Ventura hat einige kleine Vorteile und einen fetten Nachteil

Mac OS 13 im Augen­schein: Die neue Version von Apples Desktop-Betriebs­system hat einige erfreu­liche Neue­rungen und einen un­ver­zeih­lichen Makel.

Nach meinem Test von Stage Manager (Diese iPad-Neuerung wird es schwer haben) wollte ich ausprobieren, wie gut sich Apples neue Fensterverwaltung auf dem Mac schlägt. Zu diesem Zweck sollte die Betaversion von Mac OS 13 alias Ventura installiert werden. Aber ohne Erfolg: Die neue Version tauchte nicht unter den Updates auf, obwohl das Beta-Profil installiert war.

Als vor ein paar Tagen die fertige Version erschienen ist, habe ich einen erneuten Anlauf genommen – wieder ohne Erfolg. Auch dieser Trick hier hat mich nicht weitergebracht; ebenso wenig der Download des Offline-Installers, der verdankenswerterweise via mrmacintosh.com bereitgestellt wird.

Nun, da meine Frau mir ihr Macbook Air M1 geliehen hat, konnte ich den Test durchführen und für die Tamedia darüber schreiben. Bevor ich erläutere, was die Ursache des Problems war, eine Kurzfassung meiner Erkenntnisse zur neuen Mac-OS-Version:

Als erstes: Ist es erlaubt, dass ich zu Stage Manager trotz der ursprünglichen Absicht nicht viele Worte verliere? Ich werde nicht warm mit dieser Kreation – auf dem Mac noch viel weniger als beim iPad.

Auf dem iPad kann ich Stage Manager ansatzweise etwas abgewinnen, aber am Mac finde ich ihn völlig nutzlos – nur gerechtfertigt für Leute, die hauptsächlich das iPad nutzen und sich am Mac schlecht zurechtfinden.

Viele der kleinen Neuerungen gefallen mir hingegen gut. Dass sich wie bei iOS Mails zurückstellen und zeitversetzt versenden lassen, finde ich sinnvoll. Eine positive Überraschung ist die Möglichkeit, das iPhone als Webcam zu verwenden: Das funktionierte in Facetime tadellos und auf Anhieb – und es zeigt auch, wie viel besser die Smartphone-Kamera im Vergleich zu der im Laptop ist.

Nicht komplett neu, aber maximal einfach

Auch in Skype lässt sich das iPhone als externe Kamera verwenden.

Natürlich: Man konnte das iPhone auch bisher schon als Kamera einsetzen, zum Beispiel mithilfe der hier vorgestellten Epoc­Cam-App. Aber es ist viel angenehmer, nicht mit Dritt-Apps hantieren zu müssen. Übrigens funktioniert die Methode auch mit Videokonferenz- und -Telefonie-Apps von Drittherstellern, namentlich mit Zoom, Facetime, Google Meet und WebEx. Oder mit Skype, wo ich es ohne Probleme ausprobiert habe.

Um die Kamera zu wechseln, verwenden wir in Facetime das Video-Menü – in anderen Apps entsprechend den Auswahldialog für die Kamera. Damit es klappt, muss in den Systemeinstellungen unter Allgemein bei AirPlay & Handoff die Handoff-Funktion eingeschaltet sein. Am iPhone ist an gleicher Stelle in den Einstellungen die Option Integrationskamera einzuschalten; und natürlich müssen sich beide Geräte in Reichweite befinden.

Da geht eine grosse Portion Mac-Charme dahin

Apropos Systemeinstellungen: Diese haben in Ventura ein neues Aussehen und sind den Einstellungen am iPhone und iPad nachempfunden. Ob das eine sinnvolle Neuerung ist, darüber darf man geteilter Meinung sein: Einerseits vereinheitlicht sich die Bedienung, was weniger versierten Nutzern die Sache erleichtert. Andererseits wird es langweilig, wenn alle Systeme inzwischen über einen Kamm geschert werden.

Ungereimtheiten bei den neuen Systemeinstellungen – immerhin nicht so schlimm wie wenn wir der alten Systemsteuerung unter Windows 11 begegnen …

Bezüglich Ästhetik sind die Ventura-Systemeinstellungen ein Rückschritt. Die Vorgänger-Variante hatte einen hohen Wiedererkennungswert und war meines Erachtens auch praktischer: In der Darstellung mit Icons sind sämtliche Module auf einen Blick erkennbar.

