Wörterbuch auf urbanisch

Dieser Beitrag heute ist weniger ein Tipp – weil ihr die vorgestellte Website natürlich alle selbst schon kennt und liebt –, als vielmehr eine Ehrerbietung. Das Internet ist wegen Websites wie dieser so toll.

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Irgendwo unter dieser Brücke muss der Server dieses Webdienstes stehen. (Bild: Kaique Rocha/pexels.com, CC0)

Es geht um urbandictionary.com. Die Website macht da weiter, wo The Oxford English Dictionary aufhört. Sie erklärt die Gossensprache, die unanständigen Wörter, den Jargon und die Unflätigkeiten. Wieso sollte man diese Dinge wissen wollen, fragen an dieser Stelle unsere Mütter unsere prüden Väter. Die Antwort liegt natürlich auf der Hand: Weil die «anständige» Bildungssprache nur das eine ist. Wenn man Leute wirklich verstehen will, muss man auch den Gebrauch auf der Strasse einigermassen intus haben. Sehr typisch beispielsweise bei unseren Nachbarn: Da kann einer sein Schulfranzösisch noch so gut beherrschen. Wenn er es mit der langue familiale zu tun bekommt, versteht er unter Umständen gar nichts mehr.

Das ist auch bei unseren angelsächsischen Freunden der Fall. Deren Sprache hat ein riesiges Verbreitungsgebiet und entsprechend viele Varianten und ein enormes Vokabular, zum Beispiel Hunderte von Synonyme fürs Besoffensein. Da ist man selbst als Muttersprachler nicht überall auf dem Laufenden. Und als Nicht-Muttersprachler, der Filme im Original sehen, Podcasts von ennet des grossen Teichs hören und Artikel, Bücher und Hörbücher konsumiert, ist man sowieso auf Unterstützung angewiesen.

Darum ist Urban Dictionary keine Absonderlichkeit des Netzes, sondern eine der grossen Errungenschaften. Oder wisst ihr etwa, was eine Kush Mama ist? Was pwned heisst? Wann man Boom shakalaka korrekterweise benutzt? Was es mit Aunt Nora oder mit Suzie-Q auf sich hat? Oder warum ihr jetzt Full Ack sagen sollt? Eben.

Urban Dictionary hatte (Stand 2012) 2,1 Millionen Einträge mit 6,3 Millionen Definitionen – relativ viel, wenn dieses Vokabular an der nächsten Englischprüfung abgefragt werden würde. Die beiden Zahlen, die inzwischen sehr viel höher sein dürften, zeigen noch eine andere Spezialität: Urban Dictionary bietet für Begriffe sehr oft mehrere Definitionen an. Die Erklärungen werden nämlich von den Benutzern verfasst, was UD zu astreinem User Generated Content macht. Damit man nicht auf schlechte Definitionen reinfällt, können Eingeweihte die guten Erklärungen hochwählen. Trotzdem ist es oft aufschlussreich, mehrere Einträge zu lesen.

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Die beiden iOS-Apps: Links die offizielle Version, rechts die von Huang Tuo.

Natürlich gibt es den Urban Dictionary auch als App. Für iOS kann man zwischen der offiziellen App und der Variante von Huang Tuo wählen. Die beiden nehmen sich nicht viel, aber bei Huang Tuos App darf man Beiträge als Favoriten markieren.

Für Android gibt es die offizielle App und ebenfalls eine Alternative. Die beiden habe ich mir angesehen, sodass ich keine Präferenz angeben kann.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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