Polizeiarbeit soll schwierig sein

«Todesgott» von Àrni Thórarinsson ist ein spannender Island-Krimi, der ausserdem eine Einsicht zur Arbeit der Ermittlungsbehörden liefert, der in Zeiten von Staatstrojanern besondere Brisanz zukommt.

Ich lese gerade den Islandkrimi «Todesgott» von Àrni Thórarinsson und bin dabei bei folgender Stelle hängen geblieben, die mir doch sehr zitierenswürdig erscheint, wo es immer populärer wird, dass der Staat den Bürgern mit Staatstrojanern, Vorratsdatenspeicherung, biometrischen Pässen und solchem Quatsch bzw. Schwachsinn bzw. Unverschämtheiten auf die Pelle rückt:

[Der Polizist:] «Ja, ja, ich weiss. Bleib mal beim Thema. Skarpéðinn ist nirgendwo mit einer SIM-Karte oder einer Mobilnummer registriert. Und wenn du mir jetzt erklären willst, dass man eine SIM-Karte kaufen kann, ohne dass Big Brother davon erfährt, dann halt lieber gleich den Mund. In Reykjavík muss nämlich jeder, der eine SIM-Karte kaufen will, seinen Ausweis vorzeigen, damit der Name zusammen mit der Nummer registriert werden kann, auch wenn ich das für überflüssig halte.»
[Der Reporter:] «Ach ja? Entspricht das nicht den Bedürfnissen der Polizei?»
«Kann schon sein. Aber mich haben sie nicht gefragt.» „Polizeiarbeit soll schwierig sein“ weiterlesen

Rezensionen aus der Gruft

Acht kurze Buchrezensionen, die ich ursprünglich für «Visual Bookshelf» (heute goodreads.com) geschrieben habe.

Visual Bookshelf ¹ hat alle meine Buchrezensionen auf Facebook ins digitale Nirvana befördert bzw. anonymisiert. Als alter Backup-Neurotiker hatte ich die zum Glück alle gesichert und kann sie an dieser Stelle neu auflegen:

Petros Markaris: «Die Kinderfrau: Ein Fall für Kostas Charitos»

Sehr schöne Geschichte, wunderbar unprätentiös, in dem man sehr viel lernt, ohne es überhaupt zu merken.


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Blasphemie in rosa

Auch wenn ich Steve Martin mag, ist «Pink Panther 2» trotz­dem ein miss­ra­tener Film, in dem nichts vom Charme von Peter Sellers erhal­ten ge­blie­ben ist.

Wenn ich Filmzensor wäre, dann würde ich «Pink Panther 2» mit Steve Martin verbieten. Und zwar ohne zu zögern. Denn zwar ist niemand unersetzlich, aber was Peter Sellers und Blake Edwards angeht, sind das die beiden Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Mit dem Tod von Peter Sellers hätte diese Reihe enden sollen. Seine Interpretation des trotteligen Inspector Jacques Clouseau ist so heilig wie der Papst in Rom, und was Steve Martin abliefert, reine Blasphemie. „Blasphemie in rosa“ weiterlesen

Huch, gewonnen!

Unser Digitalk-Podcast wurde mit dem European Podcast Award ausgezeichnet.

Fast so feierlich wie die Oscars!

Ich danke meinen Freunden und Bekannten, meiner Freundin, meinen Eltern, natürlich dem «Tages Anzeiger», allen, die an uns geglaubt und uns unterstützt haben und natürlich unseren Gästen und Hörern im Podcast. Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen… Ihr seid wunderbar, ich liebe euch, guten Abend!

Announcing the National Winners

Kirk war beim Liften

Als «Star Trek remastered» gibt es die Original Series in HD auf Bluray; mit neuen Spezialeffekten bestückt: Genial oder Sakrileg?

Ich bin ja ein alter Trekkie, respektive Trekker, da ich zu der gemässigten Sorte gehöre und die Bezeichnung Trekkie den Fanatikern vorbehalten ist. Jedenfalls ist es so, dass Kirk beim Liften war und zusammen mit Spock und all den anderen ins HDTV-Zeitalter gebeamt wurde.

Als «Star Trek remastered» kann man sich die alten Folgen in aufgemotzter Form ansehen: Mit neuen Effekten und einer neuen Titelmelodie. Da fragt man sich doch: Sakrileg oder Sensation? Bei Youtube kann man sich einen Vergleich ansehen:

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Digitalk für European Podcast-Award nominiert

Freude herrscht: Unsere Interviewreihe, die ich seit 2006 mit Roger Zedi für den «Tagesanzeiger» produziere, ist für einen Preis nominiert. Und ihr könnt für uns abstimmen!

Der Digitalk hat dieser Tage nicht nur seinen zweijährigen Geburtstag, er ist auch für den European Podcast-Award nominiert!

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Das Logo – ich nehme an, dass das Ding im blauen Kreis ein Mikrofon ist.

Einen Frack werde ich mir nicht gleich zulegen, aber natürlich freuen die beiden Digitalker sich über jede Stimme!

