Eine Welt aus lauter Seifenblasen

Die Foto-App Percolator verwandelt Fotos in bunte Mosaike – oder auch in Sternenfelder, eine Welt aus Seifenblasen oder in die Crema eines aromatischen Espresso.

Percolator ist in Deutsch eine Kaffeemaschine oder auch ein Durchlauferhitzer. Die App dieses Namens erhitzt Fotos, bis sie sich in kleine Dampfblasen auflösen. Passend wäre auch der Vergleich mit Seifenblasen. Doch wie man den Effekt auch immer nennen will – erstaunlich ist er auf jeden Fall.

Grind: Extra Fine (Average Circles & Effect: Auto Adjust), Brew: Treble (3/4 Pic & Darkest Blended Circles), Serve: Black (Clear Tone & Paper Cup Texture)
Ein Selbstportrait, bei dem das Originalbild noch leicht durchscheint.

Das Ausgangsbild, das aus dem Fotoarchiv oder direkt ab Kamera stammen kann, wird in farbige Kreise zerlegt. Das passiert aber nicht gleichmässig, sondern anhand der Strukturen des Motivs. Bei grösseren gleichmässigen Flächen passt die Software grosse Kreise ein. Detailreiche Bereiche werden durch viele kleine Bläschen abgebildet. Das fertige Bild wirkt auf den ersten Blick als abstrakte, geometrische Illustration – hinter der man das ursprüngliche fotorealistische Motiv entdeckt.

Wie gut das ursprüngliche Motiv zu erkennen ist, das hängt natürlich vom Bild ab. Eine Aufnahme mit vielen Details und ohne klares Sujet wird durch die Bearbeitung in Percolator womöglich komplett unkenntlich – was aber nicht bedeutet, dass sie nicht dennoch ästhetischen Qualitäten haben könnte. Ein deutlich vom Hintergrund losgelöstes Motiv mit hohem Wiedererkennungswert eignet sich aber dennoch besser für Percolator. Auch starke Kontraste und klare Farbflächen helfen dem Auge, etwas mit einem Percolator-Bild anzufangen.

Malen, brauen, servieren
Wie klar erkennbar oder aufgelöst das Motiv erscheint, wird natürlich auch von den Einstellungen beeinflusst. Je grösser die Blasen, desto stärker wird das Ausgangsbild dekonstruiert. In der Rubrik Grind (bedeutet bei der Kaffeemaschine den Malvorgang) kann gibt es vier Stufen von fein bis grob. Es gibt mit den Untermenüs Circler und Effect auch die Möglichkeit, die Verteilung der Kreise und die Berechnungsmethoden der einzelnen Blasen zu beeinflussen. Das Experimentieren ist nicht ganz einfach, da nach jeder Änderung in diesem Menü das Bild neu «gekocht» werden muss – und das braucht aufgrund der komplexen Algorithmen seine Zeit.

Grind: Fine (Smallest Circles & Effect: Auto Adjust), Brew: Treble (3/4 Pic & Darkest Blended Circles), Serve: Light & Sweet (Rise-n-Shine Tone & Clouds Texture)
Der Stauffacherplatz in Zürich, mit einem koffeinhaltigen Finish.

In der Rubrik Brew (Brauen) wählt man das Erscheinungsbild der Blasen. Mit Rings erhält man kontrastreiche Ringe. Ishihara und Circles ergibt unifarbige Kreise. Bei Treble sind jeweils drei konzentrische Kreise ineinander gelegt. Bei Overprint erhält man Kreise, bei denen das Originalbild zackig durchscheint. Full of Stars generiert ein Sternenmeer, bei dem jeder Kreis nur durch den Stern in seiner Mitte zu erkennen ist. Superstar hingegen legt diese Sterne über das Originalmotiv.

Pur oder verschnitten
In den Einstellungen zu dieser Rubrik kann man wählen, ob das ursprüngliche Bild erhalten bleiben soll und falls ja, wie stark es mit der «gebrauten» Variante überblendet wird. In der Rubrik Serve (Servieren) gibt es zu guter Letzt die Möglichkeit, das Bild farblich zu tönen und eine Textur, d.h. ein Muster übers Bild zu legen.

Percolator ist eine wunderbare App für experimentierfreudige Augenmenschen, die beim Drahtseilakt zwischen figürlich und abstrakt ein gutes Balancevermögen beweisen. Die Umsetzung ist liebevoll – sehenswert ist allein die Animation, mit der die Blasen ins Bild fliegen, sobald die Berechnung abgeschlossen ist. Die 2 Franken sind gut angelegt – auch wenn man den Effekt nicht überstrapazieren sollte, wenn man die Fotos auf Flickr, Facebook oder in einem «richtigen» Fotobuch verwenden möchte.

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Die Bedienung ist nicht ganz so einfach wie bei der Nespresso-Maschine.

Autor: Matthias

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