Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren

Im Beitrag Wie man als Whistleblower anonym bleibt habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wie man jemandem eine Datei zukommen lassen könnte, ohne nachverfolgbar zu sein. Das ist für viele von uns ein theoretisches Problem. Wir plaudern, so nehme ich an, selten Dinge aus, die irgendwer in unserem Unternehmen unbedingt geheimhalten möchte. Und wir verschicken auch keine anonyme Drohungen, Epressungen oder Verunglimpfungen – was ja ebenfalls Situationen wären, bei denen man nicht zurückverfolgbar sein möchte.

Das ändert aber nichts daran, dass man seine Dokumente, wie im Video erklärt, einmal durch die Mangel drehen sollte, bevor man sie Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern oder der Öffentlichkeit zukommen lässt. Denn in digitalen Dokumenten steht oft mehr drin, als dass uns klar ist. Ein gutes Beispiel dafür ist Word: Da denkt man, man hätte alles gesehen, wenn man sein Textdokument im Programmfenster einmal von oben nach unten durchscrollt.

Doch dem ist nicht so: Es gibt im Dokument auch die so genannten Eigenschaften. Das sind Metadaten wie Titel, Autor, Datum des Drucks und der Erstellung, Unternehmen, Abteilung und vieles mehr. Diese Felder werden oft automatisch befüllt oder aus Dokumentvorlagen übernommen. Es kann auch sein, dass man via Explorer Informationen einträgt und glaubt, die würden bloss in der eigenen Datenablage verwendet. Wenn man zum Beispiel einen Brief an seinen Chef schreibt, den man insgeheim Quadratdepp oder Arschkrampe nennt, könnte man auf die Idee kommen, zur besseren Wiederauffindbarkeit diesen Begriff in den Titel oder die Stichworte des Dokuments aufzunhemen.

Man kann sich ausmalen, wie die Sache ausgehen würde, wenn man das Dokument seinem Chef in digitaler Form zukommen lässt. Wenn er nun in die Eingenschaften schaut und dort die nicht wirklich schmeichelhafte Bezeichnung entdeckt, wäre das Arbeitsklima und den Chancen auf Beförderung nicht gerade zuträglich.


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Mit anderen Worten: Es ist wichtig zu wissen, welche Metadaten vorhanden sind, wo die gespeichert werden, ob sie nur lokal benutzt werden oder an der Datei selbst kleben und mit dem Dokument verschickt werden. Und natürlich muss man wissen, wie man  diese Informationen eliminiert, bevor man sein Dokument aus der Hand gibt.

Wenn nun das Beispiel mit der Chef-Beschimpfung nicht aus dem Leben gegriffen erscheint – weil wir alle liebenswürdige Menschen sind und unsere Vorgesetzten niemals mit Verbalinjurien bedenken würden –, dann leuchtet das folgende Szenario wahrscheinlich sofort ein: Falls man Dokumente gemeinsam bearbeitet und die Funktion Nachverfolgen von Änderungen in Word eingeschaltet hat, kann ein Empfänger frühere Fassungen sichtbar machen und den Bearbeitungsprozess nachvollziehen.

Das dürfte unerwünscht sein, selbst wenn dabei keine grandiosen Geheimnisse oder Einsichten herausspringen: Die Textarbeit, das Ringen um Formulierungen, verworfene Passagen und ähnliche Dinge müssen nicht anrüchig oder verräterisch sein, um als privat betrachtet zu werden: Es ist das gute Recht von jedem Autor, selbst darüber zu entscheiden, wenn ein Text fertig und reif für die Öffentlichkeit ist. Wenn auch der Bearbeitungsprozess transparent sein soll, dann möchte man das im Voraus wissen – einfach deswegen, weil manche Gedankengänge erklärungsbedürftig sind und dem Publikum erläutert werden müssten.

Darum ist das Thema des Videos wirklich wichtig: Man muss wissen, wie man die öffentlichen und die privaten Anteile eines digitalen Dokuments auseinanderdividert. Das gilt vor allem auch für Fotos: Dank GPS und präziser Datierung kann ein Selfie oder eine dokumentarische Aufnahme viel mehr über persönliche Situationen und Gewohnheiten verraten, als man beim Betrachten womöglich denkt. Und auch da muss es gar nicht um Stalking und um Mobbing gehen, wenn man das vermeiden möchte – sondern schlicht um einen präventiven Selbstschutz und um die Kontrolle der persönlichen Datenspur.

Beitragsbild: Damit man nicht plötzlich in den Unterhosen dasteht, weil man seine Metadaten nicht geprüft hat. PS: Allusions to incontinence (i.e. uncontrolled leaking) not intended. (Hans/Pixabay, CC0)

Autor: Matthias

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