Einmal alles zum Mitnehmen, bitte

Die Wordpress-Erweiterung WP RSS Aggregator zieht Inhalte von mehreren Quellen zusammen und zeigt sie, laufend aktualisiert, auf einer Website an – und zwar ohne, dass der Nutzer selbst einen RSS-Reader nutzen müsste. Ich schildere konkrete Anwendungsfälle.

Seit Juni 2012 gibt es in der Rubrik Werkschau und Linkstau eine Übersicht meiner neuen Artikel und Podcast, die ich in (mehr oder weniger) regelmässigen Abständen von Hand zusammenstelle.

Es gibt zwei Probleme mit dieser Übersicht: Erstens muss ich sie von Hand zusammenstellen. Und zweitens ist sie immer nur dann aktuell, wenn ich das gerade getan habe. Schon eine Woche später fehlen die allerneuesten Beiträge – also typischerweise jene, die gerade am meisten interessieren.

Ich habe mir darum überlegt, wie sich dieses Problem beheben liesse. Es bestand bis anhin in den unterschiedlichen Quellen. Da es nicht auf allen Websites einen passenden RSS-Feed gibt, kann ich die nicht automatisch zusammenziehen und in einem konsolidierten Liste anbieten, so wie es mir vorschweben würde.

Doch zum Glück gibt es dafür seit einigen Wochen eine Lösung: Seitdem führe ich mein Artikelarchiv unter archiv.matthiasschuessler.ch, wo ich zeitnah Referenzen zu meinen Artikeln hinzufüge. Das hat, wie alle WordPress-Sites, einen RSS-Feed.

Die Inhalte mehrere Websites zusammenführen

Das heisst: Wenn es eine Möglichkeit gäbe, die RSS-Feeds für dieses Blog hier, für die Nerdfunk-Podcast-Folgen, Mrclicko.de und für das besagte Artikelarchiv zusammenzuziehen, würde dabei eine schöne, konsolidierte Liste mit allen Inhalten herauskommen, die jederzeit aktuell wäre – also genau das, was ich gerne hätte.

Und natürlich gibt es diese Möglichkeit. Das WordPress-Plugin WP RSS Aggregator funktioniert als Feedreader, der ein paar wenige oder auch viele RSS-Feeds abruft und auf der Website einbindet. Ich brauche somit nur meine vier Feeds einzutragen und kann sie daraufhin über eine Seite anzeigen lassen. Diese neue, immer aktuelle Übersicht findet sich in meinem Artikelarchiv auf der Werkschau-Seite.

So sieht die Werkschau-Liste aus.

Für das WP RSS Aggregator-Plugin macht es keinen Unterschied, ob man eigene oder fremde RSS-Feeds einträgt. Man kann wenige oder viele Feeds hinterlegen und auch Dateien im OPML-Format importieren, die man aus Feedreadern wie Feedly exportiert. Das tut man über den Menüpunkt RSS-Aggregator > Tools > Import, siehe auch hier.

Für öffentliche oder private Aggregation

Daraus ergeben sich drei Nutzungsmöglichkeiten:

  1. Man nutzt WP RSS Aggregator so wie ich und führt eigene Inhalte zusammen.
  2. Man baut sich seinen individuellen Feedreader, den man anstelle von Feedly oder Apps wie Newsify, Feedlab, Inoreader oder Lire RSS verwendet. Der Vorteil: Man braucht keine spezielle App, sondern hat die Übersicht am Computer und Handy zugänglich und kann andere daran teilhaben lassen.
  3. Man stellt Nachrichtenquellen für bestimmte Zwecke bereit: Wir könnten für den Nerdfunk unsere Lieblings-Newssites zusammentragen und diese für uns und unsere Hörerinnen und Hörer vorhalten. Auch ein klassischer News-Aggretator à la Google News ist denkbar.
Die Feeds.

Noch ein paar Details zur Funktionsweise von WP RSS Aggregator: Nach der Installation erscheint das Plugin im Menü mit dem eigenen Menüpunkt RSS Aggregator. Die Feeds sind unter Feed Source ersichtlich und können hier bearbeitet werden Seltsamerweise ist es nicht möglich, an dieser Stelle einen Feed hinzuzufügen. Das tut man unter Tools in der Rubrik Bulk Add Sources: Hier gibt es ein Textfeld, in das man pro Zeile einen Feed einträgt, und zwar mit Beschreibung und Adresse. Also zum Beispiel so:

Clickomania, https://blog.clickomania.ch/rss

Wie oben schon geschrieben, ist es unter Import möglich, eine OPML-Datei als Quelle für die Feeds zu nutzen.

Die Inhalte einzubinden, ist simpel

Um seine Feeds auf einer Seite oder in einem Blogpost einzubinden, klickt man auf das sechseckige, orange Symbol, das das RSS-Aggregator-Plugin in die Menüleiste einfügt. Es erscheint ein Dialog, in dem man angibt, ob man alle Feeds anzeigen oder einige ausschliessen möchte. Man trägt ein, wie viele Elemente angezeigt werden und ob die Seite paginiert wird, d.h. lange Listen auf mehrere Seiten verteilt werden.

Ausserdem gibt man an, welche Vorlage (Template) verwendet werden soll; dazu gleich mehr. Man kann einen Feed auch manuell hinzufügen, über einen Shortcode wie diesen hier:

[wp-rss-aggregator template="default" pagination="on"]

Die Vorlagen werden über den Menüpunkt Templates verwaltet. In seinem Template legt man fest, welche Informationen mit einem RSS-Element ausgegeben werden, wie das Datum formatiert wird und wie viele Elemente die Liste umfassen soll.

