Molyneux‘ mysteriöser Monolith

Der Doyen des digitalen Spieleschaffens hat ein neues Multiplayer-Game geschaffen, dessen Sinn und Zweck weitgehend im Dunkeln liegt.

Wie der Monolith aus Arthur C. Clarkes «Space Odyssey» hängt der schwarze Klotz in der Mitte eines offenbar ebenfalls kubistischen Raums. Die ehemals glatten Oberflächen sind aufgebrochen, und der Raum ist erfüllt von ätherischen Klängen. Über die Oberfläche des Würfels ziehen ab und an Textbotschaften und wenn man seine Finger auf das Touch-Display legt, lässt sich der Würfel drehen und heranzoomen.

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Links: Der riesige Würfel, der im Innern ein Geheimnis birgt.
Rechts: Wer mag, kann auch Figuren oder Texte in die Oberfläche ritzen.

Die schwarze Oberfläche des Würfels ist an vielen Stellen aufgebrochen. Dort, wo Lücken vorhanden sind, schimmert das grüne Innere durch. Und bei besonders grossen Löchern sieht man, dass sich in der Mitte grosse Blasen befinden müssen. Zoomt man sich heran, sieht man, dass die vermeintlich schwarze Oberfläche aus Hundertausenden kleiner schwarzer Kachlen besteht, die man per Finger, durch Antippen, wegsprengt.

Der riesige Würfel ist eine globale Spielwiese, an der sich alle Spieler weltweit zu schaffen machen. Alle dürfen teilnehmen – doch nur ein einziger Spieler wird dem Geheimnis im Inneren auf die Schliche kommen. Worum es sich dabei handeln könnte, ist unklar. Auf manchen Websites ist von einem Preisgeld von 50’000 Pfund die Rede, doch in den «offiziellen Wettbewerbsregeln» wird kein Geld in Aussicht gestellt. Es wird lediglich gesagt, dass der Sieger in einer Videobotschaft Aufklärung erfahren werde und er entscheiden kann, ob er sein Wissen mit der Welt teilt oder ob er es für sich behält. Diese Regeln lassen auch erahnen, dass mehrere Schichten abgetragen werden müssen, um zum Kern zu gelangen, und dass die nächste Schicht erst dann angegriffen werden kann, wenn die vorherige komplett beseitigt ist.

Update: Inzwischen wurden mehr als 48 Schichten abgetragen. Was jeweils zum Vorschein gekommen ist, wird bei Wikipedia dokumentiert.

Ein Knallfrosch für 5000 Goldmünzen
Durch das Beseitigen der Kacheln verdient man sich Goldmünzen, mit denen man im Store Gegenstände erwerben kann. Ein Knallfrosch kostet 5000 Münzen, und er kann in Ketten gezündet werden, um möglichst viele Kacheln zu beseitigen. Die Bombe, für 115’000 Münzen, entfaltet eine «riesige Zerstörungskraft» und wer noch mehr Geld auf der hohen Kante hat, kauft sich einen Eisen-, Stahl- oder Diamantmeissel. Die Gegenstände können nur durch Punkte erworben werden; In-App-Käufe gibt es nicht.

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Einige der weiteren Schalen des geheimnisvollen Würfels. Links: Die 34. Schicht, die am 21. November 2012 freigelegt wurde.
Rechts: Ebene 48 vom 26. November 2012.

Über den Store gibt es auch die Möglichkeit, Informationen zum Verlauf des Spiels in Erfahrung zu bringen, Freunde einzuladen und die Aktivität der Freunde zu prüfen – man kann nämlich nicht nur für sich allein draufloshämmern, sondern sich auch zu Gruppen zusammenschliessen, um schneller voranzukommen. Offenbar soll das Spiel auch dazu dienen, die «Schwarmintelligenz» der globalen Spielgemeinschaft zu studieren.

Auf einzigartige Weise seltsam
«Curiosity» ist ein auf seine einzigartige Weise seltsames Spiel. Angetrieben von der Neugierde, schabt man Kacheln vom Monolith, obwohl die Chancen gering sind, dass man gerade im richtigen Moment zur Stelle sein wird, um das Geheimnis zu lüften. Eines ist trotzdem klar: Peter Molyneux, der grosse britische Spielerfinder, hat es wieder einmal geschafft, eine neue und packende Idee in die Welt zu setzen. Er, der früher mit der «Gott-Simulation» in «Black and White» für Furore sorgte und die Entwicklung der Echtzeit-Strategiespiele mitprägte, hat noch heute ein Flair fürs Aussergewöhnliche – auch wenn die Spiele den vollmundigen Versprechungen ihres Schöpfers nicht immer zu entsprechen vermögen. «Curiosity» erfreut sich jedenfalls grosser Beliebtheit (die mitunter solche Ausmasse annimmt, dass Verbindungsprobleme zu den Servern auftreten) und man darf gespannt sein, was da irgendwann vielleicht ans Licht gefördert wird.

Kostenlos, für iPhone und iPad

Autor: Matthias

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