So kommt man trotz Reiseverbot in der Welt herum

Eine tolle App setzt einem nach dem Zufallsprinzip Webradiosender aus aller Welt vor. So kann man fremde Länder zumindest mit den Ohren besuchen.

Seit ich denken kann, ist Radio das Medium meiner Leidenschaft. Sosehr, dass man sich fragen kann, warum ich zum Schreiberling geworden bin. Es könnte damit zu tun haben, dass ich nicht ganz so schnell denke, wie ich spreche – und ich es darum praktisch finde, dass ich bei der Arbeit als schreibender Journalist auch einmal eine halbe Stunde über einen Satz nachdenken kann.

Meine Gefühle fürs Radio haben sich in den letzten Jahren ausdifferenziert. Meine Liebe fürs Mainstream-Radio ist erkaltet – so weit, dass ich seinerzeit gefordert habe, man möge den DRS3 (heute SRF3) doch bitte abschalten. Obwohl das der Sender war, der in meiner Jugend meine Hingabe entfacht hatte. Schuld sind die Massnahmen, mit denen die meisten grossen Stationen auf Massentauglichkeit getrimmt worden sind.

Gleichzeitig habe ich all die alternativen Formen des Radios schätzen gelernt: Die Nischensender wie Radio Stadtfilter, wo ich seit 2009 selbst Sendemacher bin. Aber auch die Radio-ähnlichen Medien wie Podcasts, die dem Radio einen neuen Sinn und eine neue Daseinsberechtigung geben – siehe dazu zum Beispiel Das Revival des Hörspiels.

Da habe ich mich sehr gefreut, als mir neulich die Website radio.garden begegnet ist. „So kommt man trotz Reiseverbot in der Welt herum“ weiterlesen

Ein wirklich hübscher Windows-Rechner – und eine praktische Windows-Funktion

Das HP Spectre x360 13 in einem ersten Augenschein – mit besonderer Würdigung der Gesichtserkennung von Windows 10.

Sind sie nicht ein hübsches Paar?

Ich habe derzeit die Gelegenheit, das HP Spectre x360 13 (aw0xxx) zu testen. Das ist ein als Laptop und Tablet nutzbarer Mobilcomputer mit Windows 10, ein so genannter Convertible. Er ist im Premium-Segment angesiedelt, was bedeutet, dass der Preis bei ungefähr 1600 Franken anfängt (bei Amazon: 1600 Euro). Man kann, mit i7-Prozessor, 16 GB RAM und 2 TB-SSD aber auch knapp 2200 Franken ausgeben.

Für die Tamedia-Kanäle werde ich das Gerät ausführlich ansehen. An dieser Stelle gibt es meinen ersten Eindruck – und eine Besprechung der Windows-Hello-Funktion zur Anmeldung mittels Gesichtserkennung.

Also, vorneweg: Während HP früher wirklich langweilige Geräte gebaut hat, muss man sich mit den neuen Modellen nicht mehr in Grund und Boden schämen. Auch dann nicht, wenn man im Zug oder Flugzeug zufälligerweise neben dem Besitzer eines Apple-Laptops zu sitzen kommen sollte. (Vorausgesetzt, dass gerade keine Pandemie herrscht, versteht sich.) „Ein wirklich hübscher Windows-Rechner – und eine praktische Windows-Funktion“ weiterlesen

Das Leben (und Apple-Watch-Wettbewerbe) sind nicht fair

Über Sinn und Unsinn (und Ungerechtigkeiten) bei Wettbewerben mit der Apple Watch.

Die Apple Watch sei «the most personal device we’ve ever created», das persönlichste Gerät, das es von Apple gibt, hat Tim Cook bei der Vorstellung 2014 gesagt.

Das ist eine Behauptung, die zumindest ein bisschen kontrovers ist. Es gibt die Leute, die Technik auf Distanz halten und sie strikt auf ihre Rolle als unpersönliches Hilfsmittel reduziert wissen wollen. Und dann gibt es die Leute, die zumindest akzeptieren, dass man diese Uhr so nah an seinen Körper heranlässt, wie sonst kein anderes Apple-Produkt.

