Da springt der E-Mail-Funke

Die Mailapp, die alles kann: Spark hat mich in eine grössere Begeisterung versetzt, als ich es für möglich gehalten hätte.

Nachdem ich mich noch im letzten Jahr darüber beklagt hatte, dass die Mail-App von Apple am iPhone und iPad zwar ihren Zweck erfüllt, aber ansonsten nicht gerade der Überflieger ist, mache ich nun mein Versprechen wahr und werfe einen Blick auf Spark.

Das ist eine Mail-App, die es fürs iPhone, iPad, den Mac und Android gibt und die von sich nicht gerade unbescheiden behauptet, sie sei die beste E-Mail-App – zumindest für jene Plattformen, auf denen sie verfügbar ist. Eine Windows-Variante steht seit längerem in Aussicht, hat sich aber noch nicht materialisiert. Ich habe mir die iPhone-Variante angeschaut.

Der erste Eindruck von Spark ist positiv: Die App macht einen modernen Eindruck und macht genau das, was ich von einem Mailclient am Smartphone erwarte: Er sortiert mir die Mails automatisch nach Wichtigkeit. Das ist inzwischen ein Feature, auf das ich nur ungern verzichte und das mir bei Thunderbird schmerzlich fehlt – obwohl ich mich nach meinem grossen Test diverser Mailprogramme im vorletzten Jahr (Mailbird, Em Client, Mailspring und The Bat!) entschieden habe, dem Programm von Mozilla die Stange zu halten.

Die solide sortierte Inbox

Der sortierte Posteingang

Solche sortierten Inboxen gibt es auch bei Outlook, wo er Posteingang mit Relevanz heisst. Bei Gmail gibt es dasselbe in Grün in Form des sortierten Eingangs. Bei den beiden Programmen muss man zwischen den Ansichten hin und her wechseln, während die Sortierung bei Spark als Gruppierung realisiert ist: Die wichtigen und neuen Mitteilungen erscheinen zuoberst, danach die Newsletter, die angehefteten Mails und zum Schluss die gelesenen Nachrichten.

Über einen Schalter am oberen Rand wechselt man von der Smart Inbox zur Inbox: Sie zeigt die Mails wie gewohnt rein chronologisch, wobei sie nach Tagen gruppiert werden. Auch das sieht hübsch aus und ist praktisch.

Wie man es von einer mobilen Mail-App erwartet, stehen zum Sichten und Aussortieren der Mails Wischgesten zur Verfügung:

  • Wischen von links nach rechts bis in die Mitte markiert eine Nachricht als gelesen. Wischt man ganz rüber, wird die Nachricht archiviert.
  • Mit einer Geste von rechts bis etwa in die Mitte heftet man eine Nachricht an. Wischt man noch weiter, wird die Nachricht gelöscht.

Bei diesen doppelt belegten Gesten sehe ich ein gewisses Gefahrenpotenzial, dass man anstelle der einen Aktion versehentlich die andere auslöst, was in allen Fällen ärgerlich wäre. Aber ich habe die App noch zu wenig intensiv benutzt, um beurteilen zu können, wie gross diese Gefahr ist. Jedenfalls kann man in den Einstellungen die Wischgesten konfigurieren und so ggf. entschärfen.

Die durchdachten Organisationshilfen

Das sind die Aktionen, die man einer Wischgeste hinterlegen darf.

Und ich bin wirklich beeindruckt, was die Auswahl an Aktionen angeht: Man kann seine Nachrichten per Wischen auch Verschieben (entweder mit Wahl des Ziels oder mit einem fixen Ordner), anheften, für die Wiedervorlage programmieren, als Spam markieren oder an anderer Stelle speichern. Die Auswahl der Ziele fürs Speichern ist riesig: Dateien-App, Evernote, Onenote, Dropbox, Google Drive, Onedrive, Erinnerungen, Omnifocus, Things, Wunderlist, Todoist, Trello oder PDF.

