Die Lektion des Drogenbarons

Ein Arbeitskollege hat mich neulich mit dem African Drug Lord bekanntgemacht. Nein, nicht indem er mich in dessen Drogenverteilungsorganisation eingeführt hat. Aber da fängt es schon an mit den Klischees. Den afrikanischen Drogenboss gibt es in diesem vergnüglichen Youtube-Kanal zu sehen, wo er «Call of Duty: Black Ops» multiplayerspielt und seinen Gegnern so richtig die Knöpfe eintut, wenn sie ihm die Gelegenheit dazu geben. Das ganze funktioniert hervorragend dank rassistischer Vorurteile wie «Die im Busch können ja vielleicht doch Voodoo», aber vor allem dank dem löcherigen Schutz der Privatsphäre im Netz.

Es geht konkret so: Wenn ein Spieler sich unvorsichtigerweise mit dem African Drug Lord anlegt, dann schaltet der plötzlich in den Angriffsmodus und verlangt eine Entschuldigung. Wenn sich das Opfer weigert, weil es sich dank des anonymen Gamer-Namens in Sicherheit wiegt, dann macht Mr. Drogenboss Andeutungen, die keinen Zweifel daran lassen, dass er sowohl Name als auch Wohnort seines virtuellen Gegenüber kennt. Voodoo, eben…

Oder doch nicht. Der Youtuber VirtuallyVain hat letztes Jahr dem «Business Insider» erklärt, wie er vorgeht – in der zweifellos zutreffenden Annahme, dass der typische Call of Duty-Spieler noch nie von diesem Medium gehört hat:

“What I’m doing is not hacking at all, nothing I do is illegal,” Vain told me. “It’s basically when people are irresponsible with the information they post online.”

Er sei kein krimineller Hacker. Er stellt lediglich Querverbindungen zwischen öffentlich verfügbaren Informationen her. Viele Spieler verwenden ihre Gamertags auch andernorts im Netz, zum Beispiel bei Facebook. Und wenn dort Wohnort und die Telefonnummer nicht öffentlich zugänglich sind, bringt VirtuallyVain diese Informationen oft über Whitepages.com in Erfahrung. Das ist ein Online-Telefonbuch. Er kann auch die IP-Adresse seiner Mitspieler feststellen. Und die lässt sich sehr leicht orten.

VirtuallyVain kennt noch ein paar Tricks, die er nicht im Artikel preisgibt. Mit einem findet er die ungelistete Handynummer des Journalisten heraus. Und erteilt uns die (für die meisten von uns allerdings nicht brandneue) Lektion, dass Privatsphäre eine Farce ist. Das Fazit:

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Beim Ballern gibt es hier eine Lektion in Privatsphäre gratis dazu.

At the end of the day, however, Vain told me “nobody’s safe, we live in a time where our attacks are better than our defenses, so I think it comes to a point where you have to acknowledge the fact that you are susceptible to this.”

But before you unplug to go live in the woods where no one can find you, Vain reassured me that “for those who aren’t a target, you’re pretty much safe. It’s very rare that someone would target you for no reason.”

Niemand ist sicher: Die Angriffsmöglichkeiten sind den Mitteln der Verteidigung überlegen. Doch trotzdem muss man sich nicht im Wald verkriechen. Wer sich nicht zur Zielscheibe macht, wird kaum je ohne Grund angegriffen.

Stimmt, aber ich würde mir den Nachsatz erlauben, dass das nur gilt, so lange man in einem Rechtsstaat lebt. Und wie leicht der Rechtsstaat erodiert, das kriegen wir im Moment tagtäglich vorgeführt. Es lohnt sich darum umso mehr, dessen Banner hochzuhalten.

Autor: Matthias

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