In der neuen Darstellung mit Liste müssen wir nach unten scrollen, um uns einen vollständigen Überblick aller Rubriken zu verschaffen. Im Vergleich dazu sind die Einstellungen von Windows 11 marginal besser: Sie zeigen die Rubriken zwar auch in Listenform, aber da es relativ wenige davon gibt, bleibt die Einstiegsseite überschaubar.

Die Quicklook-Funktion in Spotlight ist schon jetzt eine meiner Lieblings-Neuerungen.

Ein paar kleine, aber im Alltag nützliche Dinge:

  • Quick Look – also das Anzeigen einer Vorschau durch Drücken der Enter-Taste – funktioniert nun auch in der Resultate-Liste einer Spotlight-Suche.
  • Spotlight nimmt über die sogenannten Schnellaktionen auch Befehle entgegen: Wir können einen Wecker stellen, den Fokus wechseln oder einen Song identifizieren (shazamen).
  • In Safari lassen sich Reitergruppen teilen: Auf diese Weise geben wir Linksammlungen an Kollegen oder Freundinnen weiter, die dann in einem Rutsch geöffnet werden.
  • In Nachrichten (iMessage) dürfen wir gesendete Nachrichten während einer Viertelstunde nach dem Abschicken editieren oder zurückrufen.
  • In der Fotos-App lassen sich gelöschte oder ausgeblendete Bilder mit dem Systempasswort bzw. einer Face-ID-Abfrage schützen.
  • Die aus iOS 16 bekannten Funktionen zum Löschen doppelter Fotos und zum Kopieren von Bildbearbeitungen gibt es auch bei Mac OS Ventura.

Ich schulde euch an dieser Stelle noch eine Erklärung. Nämlich zur Frage, warum ich es nicht geschafft habe, Ventura auf mein Macbook Pro zu bekommen.

Zu alt für Ventura

Nun, die Antwort ist einfach, aber auch reichlich frustrierend: Mein Macbook Pro von 2016 wird nicht mehr unterstützt. Ein Blick in die Systemanforderungen zeigt, dass es für die Installation mindestens ein Macbook, Macbook Pro, einen iMac oder iMac Pro von 2017, ein Macbook Air oder Mac Mini von 2018, einen Mac Pro von 2019 oder einen Mac Studio von 2022 braucht.

Das scheint mir eine beträchtliche Verkürzung zu sein: Das älteste Gerät, das man noch verwenden kann, ist fünf Jahre alt. Beim Vorgänger (Version 12 alias Mac OS Monterey) waren das acht Jahre (Mac Pro) bzw. sieben Jahre (Mac Mini). Beim Macbook Pro waren es allerdings auch nur sechs Jahre.

Ich würde vermuten, diese Verkürzung mit der Prozessor-Umstellung zu tun hat und Apple die Intel-Altlasten nicht mehr allzu lange mit sich herumschleppen will.

Zugegeben, das ist eine Unterstellung meinerseits; allerdings untermauert durch die Beobachtung, dass Ventura alles in allem nicht Hardware-hungriger geworden ist und theoretisch gut mit Ventura klarkommen müsste. Abgesehen davon gibt immer auch die Möglichkeit, besonders anspruchsvolle Funktionen für ältere Hardware nicht freizuschalten.

Die Messlatte liegt höher

Bei den Smartphones überzeugen Apples Geräte durch eine überdurchschnittliche Lebensdauer (siehe auch Fragwürdige Auskünfte im Swisscom-Shop). Schade, dass das bei den Computern nicht in gleichem Mass der Fall ist: Meinen Windows-PC habe ich anfangs 2021 nach neun Jahren ersetzt. Auch damals war weniger die Hardware, als vielmehr die Zwängerei des Betriebssystem-Herstellers schuld.

Trotzdem wäre die Lebensdauer von neun Jahren auch für den Mac eine gute Zielmarke. Solide Hardware, für die wir seinerzeit auch gutes Geld hingelegt haben, sollte entsprechend lange genutzt werden können. Da passt es schlecht ins Bild, wenn wir Nutzerinnen und Nutzer durch fehlende Update-Möglichkeiten zum Neukauf gedrängt werden.

Beitragsbild: Beide werden sie vom iPhone vor sich hergetrieben.

One thought on “Ventura hat einige kleine Vorteile und einen fetten Nachteil

  1. Salü Matthias,
    Willkommen im Club.
    Auch mein MacBookAir ist zu alt: Kaufdatum: 05.08.16
    Unter „Über diesen Mac“ steht „Early 2015“.
    Aber ich kaufe wegen dem noch kein neues Notebook.
    Tschüss.

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