Ein Lied vom Kindle und dicken Büchern

Etwas Kritik zu der Verfilmung von «A Song of Ice and Fire», die wir als «Game of Thrones» am Fernsehen zu sehen bekommen. Und eine Kritik an der Kindle-Variante, die den Möglichkeiten des elektronischen Buchs viel zu wenig Rechnung trägt.

An der Lektürenfront hat ich, wie letzte Woche erzählt, eine grössere Schlacht aufgetan. Ich konnte mich «A Song of Ice and Fire» als nerdkulturellem Ereignis nicht entziehen und habe inzwischen «A Game of Thrones» erfolgreich hinter mich gebracht. Gleichzeitig haben wir ein Auge in die erste Staffel der HBO-Serie geworfen und können Billigung vermelden.

Televisionär wird die Geschichte zwar gerafft, aber originalgetreu erzählt und stimmig inszeniert. Die Fernsehbilder passen gut zu den Vorstellungen, die beim Lesen in meinem Kopf entstanden sind. Die Angst, die schlechte Visualisierung einer Film- oder Fernsehproduktion könnte meine eigene Vorstellung auslöschen, steckt mir seit den Michael-Ende-Verfilmungen von «Momo» oder «Die unendliche Geschichte» in den Knochen.

Doch zum Glück haben hier Kulissenbauer und Besetzer gute Arbeit geleistet. Ein Lob geht auch an die Produzenten und Regisseure, weil bezüglich sexueller Inhalte keine Inszensierung daraus geworden (übrigens mein Vorschlag für den Duden: Eine Inszenierung, die gleichzeitig zensuriert). Wenn Tyrion sich im Bordell vergnügt, darf auf gar keinen Fall falsche Scheu herrschen, finde ich. „Ein Lied vom Kindle und dicken Büchern“ weiterlesen

Jahrzehntlich grüsst das Murmeltier

«Replay» ist ein Roman von Ken Grimwood der inhaltlich an den Film «Und täglich grüsst das Murmeltier» erinnert, dieses Motiv aber im viel grösseren Stil angeht.

In meiner kleinen Lesereihe zu Zeitreisegeschichten (jetzt allerdings unterbrochen durch 3880 Seiten AGoT-ACoK-ASoS-AFfC¹) komme ich auf «Replay» zu sprechen. Beim Roman von Ken Grimwood, der in Deutsch die Unterzeile «Das zweite Spiel» verwendet, sind Parallelen zum Film «Groundhog Day» unverkennbar. Statt einen Tag zu wiederholen, erlebt der Protagonist Jeff Winston jedoch den Teil zwischen 18 und seinem 43. Geburtstag mehrfach. Er tut das im vollen Bewusstsein seiner früheren Leben, aber ohne Wissen um den Grund seiner Ehrenrunden. Und (vorerst) ohne eine Ahnung zu haben, ob diese Wiederholungen nun bis in alle Ewigkeiten andauern werden.

Den Wissensvorsprung nutzen

Jeff Winston tut, was wir alle in seiner Situation auch tun würden: Er legt es darauf an, sich mit seinem Wissen über die Zukunft Vorteile zu verschaffen und stinkreich zu werden. Das gelingt, ist aber nicht sehr befriedigend. Also versucht er es mit selbstzerstörerischen Drogen- und Sex-Exzessen, mit heiler Welt, mit Einflussnahme in den Lauf der Dinge… und scheitert, bis zum Moment „Jahrzehntlich grüsst das Murmeltier“ weiterlesen

Was wäre wenn im grossen Stil

Das Buch «Der letzte Tag der Schöpfung» von Wolfgang Jeschke eruiert, was herauskäme, wenn eine Supermacht die Möglichkeit entdecken würde, durch die Zeit zu reisen und sich die Vergangenheit – und damit die Gegenwart – genehmer zu gestalten.

Ich bin auf einem kleinen Streifzug durch die Zeitreisen-Literatur. Ich habe mir zu diesem Thema «11/22/63» zu Gemüte geführt, ausserdem «Replay» und «Der letzte Tag der Schöpfung».

Dieses Buch stammt von dem mir bis dato nicht bekannten deutschen Autor Wolfgang Jeschke. Es geht die Thematik im grossen Stil an. Es geht nicht um die einsame Mission eines Einzelkämpfers wie in «11/22/63» (oder fast so einsam in «Replay»), sondern darum, was eine Supermacht tun würde, wenn sich ihr plötzlich die Möglichkeit eröffnen würde, die Vergangenheit zu manipulieren. Die Supermacht ist die USA, und natürlich würde die nicht darauf verzichten wollen, die Gegebenheiten ein bisschen zu den eigenen Gunsten zu verändern. Ohne zu viel zu verraten – es werden Hunderte von Leuten und Tonnen von Material fünf Millionen Jahre in die Vergangenheit geschickt, um dort den Arabern das Öl «unter dem Hintern wegzupumpen».