… an dieser Stelle kann man einwerfen, dass es Leute gibt, die sich ihr Smartphone an einem Täschchen um den Hals und damit an den Busen bzw. vor das Herzen hängen. Oder meinetwegen über den Bauch. Das finde ich mehr als seltsam. Aber es ist womöglich kein Ausdruck einer sonderlich innigen Bindung zum Gerät, sondern eine pragmatische Angelegenheit. Nicht alle Leute haben Hosen mit ausreichend grossen Taschen.

Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass die Apple Watch Dinge tut, die sich das iPhone nicht erlauben würde. „Das Leben (und Apple-Watch-Wettbewerbe) sind nicht fair“ weiterlesen

Eine offene Video-Plattform, die Youtube an den Kragen will

Youtube setzt Milliarden um, steht trotzdem in der Kritik – und bekommt nun neue Konkurrenz.

Hat Youtube den Zenit  überschritten? Die Antwort auf diese Frage hängt von der Perspektive ab. Neulich hat Google zum ersten Mal konkrete Zahlen zur Videoplattform veröffentlicht (PDF): 15 Milliarden US-Dollar Umsatz waren es im letzten Jahr. Das sind knapp zehn Prozent des Umsatzes des Mutterkonzerns Alphabet von 162 Milliarden US-Dollar. Trotzdem: Falls ich im Dokument oben nichts übersehen habe, steht da nicht, wie viel Gewinn die Videoplattform abwirft.

Betrachtet man die Sache durch die finanzielle Brille, dann hat Youtube den Zenit nicht überschritten. Im Gegenteil: Die Plattform wächst und gewinnt weiterhin an Einfluss. Und auch Youtube Premium ist zwar kein durchschlagender Erfolg, aber mit 20 Millionen Abonnenten auch keine krachende Pleite.

Das Verdikt der Youtuber selbst fällt deutlich anders aus. „Eine offene Video-Plattform, die Youtube an den Kragen will“ weiterlesen

#StayTheFuckHome – und trotzdem reisst der Kontakt nicht ab

Keine Besuche bei Freunden, keine gesellige Runde in der Beiz – und trotzdem möchten wir nicht vereinsamen. Das Internet und die passenden Apps helfen uns dabei.

Eines der drängendsten Themen ist in diesen Zeiten der Corona-Pandemie die Kommunikation. Wie bleibt man mit Eltern, Freunden, Bekannten in Verbindung, wenn man sich nicht mehr treffen kann? Das ist für viele schwierig – aber besonders für die Grosseltern, die ihre Enkelkinder nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Der Vorschlag, etwas zu diesem Thema zu machen, wurde von diversen Seiten an mich herangetragen, nachdem ich die Idee selbst schon gehabt hatte. Sie ist naheliegend – und gleichzeitig auch knifflig, finde ich. Denn das Problem ist nicht, die passende App zu finden. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, um per Live-Video zu kommunizieren. Facetime fürs iPhone und iPad, Google Duo für Android und iPhone und den Videotelefonie-Klassiker Skype. Den gibt es für Android, iPhone, natürlich auch für Windows und Mac und sogar als Online-Version für den Browser.

Videotelefonieren kann man auch in manchen Messengern, zum Beispiel WhatsApp oder Signal. Und dann gibt es auch die Skype-Alternativen wie Zoom.us, das fürs Homeoffice eine gute Wahl ist.

Die Wahl der passenden App ist darum kein eigentliches Problem: „#StayTheFuckHome – und trotzdem reisst der Kontakt nicht ab“ weiterlesen

Die digitalen Wimmelbücher

Zwei Apps für Kinder, die die Neugierde wecken und den Entdeckertrieb anstacheln.