Als Liste, Raster oder Magazin-artig

Als Alternative zur etwas drögen Liste von Links steht eine Magazin-artige Darstellung mit Vorschaubildern, Textanrissen (Excerpts) und hübscherer Formatierung zur Auswahl. Dafür benötigt man die Templates-Extension, doch die ist bedauerlicherweise nur in der Pro-Variante von WP RSS Aggregator enthalten. Und damit sind wir beim Nachteil dieser Lösung: Diese Pro-Variante ist ab 59 US-Dollar pro Jahr zu abonnieren, was für meine Zwecke zu teuer ist.

Die Vorlage bestimmt, wie der RSS-Feed dargestellt wird.

Aber je nach Einsatzgebiet ist sie ihr Geld natürlich wert: Sie importiert auf Wunsch den gesamten Text aus den Artikeln, zeigt die Kategorien der Quelle an und erlaubt die Filterung nach Schlüsselwörtern. Man darf aus Feed-Elementen auch neue Posts machen, was eine elegante Möglichkeit darstellt, Inhalte unkompliziert von einer Website auf eine andere zu übertragen.

Vermutlich gibt es legitime Einsatzzwecke, aber auf der Hand liegt, diese Funktion zu verwenden, um fremde Inhalte zu klauen. Dazu passt, dass sich in RSS Aggregator ein Dienst namens WordAi einbinden lässt. Er formuliert die Texte neu, was den Klau aber nur notdürftig bemäntelt:

WordAi verwendet künstliche Intelligenz, um Texte zu verstehen und ist in der Lage, Ihren Artikel automatisch mit der gleichen Lesbarkeit wie ein menschlicher Schreiber umzuschreiben.

Das benötige ich nicht, aber WordAi hat mich auf eine Idee gebracht: Wenn RSS Aggregator es analog erlauben würde, Deepl.com einzubinden, hätte ich die Möglichkeit, mein Blog in einer automatischen Übersetzung anzubieten. Das könnte sich so positiv auf die Werbeeinnahmen auswirken, dass sich nicht nur ein Pro-Abo für Deepl, sondern auch eines für RSS Aggregator rechtfertigen würde.

Ich habe diese Frage auch dem Hersteller gestellt, die Antwort lautet wie folgt:

Wir haben derzeit keine Pläne für die Integration mit Übersetzungsdiensten, aber ich werde das Feedback an das Entwicklungsteam weitergeben, damit es berücksichtigt werden kann.

Information will frei sein

Fazit: RSS Aggregator zeigt einmal mehr, was RSS für eine simple und gleichzeitig tolle Sache ist. Die Feeds erlauben es einem, Informationen so zu bündeln und darzustellen, wie man das gerne hätte.

Was meine automatisierte Werkschau angeht, hat die gegenüber den alten, handgeklöppelten Übersichten einen gewichtigen Nachteil: Es fehlt die der Anriss, weil über die Gratis-Variante des Plugins keine Kurzfassungen übernommen werden. Das ist schade, aber ich werde Nachforschungen anstellen, ob es zu WP RSS Aggregator Alternativen gibt, die das etwas kostengünstiger tun als dieses für meine Zwecke zu teure Plugin.

Zwei Tipps noch:

Unter Feed Items sieht man die importierten Elemente und kann einzelne löschen. Unter Settings in der Rubrik General gibt man an, wie oft die Feeds aktualisiert werden sollen. Die Standardeinstellung ist stündlich. Wenn es nicht eilt, setzt man die Option auf Täglich. Das kürzeste Intervall ist 15 Minuten. Man kann die Items per Feed beschränken, die Sortierung festlegen und Einträge auch ab einem gewissen Alter weglassen.

In den Einstellungen legt man u.a. fest, wie häufig die aggregierten Inhalte aktualisiert werden.

Bei Custom Feed gibt es die aggregierten Inhalte wiederum als neuer Feed. Das heisst, alle meine Inhalte sind unter archiv.matthiasschuessler.ch/alles erhältlich.

Beitragsbild: Bei diesem Symbolbild wäre das Plugin die Pumpe, die den Inhalt durch die Röhre von einer Website zur anderen bringt (Pixabay, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Einmal alles zum Mitnehmen, bitte“

  1. Ich bin diese Frage von der anderen Seite angegangen. Da ich eh ein Pro-Abo bei Zapier nutze, hab ich mir einige Zaps zusammengestellt, die meine Outputs an den verschiedenen Quellen per RSS abgreifen und an zwei Orten zusammentragen (eine dezidierte WP-Installation und Notion). Das ist der Vorteil der Zapier-Methode: ich kann Daten zu verschiedenen Orten senden, statt RSS auch andere Quellen abgreifen und die Daten nach belieben anreichern.

  2. Die Integration von WordAi ist so unglaublich frech, dass ich lachen musste. 😀 Wenn die Beispiele auf deren Seite stimmen, könnte das tatsächlich funktionieren. Ein paar Feeds reinhängen, mittels anderem Plugin (kenne ich nicht, gibt es aber bestimmt) die Produktnamen mit Amazon-Affiliate-Links anreichern und schon hat man sein eigenes Testberichte-Blog.

    Schade, ist WordAi so teuer. Für legitime Zwecke wäre es interessant. Zum Beispiel, um holpriges Englisch neu formulieren zu lassen.

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