Selbstverständlich geht das schief. „Was wäre wenn im grossen Stil“ weiterlesen

Ufos, aber richtig

«Childhood’s End» ist wie «Independence Day» – nur besser.

Bei «Independence Day» hängt der Himmel voller Raumschiffe. Bei «V» und beim Remake von 2009 kommen Ausserirdische, um zu bleiben.
Diese Geschichten fangen dramatisch an, um dann stark nachzulassen. Bei «Independece Day» gewinnt Will Smith gegen alle Aliens, weil er offenbar «War of the Worlds» gelesen hat und bei «V» macht sich quälende Langeweile breit (an der Ausserirdischen vermutlich irgendwann eingegangen sind). Jedenfalls wird man das Gefühl nicht los, dass sich aus dieser Ausgangslage mehr herausholen lassen müsste.

Noch vor Emmerich

Als ich neulich dem Hörbuch «Childhood’s End» begegnet bin, wurde ich hellhörig: Am Anfang tauchen Raumschiffe auf, die über den irdischen Grossstädten hängen und keine Anstalten machen, wieder davonzufliegen. Arthur C. Clarke behandelte diese Idee nicht nur vor Emmerich und Co, (er schrieb die Geschichte 1953), nein, er macht auch das Beste aus ihr. «Childhood’s End» oder zu Deutsch «Die letzte Generation» ist wunderbare Sciencefiction. Klug, menschlich und am Ende zutiefst bewegend. Da kann Will Smith einpacken.


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Back to the Future für Erwachsene

Stephen Kings neues Buch «11/22/63» («Der Anschlag») ist ein Muss für Fans von Zeitreisen: Eine erst ausgedehnter, dann gehetzer verzweifelter Versuch, die Ermordung von JFK zu verhindern.

Während ich mich beruflich mit Windows 8 herumschlage, habe ich mich privat mit einer Zeit beschäftigt, in der es weder Personalcomputer noch PC-Betriebssysteme gab, Musik noch analog war und das einzig jemals existierende Mobiltelefon still und heimlich im See versenkt wurde. Es geht um die wunderbare Geschichte, die Steven King in seinem neuen Buch 11/22/63 (zu Deutsch: Der Anschlag) erzählt, das ich mir in den letzten Wochen via Kindle zu Gemüt geführt habe.

Der DeLorean des Marty McFly ist dem Mr. Amberson ein Ford Sunliner.

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Websites für Bücherwürmer

Es gibt Webcommunities für alle und alles – sogar für Leute, die gern Bücher lesen. Auf Librarything.de, goodreads.com, shelfari.com und booklamp.org kann man sich über seine Lieblingstitel austauschen, neues Lesefutter entdecken und Leute mit gleichem Geschmack kennen lernen.

Bis vor Kurzem zeugte die üppig bestückte Bücherwand von Belesenheit und Literaturkenntnis. Heute kann man seinen Verbrauch an Lesestoff online kundtun. Diverse Plattformen bieten sich an: Librarything.de in Deutsch, und für englischsprachige Nutzer stehen goodreads.com, shelfari.com und booklamp.org offen.

Bücherplattformen erfüllen mehrere Zwecke. Sie erlauben erstens die Dokumentation des persönlichen Bücherverbrauchs: Man trägt ein, welche Bücher man gelesen hat, vergibt eine Wertung, erfasst eigene Rezensionen und trägt Trivia ein – beispielsweise Filme zum Buch, Schauplätze oder denkwürdige Zitate. Da die Websites Zugriff auf Online-Datenbestände wie Amazon.com, Abebooks.de, Google-Books oder JustBooks.de haben, braucht man weder ISBN-Nummern zu erfassen, noch Cover zu scannen, um in seinem elektronischen Zettelkasten umfassende Angaben zu seinen Büchern zur Verfügung zu haben. Das macht die Arbeit viel angenehmer als mit einer selbst gestrickten Literaturverwaltung.

Literarischer Geschmack als gemeinsamer Nenner

Zweitens bringen die Bücherplattformen – wie könnte es in der Web-2.0-Ära auch anders sein? – Gleichgesinnte zusammen. „Websites für Bücherwürmer“ weiterlesen

Polizeiarbeit soll schwierig sein

«Todesgott» von Àrni Thórarinsson ist ein spannender Island-Krimi, der ausserdem eine Einsicht zur Arbeit der Ermittlungsbehörden liefert, der in Zeiten von Staatstrojanern besondere Brisanz zukommt.