Hier geht es zur Stimmabgabe!

PS: Es gibt was zu gewinnen!

Ein Quäntchen Schweizerdeutsch

Ich hatte die Gelegenheit, «Quantum of Solace» zu visionieren. Hellauf begeistert bin ich nicht – es gibt viele amüsante Details, aber die Geschichte insgesamt und der Bösewicht sind etwas dünn geraten.

Heute Morgen war ich an der Visionierung von «Quantum of Solace», dem neuen Abenteuer mit James Bond. Momoll, man kann die neue Woche so beginnen. Der Film ist fast so gut wie «Tag und Nacht». Und das ist nicht ironisch gemeint, sondern ein ernst gemeintes Lob dafür, dass hiesige Filmemacher sich auf Augenhöhe mit dem internationalen Grössen bewegen.

Lasst den Serien doch Zeit, sich zu entwickeln

Darum finde ich es schade, wenn man die neue Schweizer Serie schon in Grund und Boden schreibt, bevor sie Luft hatte, sich zu entwickeln. Die Nebenhandlungen sind ja oft etwas dünn, aber die Haupthandlung interessant und die Figuren machen neugierig. Drum Patience mit der Permanence. „Ein Quäntchen Schweizerdeutsch“ weiterlesen

Späte Erleuchtung

Das Buch «Illuminatus!» von Robert Shea und Robert A. Wilson hat mich völlig verwirrt. Ich bin leider nicht in der Lage, eine inhaltliche Zusammenfassung zu geben. Aber immerhin reicht es für eine Erkenntnis zur Covergestaltung.

Ich glaube, ich werde alt. Oder sonstwie vertrottelt. Jedenfalls geht es bergab, dafür mehren sich die Anzeichen.

Aber lasst mich ausholen: Ich lese im Moment ein Buch mit dem Titel Illuminatus!, von Robert Shea und Robert A. Wilson. Ich bin jetzt auf Seite 219 vorgestossen und habe lediglich eine vage Vorstellung, worum es gehen könnte.

Das ist aber nicht oder nur teilweise der Grund für meine Beunruhigung. Es geht vielen anderen so, wie ich von den Rezensionen auf Amazon weiss. Andererseits, und das wäre vielleicht doch ein Anlass zur Sorge, hatte Dan Brown keine Probleme mit dem Schmöker. Er hat ihn zu leichtverdaulicher Kost püriert und damit unter dem Titel «Illuminati» einen Bestseller gelandet.

Dinge, die man leicht übersieht

Also, zur Erkenntnis, dass ich nicht erleuchtet sein kann, gelangte ich, als ich das zur Hälfte gelesene Buch weglegte und plötzlich bemerkte, dass es auf dem Buch vorne drauf einen Busen hat. Vielmehr nicht nur das, sondern zwei RIESIGE BRÜSTE! „Späte Erleuchtung“ weiterlesen

Realität ist, was ist

In «Die dunkle Seite» unterstellt Frank Schätzing der Menschheit, sie würde sich noch so gern in virtuelle Sphären verabschieden wollen. Ich halte diese Gefahr indes für gering.

Ich bin euch noch einen SdM¹ für Juni schuldig. Und ich bin geneigt, den SdM zum SdM zu erklären. Denn wie soll man entspannt bloggen, wenn man eine Rubrik mit eingebauter «Deadline» zu befüllen hat? Die schreit nach Postings, ohne sich an der Nachrichtenlage zu orientieren. Aber die Pein der Themensuche bleibt dem Blogger nicht erspart. Auch wenn Blogger gern so tun, als würden ihnen die Themen schon zufliegen, wenn sie am morgen die Jeans über den Hintern streifen.

Also, als ich mich heute Morgen angezogen habe, ist mir in den Sinn gekommen, dass ich mich gestern bei meiner Abendlektüre ein bisschen aufgeregt habe. Ich lese gerade «Die dunkle Seite» von Frank Schätzing. Ein zentrales Element ist die Virtualisierung des Lebens. „Realität ist, was ist“ weiterlesen

Scripte auszubuddeln

Wir haben uns «The Kingdom of the Crystal Skull» angesehen. Das war leider kein Vergnügen.

Am Wochenende hatten wir ein Rendezvous mit Indiana. Wie ich lese, hat «The Kingdom of the Crystal Skull» einen guten Start hingelegt. Trotzdem; wer nun seit 19 Jahren auf den neuen Film gewartet hat, muss eine herbe Enttäuschung gewärtigen. Es gibt zu wenige Rätsel und zu viele Aliens. Offenbar kann Mr. Spielberg keine Filme mehr drehen, in denen keine Ausserirdische vorkommen (zum Glück gab es wenigstens in «Schindler’s List» keine).

Nein, das Problem ist das Drehbuch. Natürlich; «Indiana Jones and the Last Crusade» hat die Latte hoch gelegt. Mit Sean Connery gab es einen tollen Co-Star, dem Shia LaBeouf leider nicht das Gralswasser reichen kann. „Scripte auszubuddeln“ weiterlesen