In Zeiten der Pandemie hat man, nebst vielen anderen Baustellen, auch die Aufgabe, die Kinder bei Laune zu halten. Und für diesen Zweck ist ein Tablet – und das sage ich nur mit einem kleinen bisschen übertriebenem Pathos – Gold wert. Denn das Tablet liefert Filme und Unterhaltung. Und eben auch Spiele, mit denen sich die Kleinen selbst beschäftigen, während die Erwachsenen versuchen, das Chaos im Homeoffice zu überblicken und einzudämmen.

Das «Winterthurer Wimmelbuch»

Eine App-Kategorie hat es meiner Tochter (und auch mir) besonders angetan. Ich habe sie erst vor Kurzem entdeckt. Es handelt sich um die digitale Variante des Wimmelbuchs. Meine Tochter mag die auch in klassischer Form. Zum Beispiel die Jahreszeiten-Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner. Oder das grossartige Winterthur-Wimmelbuch, bei dem nur das etwas offensive Sponsoring zu bemängeln ist.

Und eben: Es gibt die Wimmelbücher auch in App-Form: Da gibt es in verschiedenen Szenen Details zu entdecken. Im Gegensatz zu den gedruckten Büchern sind die animiert: Man kann eine Figur antippen, worauf etwas passiert. „Die digitalen Wimmelbücher“ weiterlesen

Der Quälgeist aus der Sport-App

Aus Panik vor der Ausgangssperre habe ich mir zwar keinen Hometrainer, aber immerhin eine App fürs Inhouse-Schwitzen zugelegt.

Mir geht es wie vielen: Ich habe das Corona-Virus anfänglich auch für «so harmlos wie die jährliche Wintergrippe» gehalten. Mir ist jedoch schnell aufgegangen, dass das ein Trugschluss ist – auch deswegen, weil ich einige Familienmitglieder habe, die zu den Risikopatienten zählen.

Darum steht es für mich ausser Frage, die Massnahmen mitzutragen. Wie auch schon ausgeführt, fällt mir das als geborenem Stubenhocker mutmasslich leichter als vielen anderen Leuten. Ich vermisse es nicht extrem, nicht mehr an Bartresen herumzulungern oder zu jeder Tages- oder Nachtzeit zum Shopping oder ins Kino zu können. Dass unsere (bereits gebuchten) Ferien ins Wasser fallen, die für die zweitletzte April-Woche geplant waren, schmerzt mich allerdings schon ein bisschen.

Was mir aber wirklich schwerfällt, ist die Vorstellung einer kompletten Ausgangssperre. Kein Spaziergang, keine Joggingrunde – das wäre schwierig. Denn ich sehe mich zwar gerne als Nerd, der nichts braucht als seinen Bildschirm und den Internetanschluss.

Doch es ist unverkennbar, dass ich einen gewissen Bewegungsdrang habe, der befriedigt sein will. Das Bedürfnis ist besonders gross, wenn ich den ganzen Tag recherchiert und geschrieben habe und geistig aktiv war. Ich nehme an, dass das irgend so ein Ausgleichsmechanismus der Natur ist, der uns Kopfmenschen zwischendurch an unsere Körperlichkeit erinnern soll. Keine Frage, dass die Evolution dem irgendwann den Garaus machen wird. Aber im Moment müssen wir uns mit ihm abfinden. „Der Quälgeist aus der Sport-App“ weiterlesen

Trackt die Smartwatch eigentlich auch den Sex?

Eigentlich eine Frage des Datenschutzes. Doch in Zeiten wie diesen fragt man sich eher: Ist das eine probate Methode, diese Ringe zu schliessen?

Wenn man eine Smartwatch oder irgend ein Fitness-Gadget trägt, dann fällt einem irgendwann einmal ein dicker, fetter Elefant auf, der plötzlich im Raum steht. Ich will nun nicht behaupten, dass dieser Elefant ein aphrodisierendes Parfüm aufgelegt hat und Strapse trägt. Aber er ein bisschen aufreizend ist er schon. Denn es geht an dieser Stelle um den guten alten Geschlechtsverkehr.

