Die Blogosphäre lebt – dafür sind manche Links ganz schön tot

Eine Empfehlung zum hübschen Blog teezeh.de, das belegt, dass ich nicht der letzte Mohikaner in der Blogosphäre bin. Und ein Hinweis, warum ihr es euch sparen könnt, mir zu erklären, wo es auf dieser Website überall veraltete Links hat.

Heute würden nur noch die Ewiggestrigen bloggen, habe ich vor Kurzem behauptet. Einer der Ewiggestrigen ist Thomas Cloer, der unter teezeh.de sein Weblog betreibt und in dem ich eine verwandte Seele erkannte.

… okay, diese Formulierung ist gar pathetisch ausgefallen. Sagen wir lieber, mit dem mich einige Merkmale verbinden. Erstens der Hintergrund als Journalist: Thomas Cloer hat für die «Computerwoche» geschrieben, bevor der Medienwandel diesem Engagement ein Ende gesetzt hat. Zweitens ist er zwar technisch interessiert, beweist aber auch den Willen, sich abzugrenzen. Er tut es, indem er noch CDs hört und bedrucktes Papier liest. Den CDs habe ich abgeschworen, dem Papier nicht. Aber es geht auch nicht darum, sondern um die erklärte Absicht, sich nicht vereinnahmen zu lassen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Und sein WordPress-Theme ist hübscher als meins. 😉

Drittens ist Thomas für den Contract for the Web, den ich ebenfalls wichtig finde. Und viertens gefällt mir der Tonfall, der so locker wie ernsthaft ist. Es gibt indes auch Unterschiede: Ich blogge deutlich häufiger als Thomas. 😉

Trotzdem, hier eine Empfehlung: Lest ab und zu Thomas’ Blog, insbesondere seine Kritik an Wikipedia bzw. dem CMS von Wikipedia, das die Artikel schwer lesbar, mit viel zu langen Zeilen darstellt oder der Beitrag zu den Erfahrungen mit dem Fairphone.

Im Beitrag Broken Links sind Geschichte geht Thomas auf ein Thema ein, dass ich hier schon lange einmal thematisieren wollte: Nämlich auf die Aufforderung, man möge doch in diesem oder jenem Blogpost einen Link flicken, der nicht mehr funktioniert. Ich erhalte auch ständig solche Hinweise – und zwar so oft, dass es wirklich langsam lästig wird.

Nur ein Beispiel: Karen schreibt mir Folgendes:

I noticed you have a broken link on one of your pages. It was this page where I noticed the issue. It seems Kaspersky has removed Rescue Disk so this link isn’t working. Perhaps you could point people to our list of free bootable antivirus tools so that they can easily find an alternative?

Dazu gibt es mehrere Dinge anzumerken:

1) Danke für gar nichts

Erstens das Eigeninteresse, das sich hinter Karens auf den ersten Blick so hilfreichem E-Mail verbirgt. Natürlich ist es Karen komplett egal, wenn in meinem Blog ein nichtfunktionierender Link zu finden ist. Es geht ihr vielmehr darum, einen Backlink abzustauben, weil das, wie wir wissen, die Popularität ihrer Site beim Pagerank von Google erhöht. Mit anderen Worten: Karen betreibt angewandte Suchmaschinenoptimierung, und ist sich nicht zu schade, dafür meine Zeit zu verschwenden.

An dieser Stelle die Bitte: Lasst das bleiben! Es ist fast, aber nicht ganz so lästig wie die Anfragen, ob hier im Blog bezahlte Artikel möglich sind. Siehe dazu: Subtile und plumpe Vereinnahmungsversuche.

2) das ist unvermeidlich

Zweitens sind nicht-funktionierende Links auf Blogs wie dem meinen unvermeidlich. Ich habe mir im Beitrag Verrottende Hyperlinks die Mühe gemacht, das näher zu untersuchen. Es gab damals auf ungefähr jeder zwölften Seite einen veralteten Hyperlink.

Da ich den Artikel 2015 geschrieben habe, dürfte die Zahl inzwischen markant angewachsen sein. Besonders ironisch ist übrigens, dass auch das Beitragsbild, mit dem ich den Artikel illustriert habe, nicht mehr existiert. Das habe ich via Getty Images eingebunden, wie das phasenweise meine Gewohnheit war. Wie sich zeigt, keine gewinnbringende Idee: so verrotten nicht nur Links, sondern auch die illustrativen Beigaben zu meinen Blogposts.

3) Ich werde einen Teufel tun

Und Thomas hat recht, wenn er sagt, dass Blogposts immer in datierter Form publiziert werden: Das widerspiegelt den Anspruch, dass der Beitrag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung akkurat ist. Es bedeutet aber nicht, dass er das bis in alle Ewigkeit bleiben wird. Nicht nur Links verlieren ihre Gültigkeit, auch inhaltliche Aussagen sind nach Monaten oder Jahren unter Umständen nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Mit dem Anspruch, dass Blogposts aktuell gehalten werden müssen, käme man als Blogger nicht umhin, einmal im Jahr alle Beiträge zu überprüfen und alles, was nicht mehr dem neuesten Stand der Dinge entspricht, umzuschreiben. Das ist logischerweise eine Arbeit, die niemand leisten kann oder will.

Es gibt keine Geschichtsklitterung hier im Blog

Und ein solch revisionistischer Ansatz wäre kontraproduktiv, weil er die Rolle des Blogs als Zeitzeugnis verwässert würde.

Mit anderen Worten: Wenn ich vor fünf Jahren einen Käse geschrieben habe, dann soll die ganze Welt davon vergewissern können, wie dumm ich damals war – wenn sie denn Bock darauf hat.

Es gibt indes Fälle, in denen ich auf Blogposts zurückkomme. Das ist immer dann der Fall, wenn sich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal über ein Thema schreibe: Dann ergänze ich einen Hinweis auf diesen Blogpost, damit Leute, die sich dafür interessieren, direkt weiterlesen können.

Ausserdem ergänze ich einen Hinweis, wenn grundlegend neue Informationen hinzugekommen sind, die meine Aussagen in ein anderes Licht rücken oder korrigieren. Ein Beispiel dafür ist ein USB-C-Adapter, der nach meiner Besprechung eine Speicherkarte zerstört hat – was ich unbedingt nachtragen wollte und im ursprünglichen Beitrag auch getan habe.

Wenn Nachträge, dann richtig

Mir ist es aber wichtig, dass der ursprüngliche Artikel möglichst unangetastet bleibt, weil das ein Gebot der Fairness ist: Denn wenn jemand auf meinen Beitrag verlinkt, dann muss er sich darauf verlassen können, dass sein Publikum, das er über diesen Link zu mir schickt, auch das vorfinden, was er erwartet.

Um das zu gewährleisten, habe ich zwei Methoden entwickelt: Für Dinge, die irgendwo im Text direkt erwähnt werden müssen, setze ich eine Fussnote, in der ich darauf hinweise, warum zur fraglichen Aussage ein Zusatz nötig ist. Falls es sich um eine allgemeine Ergänzung handelt, füge ich am Schluss einen Absatz an, den ich mit «Nachtrag» (früher auch «Update») übertitle.

Beitragsbild: Wenn das das Internet ist, wo sind dann all die toten Verbindungen hingekommen (Uriel SC, Unsplash-Lizenz)?

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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