Ein wirklich hübscher Windows-Rechner – und eine praktische Windows-Funktion

Das HP Spectre x360 13 in einem ersten Augenschein – mit besonderer Würdigung der Gesichtserkennung von Windows 10.

Sind sie nicht ein hübsches Paar?

Ich habe derzeit die Gelegenheit, das HP Spectre x360 13 (aw0xxx) zu testen. Das ist ein als Laptop und Tablet nutzbarer Mobilcomputer mit Windows 10, ein so genannter Convertible. Er ist im Premium-Segment angesiedelt, was bedeutet, dass der Preis bei ungefähr 1600 Franken anfängt (bei Amazon: 1600 Euro). Man kann, mit i7-Prozessor, 16 GB RAM und 2 TB-SSD aber auch knapp 2200 Franken ausgeben.

Für die Tamedia-Kanäle werde ich das Gerät ausführlich ansehen (inzwischen ist das hier geschehen). An dieser Stelle gibt es meinen ersten Eindruck – und eine Besprechung der Windows-Hello-Funktion zur Anmeldung mittels Gesichtserkennung.

Also, vorneweg: Während HP früher wirklich langweilige Geräte gebaut hat, muss man sich mit den neuen Modellen nicht mehr in Grund und Boden schämen. Auch dann nicht, wenn man im Zug oder Flugzeug zufälligerweise neben dem Besitzer eines Apple-Laptops zu sitzen kommen sollte. (Vorausgesetzt, dass gerade keine Pandemie herrscht, versteht sich.)

Das Diamantenschnitt-Design.

Ich finde die Linien beim Macbook zwar noch klarer und weniger auf Effekt getrimmt. Das so genannte «Diamantenschnitt-Design» mit den abgewinkelten Ecken und dreiecksförmigen Seitenrändern ist mir zu barock. Aber das ist eine Nebensache, angesichts der Tatsache, dass das Design ansonsten absolut funktional ist.

Zum Beispiel die 360°-Scharniere. Die sehen schmuck aus und sie funktionieren, wie sie sollten: Sie halten das Display in der Position fest, in der man es haben möchte: Egal, ob im Laptop-Modus, mit der nach hinten geklappten Tastatur im Tablet-Modus – oder dazwischen, wenn man das Gerät für Präsentationen mit dem Display nach vorn vor sich aufstellt.

Und wirklich grossartig ist das Display: Im Marketing-Sprech heisst das «Oled, mit True Black HDR» – was aber nicht nur Schaumschlägerei ist, sondern sofort ins Auge spricht: Dunkles Dunkel, die hellen Bereiche leuchtend hell. Da brauchen Leute wie ich, die gerne in abgedunkelten Räumen sitzen, sogar für die Computerarbeit eine Sonnenbrille.

Klever: So hat im dünnen Gehäuse sogar ein dicker USB-A-Slot platz.

Ansonsten hübsche Details:

  • Der Stift, der mitgeliefert wird.
    Der «Kill-Switch» für die Webcam, mit der man sie physisch abklemmt.
  • Die hintergrundbeleuchtete Tastatur.
  • Der klevere Mechanismus, mit dem HP trotz des sehr dünnen Gehäuses auf der linken Seite einen USB-A-Slot hinbekommen hat.
  • Zwei USB-C-Anschlüsse mit Thunderbolt 3.
  • Und ein Micro-SD-Kartenleser auf der rechten Seite.
Diese Taste macht einen etwas lotterigen Eindruck.

Etwas weniger gut gefällt mir, dass HP noch immer nicht darauf verzichtet, auch bei den Premium-Geräten irgendwelche Software zu bündeln. Bei meinem Testgerät ist McAfee LiveSafe und ExpressVPN mit dabei. Und etwas beunruhigt mich, dass die Pfeil-nach-rechts-Taste hervorsteht, mit einem deutlichen Zwischenraum – das birgt die Gefahr, dass sie hängen bleibt und kaputtgeht.