Ich lese gerade den Islandkrimi «Todesgott» von Àrni Thórarinsson und bin dabei bei folgender Stelle hängen geblieben, die mir doch sehr zitierenswürdig erscheint, wo es immer populärer wird, dass der Staat den Bürgern mit Staatstrojanern, Vorratsdatenspeicherung, biometrischen Pässen und solchem Quatsch bzw. Schwachsinn bzw. Unverschämtheiten auf die Pelle rückt:

[Der Polizist:] «Ja, ja, ich weiss. Bleib mal beim Thema. Skarpéðinn ist nirgendwo mit einer SIM-Karte oder einer Mobilnummer registriert. Und wenn du mir jetzt erklären willst, dass man eine SIM-Karte kaufen kann, ohne dass Big Brother davon erfährt, dann halt lieber gleich den Mund. In Reykjavík muss nämlich jeder, der eine SIM-Karte kaufen will, seinen Ausweis vorzeigen, damit der Name zusammen mit der Nummer registriert werden kann, auch wenn ich das für überflüssig halte.»
[Der Reporter:] «Ach ja? Entspricht das nicht den Bedürfnissen der Polizei?»
«Kann schon sein. Aber mich haben sie nicht gefragt.» „Polizeiarbeit soll schwierig sein“ weiterlesen

Rezensionen aus der Gruft

Acht kurze Buchrezensionen, die ich ursprünglich für «Visual Bookshelf» (heute goodreads.com) geschrieben habe.

Visual Bookshelf ¹ hat alle meine Buchrezensionen auf Facebook ins digitale Nirvana befördert bzw. anonymisiert. Als alter Backup-Neurotiker hatte ich die zum Glück alle gesichert und kann sie an dieser Stelle neu auflegen:

Petros Markaris: «Die Kinderfrau: Ein Fall für Kostas Charitos»

Sehr schöne Geschichte, wunderbar unprätentiös, in dem man sehr viel lernt, ohne es überhaupt zu merken.


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Späte Erleuchtung

Das Buch «Illuminatus!» von Robert Shea und Robert A. Wilson hat mich völlig verwirrt. Ich bin leider nicht in der Lage, eine inhaltliche Zusammenfassung zu geben. Aber immerhin reicht es für eine Erkenntnis zur Covergestaltung.

Ich glaube, ich werde alt. Oder sonstwie vertrottelt. Jedenfalls geht es bergab, dafür mehren sich die Anzeichen.

Aber lasst mich ausholen: Ich lese im Moment ein Buch mit dem Titel Illuminatus!, von Robert Shea und Robert A. Wilson. Ich bin jetzt auf Seite 219 vorgestossen und habe lediglich eine vage Vorstellung, worum es gehen könnte.

Das ist aber nicht oder nur teilweise der Grund für meine Beunruhigung. Es geht vielen anderen so, wie ich von den Rezensionen auf Amazon weiss. Andererseits, und das wäre vielleicht doch ein Anlass zur Sorge, hatte Dan Brown keine Probleme mit dem Schmöker. Er hat ihn zu leichtverdaulicher Kost püriert und damit unter dem Titel «Illuminati» einen Bestseller gelandet.

Dinge, die man leicht übersieht

Also, zur Erkenntnis, dass ich nicht erleuchtet sein kann, gelangte ich, als ich das zur Hälfte gelesene Buch weglegte und plötzlich bemerkte, dass es auf dem Buch vorne drauf einen Busen hat. Vielmehr nicht nur das, sondern zwei RIESIGE BRÜSTE! „Späte Erleuchtung“ weiterlesen

Realität ist, was ist

In «Die dunkle Seite» unterstellt Frank Schätzing der Menschheit, sie würde sich noch so gern in virtuelle Sphären verabschieden wollen. Ich halte diese Gefahr indes für gering.

Ich bin euch noch einen SdM¹ für Juni schuldig. Und ich bin geneigt, den SdM zum SdM zu erklären. Denn wie soll man entspannt bloggen, wenn man eine Rubrik mit eingebauter «Deadline» zu befüllen hat? Die schreit nach Postings, ohne sich an der Nachrichtenlage zu orientieren. Aber die Pein der Themensuche bleibt dem Blogger nicht erspart. Auch wenn Blogger gern so tun, als würden ihnen die Themen schon zufliegen, wenn sie am morgen die Jeans über den Hintern streifen.

Also, als ich mich heute Morgen angezogen habe, ist mir in den Sinn gekommen, dass ich mich gestern bei meiner Abendlektüre ein bisschen aufgeregt habe. Ich lese gerade «Die dunkle Seite» von Frank Schätzing. Ein zentrales Element ist die Virtualisierung des Lebens. „Realität ist, was ist“ weiterlesen