Google und die Grüselwörter

Eine der ewigen Beta-Funktionen ist dieser Tage offiziell lanciert und auf die Hauptseite auf google.com vorgestossen: Google Suggest schlägt beim Tippen beliebte Suchworte vor und zeigt auch gleich, wie häufig die sind. Bei Microsoft heisst das «Autovervollständigung».
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Auf den ersten Blick praktisch, auf den zweiten Blick wohl eher Ablenkung. (Was zum Geier ist ein Clickonaruba?) Ich weiss in 99 Prozent der Fälle, was mich intressiert, ergo brauche ich keine Suchhilfe. Und ein Wort selbst zu Ende zu tippen, macht mir auch nicht zuviel Mühe – wobei Google Suggest auf dem iPhone Gold wert wäre.
Auf dem Webmaster-Blog macht man sich bereits Gedanken, wie dieses Feature von Spammern missbraucht werden könnte. Wieder andere unterstellen, Google würde vor allem Begriffe vorschlagen, die als AdWords Geld einbringen.
So weit würde ich nicht gehen, aber die Frage, wie die Suchbegriffe ausgewählt werden, stelle ich mir schon. Die Anzahl Treffer, die in grüner Farbe am rechten Rand erscheinen, legen statistische Mittel nahe. Es sind jeweils die Spitzenreiter in der Suchbegriffhitparade, die zu den getippten Buchstaben passen, vermutet man. Dass es so einfach nicht sein kann, merkt man bei einigen Versuchen mit unanständigen Wörtern. Auch wenn davon auszugehen ist, dass sie diese beim Internetpublikum grosser Beliebtheit erfreuen, werden sie samt und sonders nicht vorgeschlagen. Offenbar gibt es zumindest eine schwarze Liste von Grüselwörtern, die man dem Publikum nicht unterbreitet.
Das ist logisch und nachvollziehbar. Natürlich will Google nicht zum Helfershelfer werden, wenn die Jungmannschaft nach Porno googelt. Die Ausrede «Mama, Papa, ich wollte nach boots suchen, aber Google hat mir boobs vorgeschlagen!» liesse nicht lang auf sich warten. Trotzdem macht dieser Zensurmechanismus und der wertende Einfluss Google Suggest zu einer hochproblematischen Angelegenheit. Google müsste offenlegen, wie die Vorschläge zustande kommen. Ists die Statistik, ist es ein Wörterbuch (welches?), und wer kann Einfluss nehmen? Vielleicht brauchts auch einen Ombudsmann. Davon ist aber nicht die Rede.
Oder ich habs bloss nicht gefunden, weil mir Google Suggest nichts dergleichen vorgeschlagen hat…

Autor: Matthias

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