Das Lesegerät mit Gratis-Büchern füllen

Literatur ist kostenlos im Web zu finden. Diese dann auch aufs Lesegerät zu verfrachten, ist bislang aber noch ein ziemliches Abenteuer.

70 Jahre nach dem Tod eines Autors fällt das Urheberrecht dahin. Bücher dürfen danach legal per Internet verteilt und gelesen werden. Da das Übertragen einiger Kilobytes quasi gratis passiert, eröffnet sich ein riesiges, kostenloses Angebot an nicht-zeitgenössischer Literatur. Wer auf die Klassiker steht, müsste sich somit auch seinen Kindle oder seinen Sony-Reader mühelos füllen können. Mit Shakespeare, Schiller, Goethe, Kafka, Kleist und Zola.

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Project Gutenberg hält Bücher zum Download in gängigen E-Book-Formaten bereit.

Zeno.org: Kaufen für 0 Euro
Dem ist aber nicht so. Das Problem ist nicht das Angebot. Die Herausforderung besteht darin, die Bücher aufs Gerät zu bringen. Beispiel Zeno.org. Diese Buchsite bewirbt sich mit der Beschreibung «die grösste deutschsprachige Volltextbibliothek». Auf der Seite werden im Internet zugängliche Inhalte gesammelt, und per Suchindex erschlossen. Zeno wurde von einem unbekannten Unternehmen namens Zenodot Verlagsgesellschaft gegründet und 2009 vom Forschungsverbund textgrid.de erworben. Die Website dümpelt so vor sich hin. Es gibt zwar ein umfangreiches Angebot, unter dem bei vielen Texten sogar der Link «Dieser Text als Ebook – kostenlos für den Kindle» steht – doch alles, was der Link tut, ist auf die Kindle-Seite bei Amazon zu führen. Das ist etwa bei Friedrich Schillers «Maria Stuart» zu beobachten.

Wenn man dann bei Amazon nach Schillers bekanntem Drama sucht, findet man ihn dort immerhin, und kann ihn für 0,00 Euro «kaufen». Etwas umständlich, aber immerhin.

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«Macbeth», von Ebola bei Gutenberg DE heruntergeladen und zum E-Book konvertiert.

Bekannt ist auch das Portal Projekt Gutenberg, das rund 36’000 E-Books zum Download anbietet. Das Angebot an deutschen Büchern umfasst etwa 700 Titel; der Katalog ist hier zu finden.

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Macbeth, nach dem Transfer auf den Sony PRS-T1 – kostenlose Lektüre, die aber etwas Konvertierungsaufwand macht.

Beim Buch-Digitalisierungs-Pionier gibt es auch E-Book-Formate
Hier gibt es tatsächlich die Bücher als Epub und im Mobi-Format (für den Kindle) herunterzuladen – und das unterscheidet das internationale Project Gutenberg vom Gutenberg DE. Das internationale Projekt wurde vom Pionier der Buch-Digitalisierung Michael S. Hart 1971 gestartet und gab auch dem deutschen Projekt seinen Namen. Michael S. Hart ist erst vor Kurzem, anfangs September 2011, 64 jährig verstorben.

Gutenberg DE hat über 5500 Werke von 1100 Autoren im Angebot, bietet aber keine E-Book-Versionen an. Gelesen werden kann nur auf der wenig lesefreundlichen Website. Das grösste Problem liegt darin, dass jedes Kapitel als einzelne HTML-Seite vorliegt und man daher nicht einfach die HTML-Seiten speichern und auf die Lesegeräte kopieren kann (die mit HTML grundsätzlich umgehen könnten). Man müsste alle Kapitel herunterladen und sie in einer Software zusammenfügen.

Der DRM-Seuche eine Seuche entgegensetzen
Und genau diesen Service bietet ein kleines Windows-Programm namens Ebola (der Name erklärt sich daher, dass der Autor Lars Bremer «der DRM-Seuche sozusagen eine Gegenseuche entgegensetzen wollte»). Es holt sich alle zu einem Buch gehörenden Dateien von Gutenberg DE und zeno.org, packt sie zusammen und speichert sie als Epub-Datei. Als Epub lässt sich ein Buch auf den Sony Reader kopieren – wir haben das mit dem PRS-T1 getestet) und via Calibre) auch in das Mobi-Format umwandeln und am Kindle lesen. Die Aufbereitung durch Ebola erfolgt einwandfrei; die Bücher lassen sich am Lesegerät so komfortabel konsumieren, wie man es auch erwarten kann.

Die Bücher, die man im Mobi-Format aufbereitet hat, kann mit dem Kindle-Lesegerät und mit der Kindle-App am iPad oder iPhone verwenden: Der einfachste Weg, das fertige Buch zu Amazon zu transferieren, ist per E-Mail: Diese Adresse ist im Amazon-Benutzerkonto unter Mein Konto > Persönliche Dokumente-Einstellungen ersichtlich.

Im Epub-Format gespeicherte Bücher liest man am iPad oder iPhone in der iBooks-App. Um die Bücher aufs Lesegerät zu bringen, verwendet man am besten die Dropbox-App, tippt dort das Buch an und wählt dann im Menü Öffnen in > iBooks.

Eine Software, die sich für zeno.org eignet, ist Cextra. Sie wandelt Texte, die nicht über Amazon bezogen werden können, entsprechend um.

Kostenlose E-Books gibt es auch unter kobobooks.de. Auch hier sind viele Klassiker zu finden, zum Beispiel «Wuthering Heights» von Emily Bronte, The Scarlet Letter von Nathaniel Hawthorne oder «Oliver Twist» von Charles Dickens. Diese bringt man allerdings nur schwer aufs Lesegerät – es sei denn man besitzt einen Kobo-Reader. Relativ einfach geht es über die App fürs iPhone. Es existiert auch eine App für Android.

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Ebola konvertiert auch ins Epub-Format, was das Öffnen des Buches in der iBook-App des iPad erlaubt (die Übertragung erfolgte via Dropbox).

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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