Ein Quäntchen Schweizerdeutsch

Heute Morgen war ich an der Visionierung von «Quantum of Solace», dem neuen Abenteuer mit James Bond. Momoll, man kann die neue Woche so beginnen. Der Film ist fast so gut wie «Tag und Nacht». Und das ist nicht ironisch gemeint, sondern ein ernst gemeintes Lob dafür, dass hiesige Filmemacher sich auf Augenhöhe mit dem internationalen Grössen bewegen. Und darum finde ich es schade, wenn man die neue Schweizer Serie schon in Grund und Boden schreibt, bevor sie Luft hatte, sich zu entwickeln. Die Nebenhandlungen sind ja oft etwas dünn, aber die Haupthandlung interessant und die Figuren machen neugierig. Drum Patience mit der Permanence.

Was «Quantum Of Solace» angeht, führt Mr. Bond den in «Casino Royale» begonnenen Weg zum abgebrühten Agenten ohne Skrupel zu Ende. Die Metamorphose geht natürlich mit jeder Menge Action und vielen Leichen einher. Das Drumherum, die Action, die exotischen Schauplätze haben ja ihre Berechtigung, aber was die Hauptfigur angeht, ist sogar der türkische Vater aus einer der ersten Folgen von «Tag und Nacht» facettenreicher. Seis drum, das weiss man im voraus, wenn man ins Kino geht. Technisch, von der Machart her, gefällt der Bond ausnehmend gut. Die Action sitzt, die Effekte ebenfalls, die Schauplätze sind spannend und abwechslungsreich, und bei den Bregenzer Festspielen ruft Bond in untypischer Manier zur Ordnung, statt die Kulisse von «Tosca» zu zertrümmern. Was mich etwas nervt, ist die Handkamera. Das ständige Geschaukel müsste meines Erachtens nicht sein.

Über die Figur des Bond und seinen Werdegang kann man geteilter Meinung sein. Eingefleischte Fans werden über die Seelenstudie wohl nur bedingt glücklich sein. Sie wollen einen Bond, dem nichts nahe geht und dessen Geheimnis es bleibt, warum er sich fürs Gute einsetzt und sich nicht exklusiv den Frauen, dem Trinken und dem Spielen widmet. Das sind die Leute, die Roger Moore, Pierce Brosnan und den ironischen Bond lieben, der sich den Staub der grössten Explosion mit einem trockenen Spruch und einer distinguierten Handbewegung vom Revers wischt. Für Zuschauer, denen derlei Zynismus zu viel wird, ist der zweite Teil von der Bondwerdungssaga wohl auch nur bedingt spannend. Das Resultat steht von vornherein fest und der Weg von Bond zu Bond hält keine wirklichen Überraschungen bereit. Da hatte Marc Forster eine Mission impossible zu erfüllen.

Trotzdem, der Film ist sehenswert. Ansonsten meine Empfehlung, «The Dark Knight» ein zweites Mal anzusehen. Da ist die heikle Mixtur aus comichaften Überzeichnungen, einer lebensechter Szenerie, ehrlicher Action und einem überlebensgrossen Helden mit menschlichen Zügen perfekt geglückt. Und die Schurken sind einfach grandios!

Autor: Matthias

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3 Gedanken zu „Ein Quäntchen Schweizerdeutsch“

  1. Es ist übrigens nicht so, wie manche Medien heute schreiben, dass der «keusche» Bond im neuen Film keine intimeren Frauenbekanntschaften machen würde. Er lässt sich mit Agentin Fields ein. Das wird allerdings nur angedeutet – aber, liebe Filmkritiker, in Filmen passiert mitunter mehr, als dass man auf der Leinwand sieht. Das ist ja gerade das Schöne an diesem Medium. Auch der Tod von Agentin Fields ist ein Geschehnis am Rand. Ebenso wie die angeblich so grosse Bedrohung, die der Bösewicht aufzieht. Es ist eigentlich ganz nett, dass die typischen Bond-Versatzstücke für einmal nicht im Zentrum stehen. Das Problem ist allerdings, dass dadurch ein Vakuum im Zentrum entsteht. Und das wird nicht wirklich gut gefüllt.

  2. Äh, irgenwie bin ich heute nicht sehr fokussiert, daher noch ein Nachtrag. Dass in der Presse heute der beste Gag aus dem James-Bond-Film ausgeplaudert haben, finde ich schade. Solche «Spoiler» müsste man vermeiden. Ich habe es ihn in meinem Textli nur im Titel angetönt. Jedenfalls lese ich Filmkritiken von Streifen, die ich gerne sehen möchte, meist extra nicht.

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