Microsofts Konfigurationssünden ausbügeln


Der Artikel und das Video bei Tagesanzeiger.ch.

Neulich habe ich festgestellt, dass nach der Installation des Bitbox-Browsers (siehe Das Gegenteil vom Internet Explorer) Virtualbox nicht mehr funktionierte. Das ist zu erwarten, weil der Browser eine angepasste Version der Software installiert. Doch Virtuell ist essenziell, und darum wollte ich schnell die Systemwiederherstellung bemühen, um den vorherigen Zustand zu reaktivieren. Doch daraus wurde nichts: Die Systemwiederherstellung war nicht aktiv – und kein passender Systemwiederherstellungspunkt verfügbar.

Das war erstaunlich, denn ich war sicher, die Systemwiederherstellung nicht abgeschaltet zu haben. Es kommt zwar selten vor, dass ich sie wirklich benötige. Doch da ich oft auch schräge Software ausprobiere und aus beruflichen Gründen an meinem Windows herumfummeln muss, sollte sie kontinuierlich laufen. Es scheint aber so zu sein, dass sie schon durchs Anniversary Update deaktiviert worden ist. Nicht die feine englische Art, wie ich finde.

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Wird wohl irgendwann ganz aus Windows verschwinden: Die Systemwiederherstellung.

Jedenfalls ein guter Grund für ein Patentrezept-Video, in dem die wichtigen Punkte bei der Konfiguration von Windows 10 durchgeackert werden. Ein Kommentarschreiber fand, man hätte auf O&O ShutUp10 hinweisen müssen: Dieses Programm konfiguriert die für den Schutz der Privatsphäre relevanten Optionen an einer zentralen Stelle. Es gibt auch andere Programme, die ähnliches tun, namentlich DoNotSpy10. Dieses Programm sei das Original, wird hier behauptet. Es kommt aber seinerseits mit gebündelter Grauware, weswegen ich mich bislang nicht zu einer Empfehlung durchringen konnte. Ich habe mir das erste Programm angesehen und es hier ausführlich besprochen. Fazit vorneweg: Ich empfehle es nicht.

Abgesehen davon kann man Windows auch ohne Drittprogramm sinnvoll konfigurieren – siehe Video oben.

Fazit: Ich finde grundsätzlich gut, was Microsoft mit Windows 10 macht. Bei den Details muss ich mich allerdings wundern: Die Systemwiederherstellung stillschweigend abschalten? Wieso? Werbung im Startmenü? Warum?

Werbung im Startmenü ist einfach keine gute Idee, selbst wenn sie Milliarden in Microsofts Kassen spülen sollte. (Was sie mutmasslich nicht tut.) Die Gefahr eines Reputationsschadens ist enorm. Denn ich bin sicher nicht der einzige, der keine Werbung im Betriebssystem haben will. Das hat etwas Übergriffiges. Denn während man im Netz Websites mit aufdringlicher Werbung zur Not einfach meidet, ist das Startmenü letztlich ein integraler Bestandteil des Computers. Sie ist im Moment zwar dezent. Aber natürlich denkt man sofort an die Werbeunterbrechungen, mit denen man es bei Free-to-Play-Spielen zu tun bekommt. Und man fragt sich, wann Microsoft wohl auf die Idee kommt, vor dem Start der Textverarbeitung oder von InDesign einen Werbespot als Preroll zu schalten.

Und wo ich schon dabei bin: Mit dem Windows 10 Fall Creators Update (siehe Windows kann jetzt Mixed Reality. Falls das jemanden interessiert) ist die Systemsteuerung aus dem Kontextmenü des Startknopfes verschwunden. (Bislang konnte man sie aufrufen, indem man mit der rechten Maustaste auf den Startknopf geklickt hat. Nun muss man «Systemsteuerung» ins Suchfeld eingeben.) Microsoft ist offensichtlich der Ansicht, dass man die Systemsteuerung inzwischen nicht mehr braucht, weil die Windows Einstellungen alle notwendigen Konfigurationsmöglichkeiten bieten. Ich bin nicht sicher, ob ich diese Einschätzung teile. Aber ich kann damit leben. Was ich allerdings seltsam finde, ist das Windows Defender Security Center. Wieso braucht es dafür nochmals ein separates Programm? Auch Paul Thurrott hat sich das neulich gefragt: Sorry, What Exactly is the Point of Windows Defender Security Center?

Und wo wir dabei sind: Auch die Systemabbildsicherung ist aus Windows 10 verschwunden: «We recommend that users use full-disk backup solutions from other vendors», schreibt Microsoft dazu. Zum Beispiel die hier.

Autor: Matthias

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Ein Gedanke zu „Microsofts Konfigurationssünden ausbügeln“

  1. Die halbjährlichen Updates sind ein grosser Ärger. Mal sind Wiederherstellungspunkte deaktiviert, mal (wie aktuell gerade) die Systemsounds aktiviert, mal fehlt wieder irgendwo ein Menü oder sieht anders aus. Von groben Fehlern wie dem nicht mehr funktionierenden RDP über ein Gateway beim Creators Update ganz zu schweigen…

    Microsoft scheint noch nicht verstanden zu haben, dass nicht alle Benutzer immer neue Sachen wollen. Viele Leute sind darauf angewiesen, dass das System immer so funktioniert, wie sie es gelernt haben. Meine Mutter weiss zum Beispiel nicht, wie sie die plötzlich wieder ertönenden Systemsounds deaktivieren kann.

    Bei früheren Versionen konnte man einen PC hinstellen und hatte dann zehn Jahre Sicherheitsupdates, aber keine Änderung der Funktion. Wenn man upgraden wollte, hat man das geplant bzw. es beim Kauf des nächsten PC getan.

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