Späte Erleuchtung

Das Buch «Illuminatus!» von Robert Shea und Robert A. Wilson hat mich völlig verwirrt. Ich bin leider nicht in der Lage, eine inhaltliche Zusammenfassung zu geben. Aber immerhin reicht es für eine Erkenntnis zur Covergestaltung.

Ich glaube, ich werde alt. Oder sonstwie vertrottelt. Jedenfalls geht es bergab, dafür mehren sich die Anzeichen.

Aber lasst mich ausholen: Ich lese im Moment ein Buch mit dem Titel Illuminatus!, von Robert Shea und Robert A. Wilson. Ich bin jetzt auf Seite 219 vorgestossen und habe lediglich eine vage Vorstellung, worum es gehen könnte.

Das ist aber nicht oder nur teilweise der Grund für meine Beunruhigung. Es geht vielen anderen so, wie ich von den Rezensionen auf Amazon weiss. Andererseits, und das wäre vielleicht doch ein Anlass zur Sorge, hatte Dan Brown keine Probleme mit dem Schmöker. Er hat ihn zu leichtverdaulicher Kost püriert und damit unter dem Titel «Illuminati» einen Bestseller gelandet.

Dinge, die man leicht übersieht

Also, zur Erkenntnis, dass ich nicht erleuchtet sein kann, gelangte ich, als ich das zur Hälfte gelesene Buch weglegte und plötzlich bemerkte, dass es auf dem Buch vorne drauf einen Busen hat. Vielmehr nicht nur das, sondern zwei RIESIGE BRÜSTE! Ich habe das Buch 1997 gekauft, dann nach dem Lesen der ersten Seiten ins Regal gestellt, nun hervorgenommen, bis zur Mitte des «vierten Trips» gelesen und während der ganzen Zeit übersehen, dass… Eben, das da:

Bugs Bunny habe ich natürlich beim ersten Blick entdeckt. Lee Harvey Oswald ist mir aufgefallen und das kleine Bild aus dem Zapruder-Film. Also da stimmt doch was nicht mit mir. Wenn nun die Pyramiden in Pyramiden in Gizeh oder die im Louvre eine erotische Wirkung auf mich haben sollten, werde ich mich nicht wundern. Oder es ist eine grosse, weltumspannende Verschwörung… Oder vielleicht ist es ganz anders, und die einfachste Erklärung ist auch die naheliegendste. Die einfachste Erklärung ist bekanntlicherweise immer die, dass die Gesellschaft schuld ist. Diese Möglichkeit ist nun wirklich nicht von der Hand zu weisen. Freizügigkeit, Übersexualisierung, bauchfreie Tops und Hüfthosen!

Naja, vielleicht ist es einfach so, dass man sich andere Sommerlektüre besorgen sollte¹. Leichtere und solche mit hübschem Buchcover.

Fussnoten

1) Das habe ich nicht gemacht, sondern fertiggelesen. Was es mir erlaubt, ein Fazit nachzureichen:

Was mir gut gefällt, ist, dass es in dem Buch auf Seite 314/315 eine Kritik seiner selbst gibt:

«Sein Bleistift rückt weiter ans Ende der Liste und bleibt bei ‹Bücherrezensionen› stehen, wobei der die ganze Zeit den Hörer am Ohr hat. Endlich hört er, wie am anderen Ende abgenommen wird und eine warme, sanfte Stimme sagt: ‹Hier Epicene Wildeblood.›
‹Bist du mit der Besprechung fertig, Eppy?›
‹Wart bis morgen, dear boy. Schneller kann ich einfach nicht, ehrlich!›
‹Morgen ist O.K.›, sagt Peter und schreibt neben ‹Bücherrezensionen›: Noch mal anrufen.
‹Es ist einfach ein grässliches Monster von einem Buch›, sagt Wildeblood verächtlich, ‹und die Zeit ist viel zu kurz, es ganz zu lesen; aber ich werde es gründlich durchblättern. Die beiden Autoren halte ich für völlig inkompetent – nicht eine Spur von Stilgefühl oder für Gliederung. Es fängt als Kriminalroman an, springt dann über zu Sciencefiction, gleitet anschliessend ab ins Übernatürliche und ist überladen mit den ausführlichsten Informationen über Dutzende von entsetzlich langweiligen Themen. Zudem ist der Zeitablauf völlig durcheinander, was ich als eine anmassende Imitation von Faulkner und Joyce werte. Am allerschlimmsten aber ist, es hat die obszönsten Sexszenen, die du dir vorstellen kannst. Ich bin sicher, dass es nur deshalb verkauft wird. So was spricht sich ja immer am schnellsten rum. Und, ich meine, die beiden Autoren finde ich einfach unmöglich; kein bisschen guter Geschmack; stell dir vor, die beziehen tatsächlich lebende politische Figuren ein, um, wie sie einen glauben machen möchten, eine echte Verschwörung aufzudecken. Du kannst dich darauf verlassen, dass ich keine Minute vergeuden würde, solch einen Schrott in die Hand zu nehmen… aber na ja, bis morgen mittag werde ich eine niederschmetternde Kritik für dich fertig haben.›»

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Kommentar verfassen