Das heisst, dass an dieser Stelle bereits Zeit für ein Zwischenfazit ist: Diese Auswahl an Aktionen ist grossartig und ermöglicht es Leuten, auch absonderliche Workflows zu pflegen. Und wisst ihr was? Ich liebe Apps, die einem helfen, absonderliche Workflows zu pflegen.

Das Kontextmenü zu einem E-Mail im Posteingang.

Wenn man eine Nachricht etwas länger antippt, erscheint ein Kontextmenü, das wiederum eine grosse Auswahl an Befehlen bereithält:

Auswählen, Antworten, Weiterleiten, Als ungelesen markieren, Anheften, Wiedervorlage, Als Spam markieren, Archivieren, Bewegen, Mails nach Absender suchen, Erneut senden und Löschen.

Auf zwei davon gehe ich näher ein:

Die Wiedervorlage gehört zu meinen Lieblingsfunktionen. Sie lässt eine Nachricht verschwinden und bringt sie erst zur angegebenen Uhrzeit wieder zum Vorschein.

Dank der Wiedervorlage beschäftigt man sich zur richtigen Zeit mit jedem Mail.

Das ist für mich hervorragend, da ich an unterschiedlichen Tagen der Woche sehr unterschiedliche Dinge tue. Das bringt es mit sich, dass ich mich mit manchen Dingen nicht gleich sofort beschäftigen sollte und sie darum auch nicht konstant im Blick haben möchte. Über die Wiedervorlage erscheint die Nachricht zu einem Moment wieder, an dem ich Zeit und Musse für sie habe.

Die Möglichkeit, Mails nach Absender zu suchen. Die ist ebenfalls aus dem Leben gegriffen, denn häufig möchte man bei einer Nachricht erst einmal sehen, was man mit der fraglichen Person bei früheren Gelegenheiten kommuniziert hat. Der Befehl führt einem zur Suchfunktion, bei der der Suchparameter from mit der fraglichen Mailadresse bereits ausgefüllt ist. Man kann beliebige Parameter ergänzen.

Die alltagstaugliche Suchfunktion

Die Suchfunktion überzeugt.

Damit sind wir bei einer weiteren überaus wichtigen Funktion: der Suche. Man kann nach beliebigen Stichworten suchen, doch über Parameter lassen sich die Resultate sehr leicht eingrenzen. Die muss man zuerst lernen, aber dank der Vorschlagfunktion ist das keine Hexerei. Und es gibt überaus praktische Parameter wie to me (an mich geschickt) from me (von mir verschickt), last two days (letzte zwei Tage), pdf (mit PDF als Anhang), video (mit Video als Anhang).

Das ist aber erst der Anfang: Wie diese Hilfeseite zeigt, kann man auch mit natürlicher Sprache suchen: Attachments from David zeigt Mails von David mit Anhängen, Link from Sam yesterday das Mail mit einem Link, das Sam gestern geschickt hat. Und ja: Auch diese Möglichkeit muss man lieben!

Öffnet man eine Mail in der Einzelansicht, hat man oben rechts die Möglichkeit, sie anzuheften oder in einem Team zu teilen und zu diskutieren.

All die Dinge, die man mit einer eingegangenen Nachricht anstellen kann.

Das Dreipunkt-Menü im Header gibt einem wiederum diverse praktische Befehle an die Hand: Man kann antworten, die Nachricht weiterleiten, archivieren oder löschen, drucken oder als PDF exportieren oder nach dem Absender suchen lassen. Man darf sie bei einem der oben bei den Wischgesten-Einstellungen erwähnten Diensten speichern. Und, sehr praktisch, über den Befehl Verknüpfung erstellen kann man die Nachricht anderen Leuten zum Lesen unterbreiten.

Die Befehle, die man am häufigsten braucht, finden sich auch in der Leiste am unteren Rand noch einmal.

Auch fürs Verfassen neuer Mails hat Spark einige nützliche Funktionen in petto:

Es gibt Vorlagen, die ein Textgerüst enthalten, das man nur noch anpassen muss. Das ist ungemein praktisch für Leute, die oft über ähnliche Dinge kommunizieren. Trotzdem bevorzuge ich eine Textbausteinverwaltungs-App wie Phraseexpress, die ich im Beitrag Der Kommunikationsturbo vorgestellt habe und die es auch für den Mac und fürs iPhone und iPad gibt.