Dieser Elefant im Raum – oder für Leute, die mit der Metapher aus dem angelsächsischen Sprachraum nicht vertraut sind – die nie gestellte, aber offensichtliche Frage zu den Smartwatches lautet: «Merkt das Ding eigentlich, wenn ich Sex habe?»

Diese Frage stellt sich für Leute, die sie für sich bejahen können  – aber auch für die Asexuellen und Enthaltsamen.

Denn ob aktiv oder nicht, es gibt in beiden Fällen Gründe, dass man das Wann und Wann-nicht und das Wie-oft oder Wie-oft-nicht für sich behalten möchte. „Trackt die Smartwatch eigentlich auch den Sex?“ weiterlesen

Jetzt oder nie in die Podcast-Welt abtauchen

Wenn wir alle dieser Tage in unseren Wohnungen hocken, ermöglichen uns Podcasts mentale Ausbuchsversuche.

Mit der Themenfindung ist es so eine Sache: Manchmal fallen einem die spannenden Themen in den Schoss. Oft muss man um sie ringen. Und manchmal bleiben die Selbstzweifel bis am Schluss.

Bei diesem Video war es so. Es geht um den Lockdown, den Stillstand des normalen Lebens. Er beschäftigt uns alle – wie könnte er auch nicht! Und er verwandelt die normalen Themen, um die es in der digitalen Welt oft geht, in banale Nebensächlichkeiten.

Darum drängt sich ein Patentrezept-Video auf. Doch gleichzeitig ist die Fallhöhe enorm: Banale Empfehlungen, auf die jeder selbst gekommen wäre, sind eine Zeitverschwendung fürs Publikum. Wenn man den Ton nicht trifft, dann ist einem Ablehnung gewiss: Eine saloppe Schreibe verbietet sich ebenso wie Dramaqueen-Allüren. Jegliche Anflüge von Clickbaiting muss man sich unbedingt verkneifen. Und auch der routinierte Alltagston verbietet sich – denn wenn man so klingt, als ob man die Sache nicht ernst nehmen würde, ist das auch mehr als kontraproduktiv.

Knifflig ist auch, dass ich die Videos mit etwas Vorlauf produziere: „Jetzt oder nie in die Podcast-Welt abtauchen“ weiterlesen

Was Buchverlage von Fernsehserien lernen könnten

Schauen Buchautoren manchmal fern? Die Frage klingt polemischer, als sie gemeint ist. Ich will der buchschreibenden Zunft keine Abgehobenheit attestieren – obwohl ich mich schon ein bisschen wundere.

Der Ausgangspunkt für mein Erstaunen ist folgender: Sowohl im Fernsehen als auch beim Buch gibt es die sogenannte Serie. Sie entsteht dann, wenn ein Werk nicht in einem Stück an den Rezipienten überantwortet wird, sondern in Segmenten. Die Daseinsberechtigung für diese sequenzierte Form der Erzählung wird von Wikipedia einleuchtend beschrieben:

Um Spannung und Interesse der Zuschauer zu erhalten, ist ein Drama in seiner Länge zeitlich beschränkt. Geduld, Konzentrationsfähigkeit und schiere körperliche Ausdauer des Publikums lassen eine Aufführung von mehr als drei, maximal vier Stunden nicht zu.

Übertragen auf Bücher hat das Serienprinzip praktische Gründe. Man stelle sich George R.R. Martins «A Song of Ice and Fire» als Einzelausgabe vor: Die wäre (gemäss Amazon) fast 23 Zentimeter dick und 3,9 Kilogramm schwer.

Und natürlich gibt es auch kaufmännische Gründe. Mehrere dünne Bücher ergeben einen höheren Verkaufserlös als ein dickes. „Was Buchverlage von Fernsehserien lernen könnten“ weiterlesen