Es mangelt Windows nicht an Möglichkeiten, um den Nutzer bei der Anmeldung zu identifizieren.

Auf dem HP Spectre x360 hat man mit Windows 10 eine beeindruckend umfangreiche Liste an Anmeldemöglichkeiten zur Auswahl. In den Einstellungen bei Konten > Anmeldeoptionen gibt es geschlagene sechs Wege zum Login: Gesichtserkennung, Fingerabdruck, Pin, Sicherheitsschlüssel (siehe dazu Ein Blick in die passwortlose Zukunft) und – ganz am Schluss – das gute alte Kennwort.

Besonders interessiert hat mich die Gesichtserkennung. Ich kenne sie vom iPhone 11 Pro, wo ich mich, wie hier beschrieben, erst an diese neue biometrische Entsperrungsmöglichkeit gewöhnen musste. Bei Smartphone hat der Fingerabdruckscanner nach wie vor etwas für sich, weil man das Gerät entsperren kann, noch bevor man es sich überhaupt vors Gesicht gehalten hat.

Bei einem Laptop hingegen ist die Gesichtserkennung in vielen Fällen die praktischste Methode: Sie loggt einen im Idealfall schon ein, während man sich vors Gerät setzt und es noch nicht einmal berührt hat.

Darum war ich gespannt, sie einmal bei Windows 10 auszuprobieren. Im Vergleich zum iPhone schlägt sie deutlich langsamer an. Das hat mit Bestimmtheit damit zu tun, dass Apple die Funktion perfekt mit der eigenen Hardware abstimmen kann, Microsoft hingegen mit den Kameras unterschiedlicher Hersteller zurecht kommen muss.

Die etwas längere Reaktionszeit ist kein wirkliches Problem: Laptops werden viel weniger häufig entsperrt als das Smartphone. Mit dem Laptop arbeitet man typischerweise längere Perioden, während man das Telefon öfters wegen eines kurzen Blicks aus der Tasche nimmt.

Die Gesichtserkennung lässt sich mit zusätzlichen Training verbessern

Deutlich störender war, dass die Gesichtserkennung mich anfänglich nicht sehr zuverlässig identifiziert hat. Dieses Problem lässt sich entschärfen, indem man in den Einstellungen bei Konten > Anmeldeoptionen die Windows Hello-Gesichtserkennung auswählt und dann auf den Knopf Erkennung verbessern klickt. Dann wird man noch einmal einer Inspektion unterzogen.

Nach dem zweiten Durchlauf ist die Erkennungsrate deutlich besser geworden. Doch für ein abschliessendes Urteil werde ich meine Testreihe noch etwas weiterführen.

Praktisch wäre, wenn sich das Gerät automatisch sperren würde, wenn man nicht mehr davor sitzt. Das ist über die Dynamische Sperre möglich, die sich ebenfalls in den Anmeldeoptionen findet. Ich habe sie seinerzeit im Video Sieben nervige Windows-Marotten – und wie man sie abstellt vorgestellt, aber als einigermassen unzuverlässig erlebt. Eine Überprüfung via Gesichtserkennung und Kamera wäre wahrscheinlich betriebssicherer.

Fazit: Nützlich und eine Komfortfunktion, die man im Alltag  schätzen lernt. Im direkten Vergleich ist die Entsperrung über die Apple Watch beim Mac aber noch etwas unaufdringlicher.

Übrigens: Falls beim HP Spectre x360 13 die Anmeldung über die Gesichtserkennung nicht funktionieren sollte, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass man den oben erwähnten Kamera-Kill-Switch auf Aus geschaltet hat. Denn ohne Kamera funktioniert die Gesichtserkennung nicht.

Das wiederum zeigt ein Dilemma zwischen Komfort und Datenschutzbedenken auf: Wenn man sicher vor Kameraspionen sein will, dann schaltet man die Kamera nur ein, wenn man sie benötigt. Das wiederum bedeutet allerdings, dass man eines der besten Komfort-Features dieses Computers nicht benutzen kann.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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