Man kann sich erinnern lassen, wenn eine Nachricht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt unbeantwortet geblieben ist.

Und es ist möglich, eine Nachricht nicht sofort zu senden, sondern zu einem späteren Zeitpunkt. Ich liebe diese Funktion! (Siehe Gmail auf die Finger schauen.)

Ein positives Fazit und ein Fragezeichen

Es gibt noch mehr, was ich erwähnen könnte: Die Schnellantworten, der klevere Umgang mit Signaturen, die umfangreichen Konfigurationgsmöglichkeiten. Doch da der Blogpost schon mehr als lang genug ist, hier endlich mein Fazit:

Es gibt sie, diese Momente, in denen man eine App entdeckt, die alles kann, was man sich wünscht – und obendrein genau auf die Art und Weise funktioniert, wie man sich es wünscht. Darum komme ich nicht umhin, Spark zu meiner Lieblings-Mail-App zu küren. Und wenn es dereinst eine Windows-Version geben sollte, werde ich nicht darum herumkommen, auch dort einen Wechsel ins Auge zu fassen.

Ganz überraschend kommt diese Erkenntnis nicht. Denn Spark stammt von Readdle: Das ist ein Softwareunternehmen, dass es schon früher geschafft hat, mich zu überzeugen. Zuletzt beim Kalender (Die bis auf Widerruf beste Kalender-App fürs iPhone) und vor längerer Zeit mit einem Dokumentenverwaltungsprogramm fürs iPad (Offline-Dokumentationen mit dem iPad).

Zwei Punkte noch: Erstens weiss ich noch nicht, wie gut sich die App bei der Spambekämpfung schlägt. Das war mein ursprünglicher Kritikpunkt bei Apples Mail-App – aber ich kann noch kein Urteil abgeben, da ich in letzter Zeit zum Glück nicht mehr so viel unerwünschte Nachrichten bekomme.

Und zweitens will ich nicht verheimlichen, dass es zu Readdle immer wieder Leute gibt, die den Datenschutz anprangern. Ich habe die Datenschutzregeln überflogen und nichts Aussergewöhnliches gelesen. Eine leserfreundlichere Variante gibt es in einem Blogpost, das ein klares Bekenntnis enthält:

Wir verkaufen Ihre persönlichen Daten nicht und geben sie nicht unrechtmässig an Dritte weiter.

Vielleicht rührt die Kritik einfach daher, dass das Unternehmen in Odessa in der Ukraine beheimatet ist und viele Leute gegenüber Produkten aus dieser Weltgegend deutlich grössere Vorbehalte haben als bei solchen, die aus den USA kommen. Wie weit das gerechtfertigt ist, kann man spätestens seit dem NSA-Skandal diskutieren. Aber ja – Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, und man muss sein Mailpasswort in der App hinterlegen, zumindest für normale Imap- und Pop3-Konten. Es wäre möglich, dass es von da abgegriffen wird.

Für mich ist das kein Grund, die App nicht zu verwenden. Ja, jede App, in der man so viele persönliche Infos verwaltet, erfordert einen Vertrauensvorschuss an den Hersteller. Aber alles an Spark drückt aus, dass der Hersteller das Interesse hat, sein Geschäft durch Bereitstellen eines nützlichen Werkzeugs zu machen und nicht durch windige Nebenbei-Tätigkeiten. Das ist keine Garantie, aber für mich ausreichend.

Apropos: Spark ist kostenlos, es gibt aber Premium-Funktionen vor allem für die geschäftliche Nutzung, die ab 6,40 US-Dollar pro Nutzer und Monat zu haben sind.

Beitragsbild: Noch besteht Hoffnung in der Mailflut (Kristopher Roller, Unsplash-Lizenz)!

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Da springt der E-Mail-Funke“

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