Schöne Daten und dicke Männer

Ich bin ein heimlicher Fan von Datenvisualisierungen. Sie verbinden die nüchterne Unbestechlichkeit von statistischen Daten mit optischen Reizen. Es ist faszinierend, wie mit dem richtigen Algorithmus aus einem riesigen Datenhaufen ein ästhetisches, bildhaftes Motiv entsteht oder sogar eine Animation. Das hat etwas Magisches an sich. Aber es ist nicht nur Spielerei, sondern verhilft einem oft zu Erkenntnissen.

Minecraft map of Southampton Water
Nicht nur Southampton, sondern ganz England existiert auch in Minecraft.

Vor einiger Zeit habe ich die Website infosthetics.com vorgestellt. Eine Site, die mir vor Kurzem begegnet ist, heisst flowingdata.com. Hier zeigt der Statistiker Nathan Yau in diversen Tutorials, wie man Zahlen in Bilder verwandelt. Leute wie ich, die keine Ambitionen haben, selbst Hand an Daten zu legen, können durchs Blog schmökern und die vorgestellten Projekte erkunden. Beispielsweise das von bit.ly, das den Medienkonsum in den USA auf einer interaktiven Karte zeigt. Oder die Animationen von fastcodesign.com, die die Foursquare-Checkins in Chicago, London, San Francisco, Tokyo und Istanbul als flackerndes Grossstadtgewusel zeigen. Oder die beeindruckende Arbeit von Dirk Loechel, die in einer riesigen Darstellung die Raumschiffe aus wichtigen Science-Fiction-Werken im richtigen Grössenverhältnis zeigt.

Richtig abartig finde ich allerdings das Projekt von The Ordnance Survey, der britischen Landesvermessungsbehörde. Die hat mit 22 Milliarden Klötzen die 220’000 Quadratkilometer der Insel nachgebaut…

Eine Schweizer Site zur Datenvisualisierung ist datavisualization.ch. Sie scheint im Moment nicht gepflegt zu werden, aber die vorgestellten Projekte sind nach wie vor eindrücklich: Beispielsweise Jer Thorp, der in seinem Blog erklärt, wie er fürs Magazin Popular Science («PopSci») dessen Archiv erkundet und 138 Jahre in einer Grafik zusammengefasst hat.

Wo in diesem Beitrag das Wort Ästhetik zur Anwendung kam, ist eine kleine Korrektur angezeigt. Flowingdata.com verweist auch auf einen Artikel von theatlantic.com, der den Körper des durchschnittlichen Mannes visualisiert. Und zwar im eigentlichen Wortsinn: In den Bildern sind Männer zu sehen, die anhand des statistischen Durchschnitts gerendert wurden. Und die sind, naja, nicht wirklich das, was man besonders attraktiv nennen würde…

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Ein Gedanke zu „Schöne Daten und dicke Männer“

  1. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Schon zu C64 Zeiten war es eine der faszinierendsten Beschäftigungen, dem superlangsamen Aufbau einer apfelmännchenähnlichen Grafik, welche eine Art Landschaft ergab, zuzuschauen. Und damit konnte man nichts machen.
    Um wieviel beeindruckender ist es, was heutzutage möglich ist!
    Du erwähnst selbst mein (derzeitiges) Lieblingsspiel Minecraft und die Nachgestaltung Englands. Ohne Frage phantastisch! Aber auch schon die im Spiel integrierten Algorithmen, mit denen die Landschaften des Spiels zufällig generiert werden, sind erstaunlich. Das Spiel ist mittlerweile in der Lage stark zerklüftete Felsformationen, Wüstengegenden, Waldlandschaften oder sogar Grand-Canyon-ähnliche Landstriche nachzubilden.
    Dankeschön, auch für die anderen interessanten Beispiele, in denen Daten “sichtbar” gemacht werden.

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