Ein Panorama auf die Schnelle

Photosynth ist Microsofts App für Panorama-Bilder. Die Bedienung ist äusserst innovativ, das Zusammenfügen der Bilder erfolgt jedoch nicht immer fehlerfrei.

Panoramas aufzunehmen, ist normalerweise ein aufwändiger Prozess: Will man es gut machen, setzt man die Kamera aufs Stativ, stellt die Belichtung auf manuell und verwendet vielleicht sogar einen speziellen Panorama-Kopf. Er sorgt dafür, dass man die Kamera genau um den Nodalpunkt dreht. Das verhindert Parallaxenverschiebungen – also leichte Verschiebungen des Blickwinkels durch das Drehen der Kamera. Die Fotoserie muss dann am Computer zusammengefügt werden. Dieses Stitchen dauert oft seine Zeit und manchmal sieht man erst beim fertigen Resultat, dass die Überlappung beim Fotografieren nicht optimal war.

Ein 100-Prozent-Panorama
Mit Photosynth ist die Sache sehr viel einfacher: Man startet die App, tippt auf das Kamera-Symbol und auf Tap to start und fängt das erste Bild ein. Die App legt das in einer Kugelprojektion ab und erlaubt es nun, die Aufnahme in alle Richtungen auszudehnen. Dazu dreht man sich bzw. bewegt das iPhone entsprechend, wobei die App mit Hilfe der Lagesensoren des Telefons das Livebild der Kamera richtig in der Kugelprojektion positioniert. Sobald der Anschluss an die vorhandene Aufnahme gewährleistet ist, wird der Rahmen ums Livebild grün, die App löst aus und fügt die neue Aufnahme an die bestehende. Auf diese Weise puzzelt man eine grosse Fläche zusammen. Man kann die Aufnahme nicht nur in der Horizontalen erweitern, sondern vertikal. Wenn man möchte, kann man seine gesamte Umgebung vollständig abdecken – und quasi ein 100-Prozent-Panorama erstellen.

Ist man mit der Aufnahme fertig, muss die App die Aufnahmen verrechnen, was je nach Zahl der Bilder eine gewisse Zeit dauert. Während dem Stitchen kann man einen Bildtitel und eine Beschreibung erfassen.

Der Dreh ist sorgfältiges Drehen
Die Resultate der App sind recht ansprechend, allerdings bei Weitem nicht fehlerfrei. Vor den erwähnten Parallaxenverschiebungen ist natürlich auch Photosynth nicht gefeit. Für gute Resultate sollte man das iPhone daher möglichst an Ort und Stelle drehen. Merk dir daher am besten einen Punkt auf dem Boden und achte darauf, dass das iPhone immer über diesem Punkt bleibt, während du die Umgebung «scanst». Achte darauf, dass du nicht um die eigene Achse drehst. Dabei entstehen, vor allem bei gestreckten Armen, ganz erhebliche Verschiebungen, die die Software nicht mehr korrigieren kann.

Weniger problematisch sind die Verschiebungen bei Objekten in der Ferne. Wenn du auf einem grossen Platz stehst, kannst du leger arbeiten. Sind wichtige Objekte in geringer Distanz vorhanden, musst du auf die fixe Positionierung achten, sonst sind unschöne Bildfehler unvermeidlich.

Die Tücken des Objekts
Schwierig sind auch belebte Gebiete: Wenn sich Menschen in alle Richtungen bewegen, sind einzelne Menschen im Panorama dann nur halb oder auch mehrfach zu finden. Das ist irritierend, weswegen man Photosynth doch besser nur in wenig bevölkerten Gegenden benutzt.

Und zuletzt erweisen sich auch Objekte mit sehr feinen Strukturen als knifflig: Beispielsweise Wälder oder Bäume mit Blättern, Gräser oder Felder. Hier fällt es der Software mitunter schwer, Bilder richtig zur Überlappung zu bringen. Hilfreich ist es, die Überlappung bei klar erkennbaren Strukturen zu platzieren: Einem Ast oder einem Zaunpfahl beispielsweise.

In den Einstellungen der Software lässt sich die Belichtung fixieren (Option Exposure lock). Sie ist sinnvoll, wenn die Szene relativ gleichmässig ausgeleuchtet ist. Ansonsten arbeitest du besser mit der automatischen Belichtung. Das macht es zwar nötig, dass die Software unterschiedlich belichtete Übergänge überblendet, verhindert aber stark über- oder unterbelichtete Bereiche im Bild. Capture Hints schaltet die Tipps zum Fotografieren ein und aus und mit Auto-save to camera roll kannst du die fertigen Bilder automatisch im Fotostream sichern. Bei Sharing License vergibst du die gewünschte Creative-Commons-Lizenz und bei Accounts verbindest du die App mit Windows Live und mit Facebook – so kannst du fertige Bilder automatisch bei diesen Diensten hochladen.

Export kugelig oder flach
Ein fertiges Bild landet in der Bibliothek, die my library genannt wird. Du öffnest es durch Antippen, wobei in der App das Bild auf eine Kugel projiziert wird, die man per Finger in alle Richtungen drehen kann, um den Ausschnitt zu ändern. Über die Taste share lädtst du ein Bild bei Facebook oder bei den Bing-Maps hoch. Du kannst es auch an die Foto-App schicken (camera roll) oder bei photosynth.net platzieren, wo es über ein Silverlight-Plugin als interaktive, sphärische Projektion zu begutachten ist. An Facebook und die Foto-App wird ein normales, nicht interaktives Bild geschickt, und es ist auch nötig, die sphärische Projektion in ein «flaches» Bild umzuwandeln. Dabei kann es zu ordentlichen Verzerrungen kommen – trotzdem sind die Resultate mitunter sehr beeindruckend.

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Ein Baum mit imposanten Wurzeln. Weil sich das Bild im Original gegen oben stark verjüngt, ergeben sich bei der flachen Projektion starke Verzerrungen. Diese sind nicht vorhanden, wenn das Bild in der sphärischen Projektion betrachtet wird.

Autor: Matthias

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