Ein völlig analoges Gadget, das mir die Augen öffnet

Ein Gadget, das es in Vernetzt gäbe – das mir aber auch ohne den digitalen Anschluss jede Menge Spass bereitet.

Ich hatte unlängst das Vergnügen, meinen Geburtstag zu feiern. Etwas weniger vergnüglich war es, während dieses Vorgangs mitanzusehen, wie die Zahl, die mein Alter angibt, in eine unflätige Höhe geschossen ist. Und ja, ich weiss: Man wird jedes Jahr zum Glück nur ein Jahr älter. Aber trotzdem hat unser dezimales Zahlensystem die Eigenschaft, alle zehn Jahre einen scheinbaren Sprung zu vollziehen. Dieser Sprung ist es, der die Kraft hat, uns Betroffene in seelische Verzweiflung zu stürzen.

Aber gut, zum Glück bin ich mental heil aus dieser Sache herausgekommen. Das hat auch mit dem einen Geschenk zu tun, das ich erhalten habe. Das ist geradezu prädestiniert, die Dinge in Relation zu rücken – und uns Menschen zu verstehen zu geben, dass wir auf der Skala des Grossen und Ganzen keine Bedeutung haben und uns demzufolge nicht zu wichtig nehmen sollten.

Also, falls es an dieser Stelle noch nicht klargeworden ist. Ich habe etwas geschenkt bekommen, mit dem ich schon lange geliebäugelt habe: nämlich ein Teleskop.

Es ist das Celestron TravelScope 70 (Amazon Affiliate), das es auch in einer etwas kleineren Variante gibt (Celestron TravelScope 50), das ich bei Amazon aber nicht gefunden habe. Die beiden unterscheiden sich durch die Öffnung, die beim einen 70 und beim anderen 50 Millimeter beträgt.

Das Celestron TravelScope 70 liegt leicht in der Hand und könnte auch dazu verwendet werden, auf der Schützenwiese die Fussballspiele zu beobachten.

Teleskope sind eine Gadget-Kategorie, die mich schon seit ewig fasziniert, über die ich aber nicht sehr viel weiss. Und es ist unschwer zu erahnen, dass die Auswahl riesig und die Features und Eigenschaften, die man bei seiner Wahl berücksichtigen könnte, für einen Laien schwer zu überblicken.

Der entscheidende Punkt ist, wie unschwer zu erraten ist, der Preis: Man kann günstig ab zwei-, dreihundert Franken (Euro) einsteigen oder beliebig viel mehr ausgeben. Spannend wird es ab 1000 Euro, habe ich mir sagen lassen, weil man dann Geräte bekommt, die selbst in der Lage sind, Objekte am Himmel zu suchen.

Die nächste Frage bezieht sich auf die Grösse und das Gewicht, und man landet dann auch sehr schnell bei der Entscheidung, ob man eine automatische Nachführung haben will oder gewillt ist, von Hand den Objekten zu folgen – denn das wusste ich noch von einer Session mit meinem Onkel, der mich vor mehreren Jahrzehnten, als ich ungefähr zehn war, durch sein Teleskop hat blicken lassen: Ich war verblüfft, dass man den Mond relativ zügig hat aus dem Sichtbereich wandern sehen. Damals war mir bewusst geworden, dass sich unsere Erde tatsächlich dreht.

Ein weiteres Fass, das man aufmachen könnte, ist die Astrofotografie. Wenn man Fotos machen möchte, wird es gleich aufwändiger; denn für längere Belichtungen kommt man nicht um die automatische Nachführung herum. Natürlich braucht es auch Anschlussmöglichkeiten und eine Halterung für die Kamera.

Ich hätte wohl mit dem Gedanken geliebäugelt, mir die Option der Fotografie offenzuhalten. Doch dann habe ich hier Toby Baier darüber reden hören, dass er sich für die reine Beobachtung entschieden hat, weil man als Hobby-Astrofotograf auch mit grossem Aufwand den Profis niemals das Wasser reichen kann. Dieses Argument hat mich überzeugt: Denn man sieht meinen Fotos nicht an, dass ich sie gemacht habe: Diese Disziplin lässt keinen Spielraum für die individuelle Bildgestaltung, weil der Himmel für alle der gleiche ist.

An dieser Stelle war die Entscheidung erstaunlich einfach: Mein Teleskop ist ein Gelegenheitshobby; das nicht dazu führen soll, dass ich mir die Nächte um die Ohren schlage. Ich steuere das untere Ende der Angebotspalette an. Ziel ist, dass ich mit dem Teleskop den nächsten Blutmond schön zu Gesicht bekomme, die grösseren Planeten in unserer Nachbarschaft anvisieren oder einen Kometen ansehen kann. Neowise hatte ich 2020 nämlich trotz angestrengten Starrens in den Himmel nicht entdecken können.

Da ich mitten in Winterthur wohne, wo es eine hohe Lichtverschmutzung gibt, drängt sich ein portables Modell auf. Das kann man sich in den mitgelieferten Rucksack packen und damit ein Wochenende ins Bündnerland fahren, wo gemäss lightpollutionmap.info der Himmel in der Nacht dunkler wird als fast überall sonst in der Schweiz.

Ich habe das TravelScope noch nicht intensiv benutzt, aber einige Male ausprobiert. Es erfüllt meine Zwecke gut und ich habe Spass damit. Die beiden grössten Kritikpunkte ist die Verarbeitung: Der Tubus ist aus Aluminium, der Rest aus Plastik, was sich entsprechend anfühlt. Aber das Material wirkt sich positiv aufs Gewicht aus: Das ganze Kit ist nur 1,5 Kilogramm schwer, sodass man es auch einfach auf Verdacht hin auf eine Reise mitnehmen kann.

Zweiter Nachteil: Das Stativ ist etwas gar wackelig – was ein universelles Merkmal von günstigen Stativen ist. Das macht es unnötig schwierig, einen Punkt anzuvisieren und in Ruhe zu beobachten. Doch da es eine normale Schnellwechselplatte mit Schraube verwendet, kann man auch sein teures Foto- oder Videostativ verwenden, so man denn eines besitzt.

Fazit: Ein Geschenk, das Spass macht und das ich gern benutze, wenngleich das Wetter mir in der letzten Zeit noch nicht allzu viele Gelegenheiten beschert hat.

Die App steuert Teleskope, lässt sich aber auch ohne astronomische Hardware benutzen.

Der Hersteller hat auch die App Celestron Skyportal (iPhone/iPad und Android) im Angebot, die einem verrät, was der Nachthimmel an beo­bachtung­swürdigen Objekten bereithält und mit der man smarte Teleskope steuern könnten – was beim TravelScope nicht der Fall ist; falls das noch nicht klar geworden ist.

Ach ja: Ich habe probiert, mit dem Smartphone durchs Okular zu fotografieren. Das hat keine brauchbaren Resultate hervorgebracht. Es gibt aber den Basic Smartphone Adapter (Amazon Affiliate), mit dem man das Smartphone ans Okular hinklempnert.

Er funktioniert mit dem TravelScope, aber auch mit Feldstechern und Mikroskopen, und sollte darum gleich mit dazu bestellt werden. Und ja: Das ist zwar ein Widerspruch zu meinem Bekenntnis, keine Astrofotografie betreiben zu wollen. Aber wenn man mit dem Handy fotografiert, kann man das nicht wirklich als Astrofotografie bezeichnen. Oder?

Beitragsbild: Damit ich den Mond so zu Gesicht bekomme, muss das Wetter erst besser werden (Andrea Sonda, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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