Vier durcheinandergewürfelte Surftipps

Erstens: Project Apollo Archive
Kipp Teague – dessen persönliche Website aussieht wie ein Relikt aus den seligen 1990er-Jahre – hat bei Flickr ein Archiv von 8400 Fotos über das Apollo-Raumfahrtprogramm eingestellt. Die Bilder hat er in Zusammenarbeit mit dem Apollo Lunar Surface Journal der Nasa erhalten und in hoher Auflösung (um die 20 Megapixel, je nach Aufnahme) publiziert.

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Man könnte mondsüchtig werden… (Bild: Project Apollo Archive/Flickr.com)

Die Fotos sind nach Mission und Fotomagazin sortiert, und man findet unscharfe, verwackelte oder «missratene» Aufnahmen, die man heute löschen würde, aber die auf Film genauso wie die gelungenen Bilder erhalten blieben. Ich könnte stundenlang durch das Archiv blättern und mir ausmalen, wie es gewesen sein muss, unseren Erdtrabanten – der uns von unzähligen Blicken an den Himmel so vertraut ist, plötzlich von Nahem zu sehen… ein tolles Projekt!

Die Bilder wurden als Public Domain veröffentlicht und können somit frei verwendet werden. Die Nasa selbst betreibt das Flickr-Archiv NASA on The Commons, das ebenfalls Bilder ohne urheberrechtliche Einschränkungen umfasst.

Zweitens: Der Koran erklärt
Beim Deutschlandfunk habe ich die Sendereihe «Der Koran erklärt» gefunden, den man auch als Podcast abonnieren kann. Das will «Bildungslücken schliessen und gefährliches Halbwissen bekämpfen», aber kein «religionswissenschaftliches Seminar» sein, wie Deutschlandfunk-Intendant Willi Steul im Interview zur Sendereihe sagt.

Spätestens seit Andreas Thiels «Ausführungen» zum Thema ist es klar, dass man tatsächlich etwas genauer Bescheid wissen sollte, als das, was das, was man vom Hörensagen kennt – von irgendeinem, der die «Weltwoche» gelesen hat. Die Sendereihe stellt Sure für Sure vor und erklärt, wie die Exegeten sie interpretieren – und oft genug wird einem klar, welch grossen Auslegungsspielraum sich ergibt. Das ist recht trocken, aber dank der kurzen Häppchen von rund 4 Minuten gut verdaulich und auf alle Fälle aufschlussreich – beispielsweise hier: Der zentrale Vers zum Kopftuch.

Schade, dass die Suren nicht auch in Arabisch vorgelesen werden.

Drittens: Doppelsprech von Apple
Der Beitrag How To Be a Genius: This Is Apple’s Secret Employee Training Manual wurde zwar schon vor drei Jahren bei Gizmodo veröffentlicht. Ich bin ihm aber trotzdem erst neulich begegnet. Er bespricht das «Genius Training Student Workbook» für Angestellte der Apple-Stores. Man erfährt einiges, wie eine konsumfreundliche Atmosphäre entsteht, wie ein Apple Genius auf kritische Kundenfragen reagieren soll und welchen Umgang die Angestellten untereinander pflegen – inklusive «Fearless Feedback».

Das ist schon beeindruckend, speziell auch in sprachlicher Hinsicht. Da wird systematisch schöngeredet, indem Wörter wie crash, hang, bomb oder freeze zu vermeiden und stattdessen Formulierungen wie unexpectedly quits, does not respond oder stops responding zu verwenden sind. Statt incompatible sagt man does not work with. Bugs und problems gibt es ebenfalls nicht. Stattdessen treten issues, conditions oder situations auf.

Nun bin ich dafür, dass herabwürdigende Begriffe wie das N-Wort vermieden werden. Dass hier aber normale und umgangssprachlich gebräuchliche Worte ausgemerzt werden sollen, hinterlässt bei mir – wo ich Journalist bin und die Dinge immer möglichst klar und direkt benennen will – schon ein sehr ungutes Gefühl…

Viertens: Das bedingungslose Grundeinkommen
Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich ein Freund des bedingunglosen Grundeinkommens bin. Da habe ich mich (trotz des zu watson-igen Titels) gefreut, den Text Das bedingungslose Grundeinkommen hat nichts mit Sozialismus und Schlendrian zu tun – es würde uns von staatlicher Hilfe emanzipieren von Philipp Löpfe zu lesen: «Von ‹gigantischer sozialistischer Umverteilung› spricht heute nur noch, wer sich nicht mit der Sache befasst hat», steht da. Oder: «Experten wie der ETH-Professor Dirk Helbing prophezeien bereits, dass bis 2050 rund die Hälfte aller Jobs überflüssig werden, weil intelligente Software und Roboter die meiste Arbeit für uns erledigen. Der amerikanische Starökonom Tylor Cowen spricht gar von 80 Prozent. Nicht ‹Kapitalismus oder Sozialismus?› lautet daher die zentrale Frage der sich abzeichnenden Wirtschaftsordnung, sondern: Mangel oder Überfluss?»

Autor: Matthias

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