Xolts of Spielpleasure

Ja, der Titel ist wirklich ein krasser Fall von Zwangsoriginalität… Aber zum Thema:

Neulich habe ich (wieder einmal) das Handy-Spiel «Threes!» gelobt und konstatiert, dass es keine originellen Ideen gibt, wie man die Spielidee weiterdrehen könnte. Die Spielidee nenne ich exponentielles Zahlenspuzzle, weil man Nummern-Steine mit dem gleichen Wert kombiniert. Das verdoppelt die Zahl auf dem kombinierten Stein und führt dazu, dass man es mit immer höheren Werten zu tun bekommt. Und weil ständig neue Steine aufs Spielfeld kommen, wird ganz zwangsläufig relativ schnell der Platz knapp.

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Links: Der Novize ist schon stolz auf den 128er.
Rechts: Auch das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Markiert übrigens ein Stein, der Verbindungen L-förmig eingeht.

So ist das bei «Threes!» (Android, iPhone/iPad) der Fall, und bei den vielen meist nicht originellen Abkömmlingen. Nun habe ich aber eine Variante entdeckt, die ich für gelungen halte: Sie adaptiert die Exponentialität, ermöglicht aber ein längeres Spielvergnügen, weil es eine klevere Methoden gibt, das Spielfeld wieder freizuräumen. Der Nachteil: Sie ist nicht einfach zu spielen, und wenn man strategisch operieren will, braucht es furchtbar viel Konzentration.

Also, das Spiel heisst «Xolt» und ist für Android, iPhone/iPad und nicht für Windows erhältlich, obwohl es auf der Spiele-Homepage ein Windows-Logo hat. Das Game ist kostenlos, aber die Entfernung der Werbeunterbrechungen kostet 2 Franken.

Die Idee bei «Xolt»: Nicht nur benachbarte Steine können kombiniert werden. Die Kontaktfreudigkeit ist unterschiedlich: Ein Steintyp verbindet sich mit seinesgleichen in der gleichen Spalte und Zeile oder Diagonal. Mit der Zeit, also nach gewissen Fortschritten, spielt man neue Steintypen frei, die zum Beispiel L-förmige Verbindungsvorieben haben. Im Facebook-Speech It’s complicated. Der Diamtenstein ist polyamourös: Er nimmt den Wert jedes korrespondierenden Steins an und verbindet sich mit allen.

Besonders effizient sind aber die Steine, die Ketten bilden können. Sie verbinden kombinieren drei, später sogar vier und mehr Steine, wenn sie im richtigen Muster angeordnet sind. So schlägt man mit einem geschickten Zug grosse Schneisen in ein bedrohlich volles Spielfeld und kann das drohende Ende der Partie oft abwenden. Bei «Threes!» gelingt das selten bis nie – wenn dort nur noch ein, zwei freie Felder vorhanden sind, dann bedeutet das fast immer das Aus.

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Die Steine haben Namen, die ans Schach erinnert – und natürlich war das Spiel der Könige Vorbild für diese gelungene «Theresa!»-Weiterentwicklung.

Man erkennt anhand den Mustern bei der Steinumrandung. Man kann die Steine auch antippen, um zu sehen, welche Partnersteine man zur Auswahl hat. Es gibt auch passive Steine, die sich nicht antippen lassen. Die können nur entfernt werden, indem sie ins von einem aktiven Stein aus inkorporiert werden.

Neue Steine werden nach jedem Zug eingebracht. Man kann sie, wenn man keine Züge zur Auswahl hat, auch manuell auslösen, indem man den hellen Stein mit der grössten Nummer antippt. Irgendwann mal war auch ein lästiger Autodrop-Modus aktiv, der bei jeder Steinberührung neue Steine eingebracht hat. Damit hat man (=ich) keine Chance. Zum Glück hat der Modus sich von selbst wieder verabschiedet. (Wahrscheinlich hat das Spiel gemerkt, dass ich zu dumm für ihn bin.)

Fazit: «Xolt» macht Spass – man kann Partien viel länger ausdehnen als bei Threes und über viele Potenzen gehen. Man fängt mit 1, 2, 4, 8 an und kann sich zu 64★, 128★, etc. hocharbeiten. Der Stern bedeutet eine Tausenderstelle: Kombiniert man zwei 512er-Steine, erhält man einen 1★. Ja, da wird zu Ungunsten des Spielers abgerundet!

Wie weit man kommt, weiss ich nicht. Mein Maximum war bis jetzt 128★, aber da ich noch längst nicht alle Steinvarianten freigespielt habe, wird es sicherlich auch eine Möglichkeit geben, 1★★ zu erreichen. Das Spiel macht einem den Fortschritt insofern einfacher, dass man mit zunehmendem Fortschritt nicht mehr bei 1, 2, etc. anfangen muss. Die kleinsten Steine sind nach Erreichen eines bestimmten Maximums 8 oder 16 – das wirkt dem Gefühl entgegen, es hier mit einem echten Sisyphus-Spiel zu tun zu haben.

Den Kritikpunkt habe ich bereits angetönt: Mit den vielen unterschiedlichen Spielsteinen ist es sehr schwer, sich eine Strategie zurechtzulegen. Die Kombinationsmöglichkeiten nach dem nächsten oder übernächsten Zug vorherzusehen, braucht sehr viel Vorstellungsvermögen – ich habe schon Mühe, mir anhand der Symbole am Rand zu merken, was für ein Typ von Stein ich da schon wieder vor mir habe. Bei mir artet die Sache daher oft in wilde Tipporgien aus, bei denen ich nach dem Zufallsprinzip nach Kombinationsmöglichkeiten suche. Das ist dann aber nicht mehr sehr effizient – auch wenn es durchaus über Strecken funktionieren kann –, und es macht auch nicht viel Spass. «Xolt» ist somit kein Titel, der sich als müdes Feierabend-Game eignen würde…

Autor: Matthias

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