King, King, Thor und Stephenson

Mein Hörbuchverbrauch in letzter Zeit ist sagenhaft. Dafür fühlt sich der Kindle vernachlässigt. Vielleicht ist es ein Zeichen von Dekadenz, dass ich mir immer häufiger vorlesen lasse, statt selbst zu lesen. Aber ich halte mich lieber an den positiveren Erklärungsansatz, nämlich: Ich lese sonst so viel, dass hören eine angenehme Abwechslung darstellt. Und eben: Um Bücher auf der #Velorunde und bei der Hausarbeit zu konsumieren, benötigt man sie in der Darreichungsform der Lesung.

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Also, kurz und bündig der jüngste Durchlauf:

«Under the Dome» von Stephen King. Rechtzeitig zum Start der Fernsehserie habe ich das (leider von Audible.com in der Schweiz nicht verkaufte) und von Raúl Esparza gelesene Hörbuch hinter mich gebracht. Die Kleinstadt Chester’s Mill in Maine wird durch eine Kuppel von der Umwelt abgeschnitten, wobei anders als im Simpsons-Film nicht die Umweltschutzbehörde EPA für die Einkesselung verantwortlich ist. In der Kuppel steigt langsam die Temperatur und die Abgase sammeln sich an, Lebensmittel werden knapp, die Nerven der Eingeschlossenen dünner, und der lokale Dorfdespot schwingt sich zum Kuppeltyrannen auf.

Wie üblich bei King schlüssig und mit vielen schillernden Charakteren erzählt. Der Protagonist in der Geschichte ist ein Irakveteran, der ein schlechtes Gewissen mit sich herumträgt, plus eine aufrechte Zeitungsreporterin. Der Bösewicht heisst Big Jim Rennie. Er ist ein Autohändler und wiedergeborener Christ mit einem Hang zum Heuchlertum, der anstelle von «fucking» lieber das Wort «cotton-pickin’» verwendet.

Eine der grossen Stärken Kings ist die charakteristische Ausdrucksweise, die er seinen Figuren in den Mund legt. Sie gefällt mir in diesem Werk ausgezeichnet, auch, weil Erzähler Esparza sie hervorragend rüberbringt. Und diese Eigenheiten sind es denn auch, weswegen man King wenn möglich im Original hören sollte.

«Joyland» von Stephen King. Diese Geschichte habe in der deutschen Fassung gehört, weil meine Frau sie schon gekauft hatte und ich David Nathan gerne höre. Allerdings finde ich auch die englische Stimme von Michael Kelly sehr angenehm, sodass ich vielleicht meiner mangelnden Impulskontrolle zum Opfer falle und diese Version auch noch höre. Die Geschichte ist es jedenfalls wert. Es ist eine etwas sentimentale Reise in die Siebziger, in einen kleinen Vergnügungspark, der langsam aber sicher sein Publikum ans Disneyland verliert. Aber im Moment ist die Welt noch in Ordnung und die von Liebeskummer gebeutelte Hauptfigur fühlt sich in diesem Park wunderbar aufgehoben… Wie erwähnt stehe ich auf Coming-of-age-Storys, und King macht das brillant, indem der Handlungsstrang – «Devin Jones tritt mit seinen Nachforschungen zu einer ermordeten, und nun in der Geisterbahn Horror House spukenden Frau eine Lawine von Ereignissen los, bei denen es schliesslich um Tod oder Leben geht» – routiniert vorangetrieben, aber gar nicht so wichtig ist. Im Zentrum steht die Freundschaft des Protagonisten zu deinen Arbeitskollegen, seinen gleichaltrigen Freunden und zu dem behinderten Jungen, der in einem einsamen Strandhaus lebt. Ein Buch, dass einem einfach ein gutes Gefühl gibt.

«Hidden Order» von Brad Thor. Gelesen von Armand Schultz. Dieses Buch habe ich zugegebenermassen vor allem deswegen gehört, weil mir der Name des Autors gefallen hat. Wer sich Thor nennt, muss gute Bücher schreiben! (Ja, so oberflächlich bin ich manchmal.) Das Buch hat einige gute Ansätze zur US-amerikanischen Federal Reserve und hätte mich überzeugt, wenn es mehr Richtung Wirtschafts- und Politthriller gebürstet worden wäre. Es ist allerdings vor allem ein Agententhriller herausgekommen, der mir über lange Strecken zu militärisch ist. Und Thor ist dann doch kein John le Carré oder Robert Ludlum.

Snow Crash von Neal Stephenson. Gelesen von Jonathan Davis. Dieses Buch muss ich nochmals hören, bevor ich weiss, was ich davon halte…

Autor: Matthias

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