Kein Anschluss unter diesem Stecker

Die Sache mit den USB-Steckern ist inzwischen, sagen wir es vorsichtig: unübersichtlich geworden. Den normalen USB-Stecker (Typ A) braucht man noch oft für Geräte aller Art. Der Typ B dürfe eigentlich längst ausgestorben sein. Doch weil Druckerhersteller ihn aus unerfindlichen Gründen lieben, muss man dennoch ein Kabel vorrätig haben.

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Ein halber Stecker in einer ganzen Buchse.

Micro-USB ist auch ständig im Gebrauch: Man braucht ihn für viele Smartphones und Gadgets zum Datenaustausch und ich lade diverse Geräte damit, zum Beispiel Kopfhörer und Videoleuchten. Der minim höhere Mini-USB-Stecker könnte ebenfalls vom Angesicht dieser Erde verschwunden sein. Aber nein, meine Spiegelrefexkamera (Nikon D7000) hat noch diesen Anschluss, sodass man auch dafür eine passende Strippe parat haben muss.

So weit die USB-1.0/2.0-Abteilung. Für Backups in ordentlicher Geschwindigkeit habe ich diverse USB-3-Festplatten in Betrieb. Die brauchen natürlich Extrakabel. Am einen Ende sind sie kompatibel zum USB-Typ A. Doch am anderen Ende nicht: Die Festplatte hat eine USB-3.0-Micro-B-Buchse mit einem kleinen Zähnchen, in die nur ein Stecker mit einer asymmetrischen Kerbe passt.

Und dann sind da noch die Freuden von USB-C, die sich erst mit Adaptern und Hubs so richtig entfalten mögen.

Da sass ich neulich im Newsroom des Tagesanzeigers, und wollte auf meiner Backup-Festplatte aus Gründen schöne Archivbilder von Windows Vista hervorkramen. Doch wie? Ein ebenfalls in diesem Newsroom verkehrender Schurke – wahrscheinlich der gleiche, der auch immer meine Kugelschreiber klaut – hatte das USB-3.0-Kabel mitgehen lassen. Das gehört aber genau zu jenen Kabeln, von denen garantiert keines irgendwo herumliegt. Das heisst: Kein Anschluss unter diesem Stecker.

Mein Kollege Rafael Zeier meinte daraufhin trocken, ich solle es mit seinem Micro-USB-Kabel probieren. Ich schaute ihn an wie einen, der den Verstand verloren hat. Denn schon allein an der Breite ist abzusehen, dass der kleine Stecker nie und nimmer in die grosse Buchse passt. Er meinte daraufhin, USB 3 sei rückwärtskompatibel, habe er gehört. Und er gab mir sein Kabel, um das zu überprüfen.

Und das Wunder geschah: Der schmale Micro-USB-Stecker passt ins breitere Segment der insgesamt noch breiteren Buchse. Das kleine Zähnchen ist offensichtlich dazu da, schmalere Stecker zu fixieren. Anzunehmen, dass der andere Teil, der frei bleibt, für die USB-3-Geschwindigkeit zuständig ist.

Es bleibt eine Frage … oder eigentlich zwei: ist das nun genial oder völliger Wahnsinn? Und kann man hier Genialität und Wahnsinn überhaupt noch unterscheiden?

Autor: Matthias

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