Werkzeugkasten und im Utensilienbereich gibt es auch die Pinsel der Pinselpalette: Wenn man mit der Software vertraut ist, kann man die Pinselpalette und den Werkzeugkasten ausblenden und hat so eine fast komplett freie Arbeitsfläche und die Möglichkeit, sich ganz aufs Malen zu konzentrieren.

Beim Rechtsklick auf Lupe, Farbrad oder Utensilienbereich erscheinen die Befehle jeweils im Kreis angeordnet: Das ergibt bei der Verwendung von Stift oder Maus kurze Wege. Die entsprechende Übung vorausgesetzt, ermöglicht das eine effiziente Arbeitsweise – garantiert um Welten effizienter, als wenn man sich duruch Menüs oder grosse Paletten kämpfen muss. Ein ähnliches Kreis-Interface hat sich Microsoft beim Start der Onenote-App für Windows 8 ausgedacht, wie man hier nachsehen kann. Und es gibt auch viele Tastaturkürzel und Befehlskürzel für den Stift.

Die App ist in der Basisversion kostenlos. Es gibt eine Pro-Variante für 30 Dollar im Jahr, die viele Zusatzfunktionen freischaltet: Viele weiter Pinsel, mehr Selektionswerkzeuge, Predictive Stroke für harmonischere Linien, Verlaufsfüllung, eine Verzerrfunktion, horizontale und radiale Symmetrie, das Perspektivenwerkzeug und, auch nicht ganz unwichtig, die Möglichkeit, die Grösse der Leinwand (des Dokuments) anzupassen.

Fazit: Wenn ich ein minimalstes Talent fürs Malen hätte, würde ich diese App hier gerne verwenden. Die Malwerkzeuge wirken lebensecht und es macht Spass, mit dem Borstenpinsel farbe dick und fett aufzutragen, um sie dann mit dem Wischpinsel wieder zu verschmieren. Die Benutzeroberfläche ist wirklich klever und hält viele nützliche Dinge bereit: Das Lineal, das man in seiner Zeichnung platziert, in einem beliebigen Winkel ausrichtet und das dann den Strich automatisch gerade entlang der gewählten Richtung führt. Analog zeichnet man mit dem Ellipse-Werkzeug auch schöne kreisförmige Gebilde.

Oder das erwähnte Symmetriewerkzeug: Es spiegelt den Strich automatisch an der Symmetrieachse, die man frei auf seiner Leinwand platziert. Man kann mit Autodesk Sketchbook Fotos abmalen (Datei > Bild hinzufügen), aber sich auch nur von der Fantasie leiten lassen. In der Pro-Variante gibt es auch das so genannte Flipbook (Daumenkino): Damit malt man auch einfache Animationen und gestaltet kurze Trickfilme – etwas, das ich bekanntermassen eh schon seit langem tun möchte.

Autor: Matthias

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