Der King unter den Nerds

Ich habe einen neuen Lieblingsautor. Er heisst Peter Clines und wohnt dort, wo Stephen Kings Bücher oft handeln: In Maine:

Peter Clines grew up in the Stephen King fallout zone of Maine and–inspired by comic books, Star Wars, and Saturday morning cartoons–started writing at the age of eight with his first epic novel, Lizard Men From The Center Of The Earth.

So heisst es in der Biografie auf der Website des Autors, und das ist nicht zu viel versprochen: Da mischen sich horrorhafte Szenarien in der Tradition von Stephen King mit Black-Hat-Hacker-Kultur und nerdhaften Elementen. Beispiel 14 (bislang leider offenbar nur in Englisch erhältlich). In dieser Geschichte zieht Nate in eine Wohnung. Er kann sich mit dem kleinen Löhnchen, das sein beschissener Job abwirft, keine wirklich luxuriöse Bleibe leisten. Daher nimmt er die Wohnung, die ihm ein Arbeitskollege empfohlen hat, obwohl sie sich in einem etwas seltsamen Haus befindet, in dem es grüne Kakerlaken gibt. Und viele leicht sonderbare Mitbewohner, wie die leicht exhibitionistische Xela, die gerne oben ohne auf dem Flachdach sonnenbadet.

150807-peter-clines.jpg
Da sieht man mal, was sich im Kopf eines Horrorautors befindet.

Oder Veek. Sie gibt ihm (gegen Geld) Zugang zu ihrem WLAN. Und sie scheint sich intensiv mit den Eigenheiten des Hauses zu beschäftigen. Denn, seltsam genug, in ihrer Wohnung herrschen bei jeder Jahreszeit exakt 20,5 Grad Celsius. Egal ob das Fenster offen steht oder der Ofen auf Hochtouren läuft. Der pensionierte Tim wundert sich, weil jede Wohnung einen anderen Grundriss aufweist. Es gibt auch eine Wohnung, die sich über zwei Etagen erstreckt und in der ein Kronleuchter hängt. Und einen deutschen Hausabwart namens Oskar, der sich jede Schnüffelei im Haus verbittet.

Davon lassen sich die Bewohner nicht abhalten. Auch Mandy und Roger gesellen sich zu der Gruppe, die bald die gesamte Freizeit nutzt, dem Kavach building das Geheimnis zu entlocken. Dabei entdecken sie Botschaften in fremden Sprachen, sowie Formeln und Warnungen hinter den Tapeten. Keller, in denen seltsame Gegenstände gelagert werden. Und ein nicht enden wollender Tunnel unter dem Gebäude…

Mit viel Gefühl für den Spannungsaufbau eskaliert Clines diese scheinbar so harmlose Geschichte zu einem intergallaktischen Spektakel mit walartigen Aliens, die aber so gar nichts mit unseren gutmütigen Säugetieren gemein haben. Das Kavach building ist – um hier hoffentlich nicht zu viel zu verraten – eine Hinterlassenschaft von einem Herrn, der in meiner Verschwörungstheorie der Woche auch des öfteren einen Auftritt hatte: Nikola Tesla himself!

Clines Geschichte ist nun sicherlich nichts für jeden Geschmack. Wer gerne Abenteuer im fantastischen Umfeld hat, der ist mit «14» bestens bedient. Ich schätze an ihm auch seine Fähigkeit, die Figuren in der Geschichte zu einem echten sozialen Grüppchen zusammenzuschweissen – so wie King das in It vorexerziert hat. Clines kennt sich wie sein Fast-Namensvetter Ernest Cline auch mit der Nerdkultur bestens aus und er schreibt mit viel trockenem Humor – das ist IMHO der optimale Mix für ein locker-flockiges hochsommerliches Lesevergnügen.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Kommentar verfassen